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Das Eis der Arktis brechen

Dank modernster Technologien in der Schiffahrt haben Öltanker die Möglichkeit, rund ums Jahr in die Arktis zu fahren, und dies ohne den kostspieligen Einsatz von Eisbrechern.



Hintergrund


Die Europäische Union wird zunehmend von Energieimporten abhängig, wenngleich si...
Dank modernster Technologien in der Schiffahrt haben Öltanker die Möglichkeit, rund ums Jahr in die Arktis zu fahren, und dies ohne den kostspieligen Einsatz von Eisbrechern.



Hintergrund


Die Europäische Union wird zunehmend von Energieimporten abhängig, wenngleich sie grundlegend eine Politik verfolgt, die auf eine größtmögliche Diversifizierung der Versorgungsquellen abzielt. Die Öl- und Gasvorkommen in Nordrußland und dem russischen Teil der Arktis sind ebenso groß wie die im mittleren Osten und werden in Zukunft den Löwenanteil des Energiebedarfs in Europa decken. Die Reichtümer der Region zu den Verbrauchern zu bringen, stellt allerdings ein grosses Problem dar. Der Bau von Pipelines wäre mit enormen Kosten verbunden, und aufgrund der extremen Temperaturschwankungen stellt sich zudem die Frage, ob diese nicht brechen und Umweltkatastrophen hervorrufen würden, wie wir sie in Rußland bereits erlebt haben. Die andere Möglichkeit, die Ölgesellschaften zur Verfügung steht, ist der Einsatz großer Tanker, die in der Lage sind, den größten Teil des Jahres unbegleitet, d.h. ohne Eisbrecher, durchs Eis der arktischen Gewässer zu fahren. Bis vor kurzem war ihre Tauglichkeit unter solch frostigen Bedingungen allerdings noch weitgehend unerforscht.




Organisation der Partnerschaft


Das Projekt ,,Arcdev" lieferte rund 20 Unternehmen und Forschungsinstituten aus der Europäischen Union und Rußland eine Plattform, um ihren Schiffahrtsantrieb, ihre Seeverkehrswege und Kommunikationsmöglichkeiten in der Arktis zu testen. Eine Reise in einem der härtesten Winter, den die Region seit 30 Jahren kannte, bildete den Höhepunkt des Projekts. Frühere Ergebnisse aus 17 Programmen legen nahe, daß eine Kombination verschiedener Technologien die Durchquerung des Westteils der russischen Arktis rund um das Jahr ohne den kostspieligen Einsatz von Eisbrechern ermöglichen könnte. Damit könnte sich die Arktisroute längerfristig zu einem wichtigen Handelsweg zwischen Europa und Asien entwickeln. Die Entfernung zwischen Hamburg und Japan beträgt auf dieser Strecke ca. 7 000 Seemeilen (13 000 km), verglichen mit über 11 500 Seemeilen (21 000 km) über den Suezkanal.




Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse


Die Steuerung eines Großtankers, der tausende Tonnen Flüssiggas oder Rohöl an Bord hat, ist schon unter normalen Bedingungen schwierig genug. In der Arktis dürfen allerdings erst recht keine Fehler passieren. Die Schiffe müssen strikt dem Weg folgen, den der erste Tanker durch das Eis freigelegt hat; aber sie müssen auch in der Lage sein, schnell zu stoppen, wenn Hindernisse oder Schwierigkeiten auftauchen. Ein neues Antriebssystem namens Azipod, das von der finnischen Kvaerner Masa-Yards und ABB-Industrie entwickelt wurde, erwies sich für den Einsatz in der Arktis als sehr tauglich: Bremsweg und Wenderadius entsprechen ungefähr der Länge eines Schiffes und sind damit sehr viel kürzer als bei herkömmlichen Systemen. Darüber hinaus bietet das Azipod-System, oft auch als Zusatzausrüstung eines normalen Schiffschraubenantriebs, ein äußerst flexibles, auf eisbrechende Tanker ausgerichtetes Modell: Der Bug ist beispielsweise für normales Fahren auf offener See entworfen, das Heck dagegen ist besonders robust für das Eis.



Satellitenbilder von Eisschollen, die aus russischen und europäischen Quellen stammen, Wetterinformationen und meteorologische Langzeitdaten wurden kollationiert, um die beste Route festzulegen. Dies erlaubte dem Arcdev-Konvoi, trotz eines längern Wegs zwei Tage früher im Hafen einzulaufen als ein anderes Schiffs mit gleichem Zielhafen. Eine solche Zeitersparnis ist für Schiffahrtsgesellschaften von unschätzbarem Wert. Im Rahmen des Projekts wurde auch die Fernsehbildübermittlung von Brüssel zum Konvoi erfolgreich getestet - zum ersten Mal gelangen solche Fernübertragungen in eine Region, die oft durch Interferenzen und schwarze Stellen im Satellitenbereich gestört wird. Diese Verbindungen können unmittelbar medizinischen Rat oder Hilfe für andere Notfälle verfügbar machen auf einem Schiff, das tausende Kilometer von den nächsten Einrichtungen entfernt ist.

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