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Neue Hoffnung für hochgradig Schwerhörige

Ein elektronisches Implantat, direkt in einen Teil des Laut- und Tonverarbeitungszentrums des Gehirns eingebracht, könnte hochgradig schwerhörigen Personen eine Chance bieten, ihr Hörvermögen wiederzuerlangen.



Hintergrund


Der menschliche Gehörapparat ist empfindlich ...
Ein elektronisches Implantat, direkt in einen Teil des Laut- und Tonverarbeitungszentrums des Gehirns eingebracht, könnte hochgradig schwerhörigen Personen eine Chance bieten, ihr Hörvermögen wiederzuerlangen.



Hintergrund


Der menschliche Gehörapparat ist empfindlich und kompliziert. Schäden an verschiedenen Strukturen im Ohr können zu Schwerhörigkeit oder Taubheit führen. Seit 1984 sind über 25 000 Personen weltweit Cochlear-Implantate - elektronische Geräte, die Töne direkt ins Innenohr übertragen - eingepflanzt worden. Seither sind in der Implantationstechnologie enorme Fortschritte erzielt worden, aber selbst die höchstentwickelten Cochlear-Apparate können jemanden, dessen Nervenverbindung zwischen Ohr und Gehirn beschädigt ist, sein Hörvermögen nicht wiedergeben. Helfen könnte hingegen ein Apparat, der direkt in den Cochlear-Nukleus, die Region des Hirnstamms, die elektrische Signale vom Gehörnerv in Tonempfindungen umsetzt. Wenn man den Apparat mit einem kleinen, externen Prozessor, der derzeit in Verbindung mit Cochlear-Implantaten benutzt wird, verbände, könnte man die Töne aus der Außenwelt direkt ins Gehirn leiten, um den Gehörsinn wieder herzustellen.




Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse


Die Projektpartner haben bereits Implantate entwickelt, die auf der Oberfläche des Cochlear-Nukleus' im Hirnstamm angebracht werden. Diese sind in neun europäischen Ländern an Patienten mit Neurofibromatose des Typs II, einer Erkrankung, bei der sich sporadisch rund um den Körper Nerventumore bilden, erprobt worden. Tumore, die auf dem Gehörnerv wachsen, verursachen Schwerhörigkeit und werden oft lebensgefährlich. Während der Operation, bei der der Tumor entfernt wurde, sind Hörimplantate eingesetzt worden, und 47 der 49 Patienten haben daraufhin einen gewissen Grad ihres Hörvermögens wiedererlangt. Um die Qualität der wahrgenommenen Töne zu verbessern, arbeitet das Team der Universitätsklinik von Navarra seit Herbst 1998 an der dreidimensionalen Abbildung der Struktur des Cochlear-Nukleus'. Nun verfügt Cochlear UK über die notwendigen Kriterien für die Entwicklung eines Implantats mit mehreren winkligen ,,Stiften", die nicht mehr lediglich auf dem Hirnstamm sitzen, sondern in ihn eindringen. Länge und Winkel der Stifte werden auf eine Interaktion mit verschiedenen Regionen des Cochlear-Nukleus' ausgelegt sind, damit Töne unterschiedlicher Frequenzen präziser verarbeitet werden können. Innerhalb von drei Jahren könnte Patienten ein Apparat zur Verfügung stehen, mit dem sich die Hörqualität erheblich verbessern ließe.




Organisation der Partnerschaft


Seit 1992 arbeitet die Cochlear (UK) Ltd, ein internationales Biotech-Unternehmen mit besonderem Interesse an der Entwicklung elektronischer Hörprothesen, zusammen mit Forschern der Universitätsklinik von Navarra, Spanien, an der Entwicklung winziger Elektroden, die als Hirnstammimplantate benutzt werden können. 1997 beschlossen die Partner, ihrer Beziehung mit Hilfe einer der Partner vom EU-Verbindungsbüro für Forschung und Technologie CENEO in Spanien eine feste Form zu geben. Die im Herbst 1998 geschlossenen Verträge und Technologietransfer-Übereinkommen legen die Forschungsstrategie fest, die der Universitätsklinik erlauben wird, ihr Wissen über den Cochlear-Nukleus zu vertiefen und mit der Cochlear UK Ltd zusammenzuarbeiten, um eine neue Generation von Implantaten zu entwickeln und zu testen.

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