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Wissenschaft im Trend: Astronomen entdecken Eisplaneten in der Umlaufbahn eines der sonnennächsten Sterne

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat wissenschaftliche Beweise gefunden, die nahelegen, dass sich eine große, felsige Welt in der Umlaufbahn eines nahen Sterns befindet.
Wissenschaft im Trend: Astronomen entdecken Eisplaneten in der Umlaufbahn eines der sonnennächsten Sterne
Seit Jahren beobachten Astronomen Barnards Pfeilstern auf der Suche nach Anzeichen für einen Planeten, der sich in der Umlaufbahn von Sternen befindet, die über unser Sonnensystem hinausgehen, einen sogenannten Exoplaneten. Nach Proxima Centauri ist der 48 Bio. Kilometer von der Erde entfernte Barnards Pfeilstern der Stern, der dem Sonnensystem am zweitnächsten ist. Immer wieder erwies sich diese Suche als vergeblich. Es gab lediglich ein paar vielversprechende Hinweise darauf, dass möglicherweise eine versteckte Welt existiert, doch nichts konkretes – bis jetzt.

In einer Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde, werden Beweise für einen eingefrorenen Planeten präsentiert, der das dreifache der Masse der Erde hat und sechs Lichtjahre von der Sonne entfernt ist. Der Planet, der auf den Namen „Barnard’s star b“ getauft wurde, hat eine Oberflächentemperatur von etwa -170 °C. Er gilt als Supererde, ein Begriff, der zur Bezeichnung einer Gruppe von Planeten verwendet wird, die weitaus größer als die Erde, jedoch kleiner als große Gasplaneten wie Neptun und Uranus sind.

Barnards Pfeilstern hat einen neuen planetarischen Begleiter

„Nach einer sehr gründlichen Analyse sind wir zu 99 Prozent sicher, dass es den Planeten gibt“, erzählte Ignasi Ribas, Hauptautor und Astronom am Institute of Space Studies of Catalonia in Barcelona „Reuters“. „Wir werden diesen schnellen Stern jedoch weiter beobachten, um mögliche, aber unwahrscheinliche, natürliche Variationen bei der stellaren Helligkeit auszuschließen, die sich als Planet verkleiden könnten.“

Zur Erforschung des Planeten nutzte das Team Messungen und Beobachtungen über einen Zeitraum von rund 20 Jahren von sieben Hochpräzisionsinstrumenten, die weltweit an Teleskopen montiert waren. Zu den Daten zählte unter anderem die Radialgeschwindigkeit von Barnards Pfeilstern sowie die relative Geschwindigkeit in Richtung und weg von der Erde.

Die Forscher wandten die Radialgeschwindigkeitsmethode an. Dies ist das erste Mal, dass Astronomen diese Technik nutzten, um einen Exoplaneten zu enthüllen, der eine solche Größe aufweist und der so weit von seinem Ursprungsstern entfernt ist. Sie entdeckten, dass diese Supererde den Stern alle 233 Tage umkreist und in der Nähe der Schneegrenze seines Sternensystems liegt, einer Grenzlinie, die nahelegt, dass Wasser ausschließlich in gefrorener Form existiert.

Die Größe oder Zusammensetzung von „Barnard’s star b“ ist noch unbekannt. Im Gespräch mit der „BBC“ beschrieb der stellvertretende wissenschaftliche Leiter des Teams Dr. Guillem Anglada-Escudé diesen als „möglicherweise überaus felsigen Planeten mit einer massiven Atmosphäre. Sie ist vermutlich überaus reich an flüchtigen Stoffen wie Wasser, Wasserstoff und Kohlendioxid. Viele davon sind an der Oberfläche eingefroren.“ Der Astronom der Queen Mary University of London fügte hinzu: „Die größte Ähnlichkeit, die wir im Sonnensystem haben, könnte der Mond des Saturn namens Titan aufweisen, der ebenfalls eine überaus dichte Atmosphäre hat, die aus Kohlenwasserstoffen besteht. Es gibt Regen und aus Methan bestehende Seen.“

In Anbetracht der Entfernung von „Barnard’s star b“ zu seinem Stern ist es unwahrscheinlich, irgendwelche Anzeichen auf Leben zu finden. Eine massive Atmosphäre kann den Planeten jedoch potenziell aufwärmen und so zu lebensfreundlicheren Bedingungen führen.

Der neu entdeckte Exoplanet gibt uns Einblick in die Bildung und Evolution von Planeten. Derzeit werden weitere Beobachtungen durchgeführt. Wo ein Exoplanet lauert, tummeln sich üblicherweise weitere. Es wurden bereits rund 4 000 Exoplaneten entdeckt. Könnte es andere, kleinere Welten in der Umlaufbahn von Barnards Pfeilstern geben?

Quelle: Gestützt auf Medienberichte

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