Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

Franzosen benennen die vorrangigen Forschungsziele für ihre Ratspräsidentschaft

Die Unterstützung der Schaffung des Europäischen Forschungsraums wird voraussichtlich eine der vorrangigen Aufgaben unter der kommenden französischen EU-Ratspräsidentschaft darstellen, die mit dem 1. Juli 2000 beginnt.
Der Gedanke einer Stärkung der Zusammenarbeit zwischen eur...
Die Unterstützung der Schaffung des Europäischen Forschungsraums wird voraussichtlich eine der vorrangigen Aufgaben unter der kommenden französischen EU-Ratspräsidentschaft darstellen, die mit dem 1. Juli 2000 beginnt.
Der Gedanke einer Stärkung der Zusammenarbeit zwischen europäischen Forschern - eine Initiative des Forschungskommissars Philippe Busquin - fand kürzlich auf dem Gipfel von Lissabon Zustimmung. Man war sich einig, daß eine bessere Koordination die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und letztendlich zur Schaffung von Arbeitsplätzen führen würde.
Der neue französische Forschungsminister Roger-Gérard Schwartzenberg bestätigte das Engagement seines Landes für diesen Gedanken vor kurzem auf einer Pressekonferenz mit den Worten: "Mit dem Aufbau eines Europas der Wissenschaft und Innovation und der Bildung einer europäischen wissenschaftlichen und technologischen Gemeinschaft wird der europäischen Forschung das gegeben, was sie zur Konsolidierung ihrer Position und zur Entwicklung ihrer Unabhängigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten benötigt."
"Hierfür müssen wir die Koordination der nationalen Forschungspolitiken untereinander und mit der europäischen Politik stärken."
Die Vorbereitungen für das Sechste Rahmenprogramm werden unter der französischen Präsidentschaft Gestalt annehmen, und Herr Schwartzenberg sagte, eine verbesserte Zusammenarbeit und Koordination zwischen den Mitgliedstaaten gewährleiste, daß die dafür vorgesehenen 15 Milliarden Euro so effektiv wie möglich eingesetzt werden.
Herr Schwartzenberg brachte fünf Leitvorschläge vor, die er den übrigen europäischen Forschungsministern vorzulegen beabsichtigt.
An oberster Stelle steht die Innovationsförderung, insbesondere die Schaffung innovativer Technologieunternehmen, was auf dem Gipfeltreffen des Rates in Lissabon als vorrangige Aufgabe festgelegt worden war. Zu diesem Zweck schlagen die Franzosen die baldige Einführung eines europäischen Patents, die Einrichtung eines gesamteuropäischen Fonds zur Förderung neugegründeter Unternehmen und zur Bereitstellung von Startkapital, die Harmonisierung der Steuern in einer für die Gründung innovativer Unternehmen förderlichen Weise und die Schaffung eines europäischen Wettbewerbs zur Anerkennung der Leistung innovativer Unternehmen vor.
Weitere Vorschläge zielen auf die Einrichtung von Forschungsschnittstellen zwischen den Mitgliedstaaten ab, durch die der Europäische Forschungsraum gestärkt werden soll. Herr Schwartzenberg schlägt die Einrichtung europäischer Technologieforschungsnetze in Schlüsselbereichen vor, welche die öffentliche und private Forschung miteinander verbinden. Weiterhin steht die Schaffung einer Europäischen Akademie für Wissenschaft und Technologie, möglicherweise in Straßburg, nach dem Vorbild der US-amerikanischen Academy of Science auf der Tagesordnung. Die Akademie wäre zwar unabhängig, würde jedoch den europäischen Einrichtungen beratend zur Seite stehen.
Zur Verbreitung der Ergebnisse der europäischen Forschung schlägt Herr Schwartzenberg vor, eine europäische Agentur zur Verbreitung wissenschaftlicher und technologischer Ergebnisse zu gründen, welche die Weitergabe der Forschungsergebnisse an andere Unternehmen und die Medien zur Aufgabe hat. Er empfiehlt ferner die Einrichtung europäischer Häuser der Wissenschaft und Technologie in den großen, bedeutenden Ländern der Welt und in aufstrebenden Wirtschaften. Diese Häuser sollen der Präsentation europäischer Fertigkeiten in Wissenschaft und Technologie sowie der Verbreitung dieses Wissens dienen.
