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EU-Wissenschaftler entschlüsseln Listeriose-Code

Einem Konsortium europäischer Forschungslabors ist die vollständige Sequenzierung eines Bakteriums gelungen, das an einer unter Umständen lebensbedrohlichen Lebensmittelvergiftung beteiligt ist, was die Identifikation der verantwortlichen Gene für krankheitserregende Substanze...
Einem Konsortium europäischer Forschungslabors ist die vollständige Sequenzierung eines Bakteriums gelungen, das an einer unter Umständen lebensbedrohlichen Lebensmittelvergiftung beteiligt ist, was die Identifikation der verantwortlichen Gene für krankheitserregende Substanzen erleichtern dürfte.
Im Rahmen eines gemeinsam von der Europäischen Union und dem Pasteur-Institut finanzierten Projekts hat ein Konsortium aus zehn europäischen Forschungslabors das Listeria-Monozytogen-Genom sequenziert, das für eine ernstzunehmende Kontamination von Lebensmitteln verantwortlich ist, die Listeriose verursacht - in 20 bis 30 Prozent der Fälle mit tödlichem Ausgang. In Frankreich hat eine solche Epidemie vor kurzem neun Todesopfer gefordert.
Die Krankheit kann Septikämie, Infektionen des Gehirns und Fehlgeburten auslösen und betrifft vor allem anfällige Personengruppen wie Neugeborene, Schwangere, Personen mit Immunschwäche und ältere Personen.
Listeriose wird sowohl als Problem für die Volksgesundheit als auch als ökonomisches Problem für den Agrar- und Lebensmittelsektor angesehen, wo Lebensmittel - insbesondere Käse- und Fleischprodukte - regelmäßig wegen Kontamination vom Markt genommen werden müssen.
Die nun vorliegende Sequenzierung der Listeria-Monozytogene ermöglicht vergleichende Analysen mit anderen Bakterien und dürfte bei der Identifizierung pathogener Gene von Nutzen sein.
Die zehn an der Sequenzierung beteiligten Labors befinden sich in Frankreich, Deutschland und Spanien. Professor Pascale Cossart vom Pasteur-Institut war für die Koordination verantwortlich; die Finanzierung übernahm das Biotechnologie-Programm der EU, Teil des Vierten Rahmenprogramms (RP4).
Inzwischen wurde ein Nachfolgeprojekt ins Leben gerufen, das sich mit der Infektion durch Listeria-Bakterien und deren Überleben in der Umwelt und in infizierten Patienten befaßt.
Dieses Projekt namens Realis wurde vor kurzem im Rahmen des Programms "Lebensqualität" unter dem RP5 gestartet. Das Projekt, an dem neun Partner beteiligt sind und das von Professor Jürgen Wehland von der GBF (Gesellschaft für Biotechnologische Forschung mbH) in Braunschweig koordiniert wird, soll das Genom analysieren und die Gene untersuchen, die den Listeria-Monozytogenen das Überleben und die Anpassung ermöglichen.
Dies wird Auswirkungen auf das Risikomanagement in der Landwirtschaft, der Lebensmittelindustrie und im Gesundheitswesen haben, indem die Entwicklung vernünftiger Ansätze zur Einschränkung der Kontamination von Lebensmitteln und zur Minimierung der Infektionsrisiken erleichtert wird.

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