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Neues unter der Sonne

Der zunehmende Einsatz elektrischer Klimaanlagen steht im krassen Widerspruch zu Europas Bemühungen, seine Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Derzeit wird in einem portugiesischen Bürokomplex eine Alternativtechnologie demonstriert, bei der die Sonne die Hauptrolle spielt.%...
Der zunehmende Einsatz elektrischer Klimaanlagen steht im krassen Widerspruch zu Europas Bemühungen, seine Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Derzeit wird in einem portugiesischen Bürokomplex eine Alternativtechnologie demonstriert, bei der die Sonne die Hauptrolle spielt.



Hintergrund


Mehr als 40% des gesamten Energieverbrauchs in der Europäischen Union und 30% der CO2-Emissionen gehen auf das Konto von Gebäuden. Mit steigendem Lebensstandard verbreitet sich auch der Gebrauch herkömmlicher Klimaanlagen und macht einen Großteil der Energieeinsparungen zunichte, die durch effizientere Heiztechniken und Architektur erreicht werden. Es ist kein besonderes Problem, Sonnenenergie zu benutzen, um die Belastung konventionell betriebener Heizsysteme zu verringern. Aktive Sonnenkühlung erfordert hingegen komplexere Technologien, bietet jedoch einen entscheidenden Vorteil - die Energie ist gerade dann am verfügbarsten, wenn die Nachfrage nach Kühlung am höchsten ist. Mit anderen Worten, Sonnenenergie kann sofort benutzt werden, so daß es überflüssig wird, große, kostspielige Energiespeicherungssysteme in den Bauplan zu integrieren. Das deutsche Fraunhofer Institut für Solarenergiesysteme (ISE) hat eine auf Verdampfungskühlung basierende Klimaanlage entwickelt.




Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse


Die Temperatur von in das Gebäude gezogener Luft sinkt, wenn sie befeuchtet wird. Dadurch, daß die Luft zunächst getrocknet wird, steigt das Potential für Verdampfungskühlung, so daß man ihre Temperatur auf 18 bis 19°C senken kann, ohne inakzeptable Feuchtigkeitsniveaus zu erzeugen. Der Wasserdampf der Zuluft wird durch Kieselgel in einem ,,Trocknungsrad" absorbiert. Ein Sonnenkollektor erhitzt die Abluft auf ca. 65°C. Wenn sich das Rad dreht, passiert es den Heißluftstrom, der das Gel für den nächsten Zyklus trocknet. Ein zweites Rad - ein Rotorwärmeaustauscher - sorgt für die Vorkühlung der Zuluft und die Vorerwärmung der Abluft. Bisher kann diese sonnenbetriebene, ,,austrocknende" Kühltechnologie noch nicht mit kleinen Hausanlagen konkurrieren, aber für große, nicht für Wohnzwecke bestimmte Gebäude wie Krankenhäuser, Hotels und Bürokomplexe dürfte sie nach Ansicht der Partner eine rentable Alternative bieten. Ihre Installation ist etwas teurer als ein elektrisch betriebenes Standardsystem gleicher Kapazität, aber sie verbraucht nur halb soviel herkömmliche Energie.




Organisation der Partnerschaft


Das ISE hat sein Konzept bereits in kleinem Maßstab in einer Anwendung in Deutschland getestet. Nun hat es im Rahmen des Thermie-Demonstrationsprojekts ,,Solar Desiccant Cooling System for an Office Building in Portugal " mitgeholfen, in den Büros des portugiesischen Klimaanlagenherstellers Atecnic in Sintra ein System in voller Größe zu installieren. Dieses System, das die gesamte erste Etage (350 m²) des Gebäudes versorgen soll, ist rechtzeitig für die Sommersaison 1999 bestellt worden. Als Grundlage für eine Bewertung der in der Praxis insgesamt erreichten Energieeinsparungen wird seine Leistung den ganzen Sommer über vom portugiesischen Forschungsinstitut INETI analysiert. Die Tatsache, daß ein Spezialist für Klimaanlagen als Endbenutzer in dem Projekt mitwirkt, wird die Optimierung des Systems und seine anschließende Markteinführung beschleunigen. Atecnic weiß, wie das System funktionieren muß, damit es von seinen Kunden akzeptiert wird, und ist natürlich genau in der richtigen Position, um es ihnen zu empfehlen.

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