Die Entwicklung einer Informationsgesellschaft für alle findet bei den Franzosen ebenfalls starken Rückhalt; sie zählt zu ihren vorrangigen Aufgaben auf nationaler Ebene.
Die Mittel für den Übergang zu dieser neuen digitalen Wirtschaft wurden erstmals von der Kommission in ihrer Initiative "eEurope" - ein Maßnahmenpaket zur Förderung der Übernahme neuer Technologien - dargestellt.
Bevor er zu einer Ministerkonferenz zur Informationsgesellschaft in Lissabon aufbrach, sagte Roger-Gérard Schwartzenberg: "Die Entwicklung der Informationsgesellschaft ist gewiß eine wirtschaftliche Angelegenheit: Schritt halten mit den Vereinigten Staaten, Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit, Beitragsleistung für Wachstum und Beschäftigung."
"Aber hier handelt es sich auch um eine soziale Angelegenheit: der europäische Eintritt in die "neue Wirtschaft" muß gesamtgesellschaftlich erfolgen, mit einem demokratischen Zugang zu den neuen Technologien und einem technologischen Forstschritt, der nicht nur denjenigen, die die Vorzüge der Informationsgesellschaft kennen, sondern allen offen steht."
Die französischen Forscher zählten zu den aktivsten Teilnehmern am Vierten Rahmenprogramm. Die auf europäischer Ebene erhaltene Finanzierung macht jedoch nur einen Bruchteil der gesamten Ausgaben für die Forschung aus. Die für 1997 vorliegenden Zahlen zeigen, daß nur 1,5 Milliarden Franc von insgesamt 73,5 Milliarden Francs, die von öffentlichen Organisationen für die Forschung aufgewandt wurden, auf europäischer Ebene finanziert wurden. Im gleichen Zeitraum wurden 111 Milliarden Francs von privaten Unternehmen ausgegeben.
Die wichtigsten nationalen Forschungsbereiche Frankreichs im kommenden Jahr sind laut Herrn Schwartzenberg neben der Informationsgesellschaft die Biowissenschaften und die umweltfreundliche Forschung.
Die Biowissenschaften nehmen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Auswirkung und ihrer Möglichkeiten, die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse nach Gesundheit und Lebensqualität anzugehen, einen hohen Rang in der Forschungspolitik Frankreichs ein. Studien auf dem Gebiet der Genom- und Post-Genom-Forschung, Neurowissenschaften, Biotechnologie und Entwicklungsbiologie sind besonders wichtige Bereiche.
Die nachhaltige Entwicklung steht ebenfalls hoch im Kurs, und Herr Schwartzenberg will diese durch die Zusammenführung des Wissenschafts- und Umweltsektors fördern. Unter den spezifischen anzugehenden Herausforderungen betont er vor allem den Schutz der Wasserressourcen vor Verschmutzung und von Menschen verursachten Veränderungen der Umwelt sowie den Einsatz von Satelliten zur Erdbeobachtung zur Verbesserung der Vorhersage nationaler Katastrophen.
Frankreichs Forschung ist auch auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften sehr intensiv. Laut Herrn Schwartzenberg handelt es sich hierbei um Bereiche, die zunehmend an Bedeutung und Relevanz für die "exakten" Wissenschaften gewinnen, da die Gesellschaft sich nun den ethischen Fragen in Zusammenhang mit Entwicklungen wie dem Klonen und der Kartierung des menschlichen Genoms zuwendet.
Schließlich möchte Herr Schwartzenberg die Weltraumpolitik fördern, ein Gebiet, auf dem Frankreich seinen Aussagen zufolge eine führende Rolle in Europa einnimmt. Im kommenden Jahr wird Frankreich gemeinsam mit seinen Partnern bei der Europäischen Weltraumorganisation die europäische Weltraumstrategie ausarbeiten, womit während der französischen Präsidentschaft begonnen wird.

Verwandte Informationen

Programme

Länder

  • Frankreich
Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben