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,,Kunststoff-Flügel" machen die Ladung leichter

Wingliner, ein innovatives Karosseriesystem für Lastwagen, das aus einem fortgeschrittenen Kunstoffverbundwerkstoff hergestellt wird, macht Lastwagen nicht nur leichter und wirtschaftlicher, sondern sorgt auch für einfacheres und schnelleres Be- und Entladen.



Hintergrund...
Wingliner, ein innovatives Karosseriesystem für Lastwagen, das aus einem fortgeschrittenen Kunstoffverbundwerkstoff hergestellt wird, macht Lastwagen nicht nur leichter und wirtschaftlicher, sondern sorgt auch für einfacheres und schnelleres Be- und Entladen.



Hintergrund



Die SalzburgAgentur, das österreichische Innovation Relay Center (IRC), wurde von zwei lokalen KMU aus dem Transport- und Fahrzeugbausektor um Hilfe und Beratung gebeten. Bei dem ersten Unternehmen handelte es sich um Karosseriebau Johann Strasser, ein kleines Familienunternehmen, das die brillante Idee hatte, ein innovatives ,,Breittür"-System für Lastwagen, als Wingliner bekannt, zu erfinden, mit dem der Umschlag von Ladegut leichter und schneller vonstatten geht. Die andere Firma war Hightech Produktions GmbH, ein Hersteller von Ski-Ausrüstung, der infolge der Wirtschaftskrise in Asien und deren Auswirkungen auf die Reise- und Freizeitindustrie Marktanteile und seine Technologiegrundlage an seine Konkurrenten verloren hatte.



Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse


Dem Ratschlag des österreichischen IRC folgend erwarb Hightech Kenntnisse über aktuelle Verbundwerkstoffe und konnte sich damit in Führungsposition bringen. Das Unternehmen untersuchte eine neue, in den USA erfundene Werkstofftechnologie, die thermoplastische Polymere wie Polypropylen und Polystyren zur Bildung eines festen schaumartigen Materials ausdehnt und formt. Dieser ,,wabenähnliche" Stoff wurde als Mittelteil zwischen zwei Seiten Polypropylen gelegt, so daß zwar eine starke und feste, aber zugleich leichte Verbundplatte entsteht.



Das IRC half, den Geschäftsplan zu entwerfen, die nötigen Finanzierungsquellen zu finden und die Unterzeichnung von zwei Joint-Venture-Vereinbarungen auszuhandeln: ,,PepCore" wird in Europa das Kernmaterial in Lizenz herstellen, während das andere Joint-Venture die Verbundprodukte in Form von Platten produzieren und auch vermarkten wird. Haupteinsatzbereich werden Lastwagen sein, wo der Kunststoffverbundstoff Metallplatten in der Karosserie ersetzen kann. Die neuen Platten bieten die für diese Anwendungen erforderlichen physikalischen Eigenschaften, sind aber leichter und kostengünstiger. Ein Lastwagen von durchschnittlicher Größe, der aus diesem neuen Verbundstoff besteht, wird fast 300 kg leichter sein als ein Lastwagen, bei dem Aluminiumplatten verwendet wurden. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen sind geringer.



Das Wingliner-System zeichnet sich dadurch aus, daß sich horizontal öffnende Türen auf beiden Fahrzeugseiten befinden. Ein Hydraulikrahmen, der geschickt in die Karosseriestruktur eingebaut ist, bewegt externe Arme, die die Türen öffnen und schließen wie ein Vogel seine Flügel. Diese ,,Flügeltüren" öffnen sich in nur 10 Sekunden ganz, und die Schwenkwände werden auf dem Dach des Lastwagens abgelegt. Mit Unterstützung der deutschen Unternehmensgruppe Krupp Hoesch International half Salzburg Agentur Strasser bei der Unterzeichnung eines exklusiven Lizenzvertrags für Europa. Lizenzabkommen öffnen nun weltweit den globalen Markt für das Wingliner System, wobei das Unternehmen weiterhin das Sagen in puncto Systementwicklung behält.



Dank des durch das IRC-Netzwerk geförderten Technologietransfers konnten die KMU sowohl vom Werkstoff selbst als auch vom Nutzen seiner Anwendung profitieren. Die neuen Verbundstoffe aus Kunststoff haben gegenüber den üblicherweise für Wingliner-Systeme verwendeten Aluminiumplatten den Vorteil, daß die Lastwagen zum einen billiger und gewichtsmäßig leichter sind, und zum anderen ihr Be- und Entladen einfacher und schneller vonstatten geht.



Als neues Unternehmen wurde in Mittersill (Österreich) die Wingliner Produktions und Vertriebs GmbH gegründet, die das Wingliner-System mit dem neuen Werkstoff fertigt. Andere Anwendungsgebiete des fortgeschrittenen Verbundstoffes sind derzeit Bauplatten für Wände in der Wohnungs- und Gebäudebauindustrie sowie die Herstellung von Ski- und anderen Sport- oder Freizeitausrüstungen.

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