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BEVABS: ,,Appelation contrôlée"

Die europäische Weinindustrie ist von entscheidender wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Europas Weine gelten als die edelsten der Welt. Leider gab es in der Vergangenheit Fälle betrügerischer ,,Weinpanscherei", die Wert oder Menge einer Weinernte erhöhten. Mittlerweil...
Die europäische Weinindustrie ist von entscheidender wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Europas Weine gelten als die edelsten der Welt. Leider gab es in der Vergangenheit Fälle betrügerischer ,,Weinpanscherei", die Wert oder Menge einer Weinernte erhöhten. Mittlerweile sind weitreichende Qualitätsgesetze in Kraft, die allerdings verstärkt werden müssen. Das BEVABS-Labor der GFS trägt entscheidend zu diesen Bemühungen bei.



Hintergrund


Die meisten von uns schätzen ein Gläschen Wein, und Gesundheitsgurus sagen uns, daß sein moderater Genuß unsere Gesundheit sogar verbessern kann. Gute Nachrichten! Aber wie wissen wir, daß das, was wir kaufen, auch ein reines Produkt ist? Die große Mehrheit der Weinhersteller und -verkäufer ist ehrlich, aber es gibt auch schwarze Schafe, die dem Wein illegal Zucker aus Zuckerrohr oder -rüben beimengen, um den Alkoholgehalt während der Fermentierung zu erhöhen.Und es ist auch der umgekehrte Fall bekannt, wo Wein verwässert wurde, um die Menge zu erhöhen.



Den vielleicht spektakulärsten Fall von Weinpanscherei gab es Mitte der 80er Jahre in Österreich, wo skrupellose Hersteller den Weinen Diethylenglykol zufügten, um den ,,Körper" und die Süße zu verbessern, so daß diese Weine als teure Spätlesen verkauft werden konnten. Verbraucher kamen zwar nicht zu Schaden, aber das Vertrauen in die österreichische Weinindustrie war ernsthaft erschüttert. Unbestritten ist: Um Verfälschungen Einhalt zu gebieten, müssen Weine auf ihre Authentizität hin geprüft werden. Und genau diese Aufgabe hat das Europäische Amt für Wein, Alkohol und Spirituosen (BEVABS), ein Speziallabor der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission.




Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse


Das Hauptanliegen des BEVABS, das zur Abteilung Lebensmittelprodukte und Konsumgüter des Instituts für Gesundheit und Verbraucherschutz der GFS gehört, ist sicherzustellen, daß die EU-Gesetze über Weinqualität korrekt umgesetzt werden. Dies umfaßt Aspekte wie Herstellungsverfahren und Zufügung der Zuckermenge. Die Vorschriften sind komplex und schwierig zu überwachen. Es gibt zwar nationale Labors und Weinanalyseinstitute, aber ihre Ergebnisse müssen gegengetestet werden. Da die GFS von nationalen Einflüssen völlig unabhängig ist, ist sie in der Lage, nationale Messungen zu überprüfen und zu zertifizieren, so daß Ergebnisse europaweit konsistent sind. Dies garantiert eine bessere Weinqualität und verhindert zudem Handelsstreit, der bei Meinungsverschiedenheiten über die Analyseergebnisse auftreten könnte.



Die Zusammensetzung von Wein ist höchst komplex, und dementsprechend schwierig ist die Analyse, um illegale Praktiken aufzuspüren. Heute müssen Weinprüfer auf hochleistungsfähige Analyseinstrumente wie Isotopenverfahren zurückgreifen, um die Verfälschung von Wein aufzudecken. Es werden vor allem zwei Verfahren eingesetzt: die Isotopenverhältnis-Massenspektroskopie (IRMS) und die Kernmagnetresonanz (NMR). Diese Methoden erlauben Analysten, die Niveaus stabiler Isotope wie Kohlenstoff-13, Deuterium und Wasserstoff-18 zu bestimmen, um die lückenlose ,,Geschichte" der analysierten Probe zu rekonstruieren. Dank dieser Ergebnisse können Analysten vom BEVABS-Labor und akkreditierten Laboratorien in den Mitgliedstaaten Datenbanken von bekannten, echtheitsgeprüften Produkten konsultieren und dann sagen, ob eine Weinprobe dem Etikett auf der Flasche entspricht.



Diese Datenbanken wurden vom BEVABS entwickelt und gepflegt, das von einem Netzwerk akkreditierter nationaler Speziallaboratorien unterstützt wurde, die regelmäßig Proben aus Weinanbauregionen sammeln und analysieren. Die Datenbanken sind nationalen Kontrollabors zugänglich und liefern Informationen über 80 Parameter zu jedem Wein: geographische Herkunft, Herstellungsjahr, Rebensorte, Weinverarbeitungsverfahren, chemische Analyse, Bodenbeschaffenheit und Klimabedingungen für 12 000 authentische Weine aus acht Weinernten seit 1991.



Die angewandten Untersuchungsmethoden beschränken sich nicht darauf, die Echtheit eines Weins zu beweisen. Sie werden von BEVABS ständig bewertet und auch auf andere Nahrungsmittel wie Fruchtsäfte, Speiseöle und Duftstoffe ausgedehnt. Was Duftstoffe betrifft, kann die Isotopenanalyse zwischen natürlichen Duftstoffen und Stoffen, die zwar synthetisch hergestellt wurden, aber die gleichen chemischen Bestandteile aufweisen, unterscheiden. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit verschiedenen europäischen Labors und könnte letztlich dazu führen, daß diese Techniken auch in einer Reihe von anderen Lebensmitteltests angewandt werden.




Organisation der Partnerschaft


Das BEVABS-Team ist Anlaufstelle für die nationale Laborarbeit des Netzwerks, testet die Ergebnisse einzelner Institutionen und harmonisiert Testverfahren. Das Netzwerk umfaßt fünf Labors in Italien, drei in Frankreich, drei in Deutschland, zwei in Spanien und eins im Vereinigten Königreich. BEVABS hat auch Verbindungen zu Laboratorien in Portugal, Griechenland und Österreich, die nicht über die ausgeklügelte spektroskopische Ausrüstung verfügen, die zur Durchführung dieser Tests erforderlich sind. Diese Labors sammeln allerdings Proben auf lokaler Ebene und schicken sie zur Analyse an die GFS. Dieses perfekt organisierte Netzwerk schützt den Weintrinker vor Betrug, wie Verwässerung oder Zuckerung, und ist Garant für den guten Ruf europäischer Weine und Weinhersteller.

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