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Wissenschaft im Trend: Globales Projekt soll genetische Codes aller Organismen entschlüsseln

Ein internationales Team von Wissenschaftlern zielt darauf ab, die DNS aller bekannten komplexen Lebensarten auf der Erde zu sequenzieren.
Wissenschaft im Trend: Globales Projekt soll genetische Codes aller Organismen entschlüsseln
Im Rahmen des am 1. November in London offiziell gestarteten Projekts Earth BioGenome Project (EBP) werden in den kommenden zehn Jahren die Genome von 1,5 Mio. Tier-, Pflanzen-, Einzeller- und Pilzarten sequenziert. Bis dato sind 99,8 % aller Arten nicht sequenziert. Im Gespräch mit der „BBC“ wies EBP-Leiter Prof. Harris Lewin darauf hin, dass „die Genome von lediglich rund 3 300 der 1,5 Mio. bekannten Arten sequenziert wurden.“ Er fügte hinzu: „Unsere Wissenslücken sind weitaus größer, als uns bewusst ist.“

Am Anfang des Jahres veröffentlichte eine Gruppe von 24 Sachverständigen gemeinsam über die sogenannte EBP Working Group in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ eine Abhandlung, in welcher der Plan für die Kartierung des biologischen Bauplans für jede bekannte Lebensart mit einem Zellkern skizziert wird. „Die Ergebnisse des EBP werden ein breites Spektrum wichtiger Herausforderungen adressieren, mit denen die Menschheit konfrontiert ist, hierzu zählen z. B. die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität, der Schutz gefährdeter Arten und Ökosysteme sowie der Erhalt und Ausbau von Ökosystemdienstleistungen.“

Das weltweit ambitionierteste DNS-Projekt

Das Team erklärte auch, warum seine Maßnahmen Unterstützung von allen Seiten verdienen. „Die weitreichenden potenziellen Vorteile der Schaffung eines offenen digitalen Speicherorts an Genominformationen für das Leben auf der Erde kann ausschließlich durch koordinierte internationale Maßnahmen realisiert werden.“

Das EBP hängt davon ab, dass Wissenschaftler Daten aus aller Welt beitragen. Bislang haben sich 17 Institute beteiligt. Den größten Beitrag hat das Wellcome Sanger Institute in Cambridge, ein renommiertes, führendes Institut auf dem Gebiet der Genomik, geleistet. Es plant die Kartierung von 66 000 Arten. Dr. Jim Smith, der wissenschaftliche Leiter des Instituts, sagte der „BBC“, dass es dem EBP „obliegt, das Bewusstsein des Menschen für die biologische Vielfalt zu schärfen.“

Laut der Abhandlung ist das „EBP der wohl ambitionierteste Vorschlag in der Geschichte der Biologie.“ In demselben „BBC“-Artikel bestätigte Dr. Julia Wilson vom Institut, dass das groß angelegte Projekt von immenser gesellschaftlicher Bedeutung sei, da es „den Grundstein für alle Teilbereiche der Biologie und Biotechnologie“ lege. Sie fügte hinzu: „Die Rede ist von neuen Arzneimitteln, neuen Brennstoffen für die Zukunft.“

Die Kosten – mehr als 4,1 Mrd. EUR – sind ebenso massiv, wie das Projekt an sich. Globale Wohltätigkeitsorganisationen und Regierungen werden die Finanzierung stemmen.

„Bei Erfolg wird das EBP unser wissenschaftliches Verständnis vom Leben auf der Erde vollständig verändern und neue Ressourcen zur Verfügung stellen, um dem rapiden Rückgang der biologischen Vielfalt und Lebensraumveränderungen zu begegnen, die vor allem auf menschliches Handeln und den Klimawandel zurückzuführen sind“, schrieb das Team in seiner Abhandlung. „Fundamentale Kenntnisse zur biologischen Vielfalt der Erde könnten auch zu neuen Nahrungsquellen, revolutionären Materialien nach biologischem Vorbild und Innovationen für die Behandlung von Erkrankungen bei Mensch, Tier und Pflanze führen.“

Abschließend sagten sie: „Das größte Vermächtnis des EBP wird das Geschenk des Wissens sein – eine vollständige digitale Bibliothek des Lebens, welche die kollektiven biologischen Informationen von 3,5 Mrd. Jahren Evolutionsgeschichte enthält. Dieses Wissen wird über Generationen hinaus für zukünftige Entdeckungen maßgeblich sein und könnte letztlich entscheidend für das Fortbestehen des Lebens auf unserem Planeten sein.“

Für die Kartierung des menschlichen genetischen Codes über das 2003 abgeschlossene Human Genome Project brauchte es 13 Jahre. Die zwei Dutzend Wissenschaftler an der Spitze dieser Jahrzehnte währenden Sequenzierungsmission wissen, dass es nicht einfach werden wird. Ein Teil der Faszination besteht darin, nicht genau zu wissen, wie das Ergebnis aussehen wird.

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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