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Wissenschaft im Trend: Europas erste Merkur-Mission startet zur Ergründung des rätselhaften Planeten

Die Weltraumbehörden von Europa und Japan haben eine gemeinsame Sonde ins All geschickt, um neue Erkenntnisse über den noch am wenigsten erforschten Planeten in unserem Sonnensystem zu gewinnen.
Wissenschaft im Trend: Europas erste Merkur-Mission startet zur Ergründung des rätselhaften Planeten
Am 20. Oktober startete die in Großbritannien gebaute Raumsonde BepiColombo mit zwei Satelliten auf einer leistungsstarken Ariane-5-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana zum Merkur. Ihre Expedition zum sonnennächsten Planeten wird sieben Jahre dauern. Auf dieser gemeinsamen Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) wird BepiColombo rund 8,5 Milliarden Kilometer zum Merkur zurücklegen, um der Wissenschaft die Entschlüsselung jahrhundertelanger Rätsel über den Planeten zu ermöglichen. Benannt wurde BepiColombo nach dem renommierten italienischen Wissenschaftler Giuseppe „Bepi“ Colombo, der maßgeblich an der Planung der Mars-Vorbeiflüge der Mariner-10-Mission in den 1970er Jahren beteiligt war.

Vor allem die Frage nach dem Ursprung des Merkur beschäftigt die Wissenschaft. „Der Merkur widerspricht im Grunde unseren Theorien über die Entstehung des Sonnensystems, und ohne ein tief greifendes Verständnis des Merkur werden wir auch unseren eigenen Planeten nicht vollständig verstehen können“, so Professor Dave Rothery, der als Wissenschaftler der Open University im Vereinigten Königreich an der BepiColombo-Mission beteiligt ist, gegenüber der BBC.

Diese Ansicht teilt auch der stellvertretende Projektwissenschaftler der BepiColombo-Mission, Joe Zender. Der britischen Zeitung „The Guardian“ gegenüber sagte er: „Wenn wir nicht nur unsere Erde verstehen wollen, sondern auch, wie auf der Erde, und vielleicht sogar auf anderen Planeten, Leben entstehen kann, müssen wir zuerst unser Sonnensystem verstehen.“

Eine bislang beispiellose Merkur-Mission

Bisher ist es erst zwei NASA-Missionen gelungen, den Merkur zu erreichen. Unser Wissen geht fast vollständig auf die Sonde der Messenger-Mission zurück, die den Merkur zwischen 2011 und 2015 umkreiste. BepiColombo soll nun mit doppelt so vielen Instrumenten an Bord aus noch kürzerer Distanz über noch längere Zeit Daten sammeln.

Dabei muss BepiColombo eine unglaubliche interplanetare Reisestrecke absolvieren: neun Planeten-Vorbeiflüge bei Spitzengeschwindigkeiten von 60 km/s. Dabei wird die Erde einmal, die Venus zweimal und der Merkur sechsmal umrundet. Bei ihrer Ankunft Ende 2025 wird die Sonde zwei Orbiter um den Merkur kreisen lassen. Eine davon stammt von der ESA, die andere von der JAXA. Mindestens ein Jahr lang sollen sie Daten über die Zusammensetzung, Geophysik, Atmosphäre, Magnetosphäre und geologische Geschichte des Planeten zur Erde senden. Nach getaner Arbeit werden die beiden Orbiter auf dem Merkur zerschellen.

Der Merkur ist besonders deshalb so schwer erforschbar, weil er nur 58 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt ist. Um den Erfolg der Mission zu sichern, muss die Sonde der extremen Hitze widerstehen können. Ein Hitzeschild und eine Titanisolierung werden verhindern, dass BepiColombo gegrillt wird. Um außerdem stetig der enormen Schwerkraft der Sonne entgegensteuern zu können, muss sie aus zwei ihrer vier Triebwerke kontinuierlich Xenongas ausstoßen.

Die Mission ist kein billiges Unterfangen. Die ESA und die JAXA haben rund 1,6 Mrd. Euro investiert. Die Rendite dieser Investition könnte jedoch unbezahlbar sein.

„Der Start von BepiColombo ist ein riesiger Schritt für die ESA und die JAXA, und es stehen eine Reihe großer Erfolge bevor“, so ESA-Generaldirektor Jan Wörner in einer offiziellen Pressemitteilung. „Nach dem anspruchsvollen Flug wird diese Mission eine Fülle wissenschaftlicher Daten hervorbringen. Dank der internationalen Zusammenarbeit sowie jahrzehntelanger Anstrengungen und des Know-hows aller am Entwurf und am Bau dieses unglaublichen Geräts Beteiligten sind wir nun drauf und dran, den Geheimnissen des Planeten Merkur auf den Grund zu gehen.“

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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