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Schmerzlose Impfung

Dank einer neuen Technologie können Impfstoffe gegen Erkrankungen der Atemwege nun direkt in den ursprünglichen Infektionsherd - die Nase - verabreicht werden. Sie ist schmerzlos, einfacher zu verabreichen als eine Spritze und erzeugt darüber hinaus eine bessere Immunreaktion....
Dank einer neuen Technologie können Impfstoffe gegen Erkrankungen der Atemwege nun direkt in den ursprünglichen Infektionsherd - die Nase - verabreicht werden. Sie ist schmerzlos, einfacher zu verabreichen als eine Spritze und erzeugt darüber hinaus eine bessere Immunreaktion.



Hintergrund


Wie die jüngste Grippeepidemie in Europa gezeigt hat, wird die Gesundheit junger und alter Menschen durch virale und bakterielle Erkrankungen der Atemwege noch immer erheblich bedroht, in Europa ebenso wie in den Entwicklungsländern. Immunisierungsprogramme in großem Maßstab sind nur dann wirksam, wenn sie einen signifikanten Anteil der Bevölkerung erreichen. Abgesehen davon, daß die Angst vor der Nadel viele abschreckt, stellt die Spritze als solche angesichts der Verbreitung von Aids in vielen Ländern eine echte Gefahr dar.



Seit einiger Zeit sind durch die Nase verabreichte Impfstoffe in Entwicklung, die demnächst auf den Markt kommen werden. Sie dürften die hohen Gesundheitskosten reduzieren und dazu beitragen, daß die Impfbereitschaft unter der Bevölkerung wächst. Die Frage ist, ob Impfstoffe, die man - statt intramuskulär - auf diesem Wege verabreicht, genauso gut absorbiert werden.




Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse


Theoretisch müßten durch die Nase verabreichte Impfungen gegen Atemwegserkrankungen wie Grippe, Keuchhusten und Diphtherie für erhöhten Schutz sorgen. Die intramuskuläre Injektion eines Impfstoffs löst eine starke systemische Immunreaktion aus, charakterisiert durch die Produktion von IgG-Antikörpern, die das Ziel-Antigen im Blutkreislauf angreifen. Erkrankungen der Atemwege gelangen jedoch durch die Nasen- oder Lungenschleimhäute in den Körper. Die Verabreichung des Impfstoffs durch die Nase selbst stimuliert die Produktion lokaler sekretorischer Antikörper, wodurch ein erster Abwehrschutz aufgebaut wird Chitosan verbessert diese Wirkung erheblich, da es die Verbindungen zwischen den Schleimhautzellen öffnet, so daß mehr der im Impfstoff enthaltenen Eiweißmoleküle das Lymphoidgewebe, wo die Antikörper erzeugt werden, erreichen können.



Bis zur vollen klinischen Anwendung der Diphtherie-Impfung werden noch einige Jahre vergehen, aber Grippeimpfungen durch die Nase mit Chitosan als Mediator könnten bereits im Jahr 2002 Wirklichkeit werden.



Organisation der Partnerschaft



Das Innovationsprojekt ,,Mucosal vaccines for respiratory diseases based upon nasal administration" zielt darauf ab, die Technik der Verabreichung von Impfstoffen durch die Nase mit Hilfe einer patentierten Technologie zu verbessern, die bei der Verabreichung anderer Arzneimittel schon erfolgreich eingesetzt wurde. Das britische Unternehmen Danbiosyst hat nachgewiesen, daß die Absorption bestimmter Medikamente durch die Nasenschleimhaut durch Chitosan erheblich verbessert wird. Diese ungiftige Substanz, ein Schellfischderivat, wird in diätetischen Hilfsmitteln bereits umfassend benutzt. Nun wird die Technologie für einen vom italienischen Pharmaunternehmen Chiron Biocine entwickelten, genetisch entgifteten Diphtherie-Impfstoff vervollkommnet. Irische Forscher an der Universität Maynooth untersuchen derzeit die Mechanismen, mit denen Chitosan die Verabreichung von Impfstoffen durch die Nase unterstützt, und die Wirkung auf Immunität. Die Fortschritte sind äußerst vielversprechend, und Phase 1 der klinischen Versuche mit freiwilligen Testpersonen wird noch vor Ablauf des Dreijahresprojekts im Jahr 2000 starten.


Projekttitel: Mucosal vaccines for respiratory diseases based upon nasal administration

Viertes Rahmenprogramm

Innovationsprogramm

Projekthinweis Nr.: IN10100l

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