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Reinigung in der Stahlindustrie

Stahldrahtstangen müssen vor der Verarbeitung zu hochwertigen plattierten Drähten und Federn gründlich gereinigt werden. Das herkömmliche Reinigungsverfahren ist unwirtschaftlich und gefährlich. Eine innovative Anlage erlaubt kleinen spezialisierten Unternehmen, betriebsintern...
Stahldrahtstangen müssen vor der Verarbeitung zu hochwertigen plattierten Drähten und Federn gründlich gereinigt werden. Das herkömmliche Reinigungsverfahren ist unwirtschaftlich und gefährlich. Eine innovative Anlage erlaubt kleinen spezialisierten Unternehmen, betriebsintern zu reinigen - und zwar sicher, sauber und kostengünstig.



Hintergrund


Drahtstangen werden von Stahlwerken in 2 t-schweren Spulen geliefert und sind mit einer dünnen Rostschicht überzogen. Wird dieser Rost nicht entfernt, verschmutzt er den Ziehprozeß. Mechanisches Reinigen, das über 80% des Oxids beseitigt, ist für billigere Produkte wie Nägel geeignet. Bei hochwertigeren Erzeugnissen dagegen kommt das Beizebad zum Einsatz: Die ganze Spule wird für die Dauer von 20 Minuten in einen 10 000-Liter-Tank mit heißer Schwefelsäure getaucht. Ein Verfahren, das Gefahren für Arbeiter und Umwelt birgt - und noch dazu ineffizient ist. Denn nach der Behandlung von 250 Tonnen läßt die Wirkung der Schwefelsäure nach, da sich Eisensulfat bildet, so daß der gesamte Tankinhalt ersetzt werden muß.



Aufgrund der zusätzlichen Kosten für eine umweltverträgliche Entsorgung ist es unwirtschaftlich, weniger als 50 000 Tonnen pro Jahr zu bearbeiten, was das Verfahren für kleinere Unternehmen ungeeignet macht.




Organisation der Partnerschaft


Im Rahmen des kürzlich abgeschlossenen Innovationsprojekts ,,In-line process for the electropickling of steel wire rod by integrated recycling machine" hat das italienische Unternehmen Otomec, ein Hersteller von Spezialausrüstungen für die stahlverarbeitende Industrie, eine kompakte, vollkommen geschlossene Anlage entwickelt, die die genannten Probleme mit Erfolg löst. Otomec wie auch seine Partner und Endbenutzer in Portugal, Italien und dem Vereinigten Königreich haben umfassende Tests mit Prototyp-Maschinen durchgeführt. Dabei hat sich gezeigt, daß die Drahtherstellung von gleichbleibend hoher Qualität ist und die Reinigungskosten sich um 70% senken lassen.




Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse


Das von Otomec entwickelte System kombiniert bestehende Technologien auf eine ganz neue Art. Die Drahtstange wird in einer einzigen, ununterbrochenen Bewegung von der Spule durch die Reinigungsmaschine und in die Ziehvorrichtung geführt. Dem chemischen Prozess ist eine mechanische Reinigung vorgeschaltet, die alles außer den feinsten Oxidpartikeln beseitigt und so die Lebensdauer der Säurelösung beträchtlich erhöht. Insgesamt können 200 Tonnen Stangen mit einem 700 l Säure fassenden Tank vollständig gereinigt werden. Der Lösung werden kontinuierlich geringe Mengen entzogen, die man unter Vakuum verdunsten läßt; dabei entsteht ein festes Abbauprodukt, das sicher und problemlos entsorgt werden kann, während die Säure zur Wiederverwendung recykliert wird.



Das System eröffnet europaweit Einsparungspotentiale von rund 45 Millionen Euro und wird besonders den 500 KMU des Sektors zugute kommen. Die britische Pilotanlage ist 24 Stunden am Tag in Betrieb, und seit Projektende haben Marketingkampagnen in Italien und im Vereinigten Königreich bereits Aufträge für sieben weitere Anlagen erbracht, wovon zwei nach Argentinien und Taiwan exportiert wurden.


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