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So stellt sich IMS die Zukunft der globalen Fertigung vor

Die herkömmlichen Fertigungsverfahren wandeln sich und die Industrie muß dafür sorgen, ein breiteres Dienstleistungspaket rund um das Produkt anzubieten. Das ist die Ansicht von IMS oder Intelligent Manufacturing Systems (Intelligente Fertigungssysteme), der einzigen globalen ...
Die herkömmlichen Fertigungsverfahren wandeln sich und die Industrie muß dafür sorgen, ein breiteres Dienstleistungspaket rund um das Produkt anzubieten. Das ist die Ansicht von IMS oder Intelligent Manufacturing Systems (Intelligente Fertigungssysteme), der einzigen globalen Initiative für die Fertigungsindustrie und -forschung.
Dieser Wandel bringt neue Herausforderungen mit sich, denen sich die Fertigungsindustrie stellen muß. Die IMS-Initiative will Wege hierfür aufzeigen.
IMS ist eine von der Industrie ausgehende und von den Regierungen unterstützte Initiative, die internationale Forschungskonsortien zum gemeinsamen Einsatz ihrer Kenntnisse zur Lösung der Fragen im Zusammenhang mit der Globalisierung der Fertigung im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts anregen will.
Auf einem vor kurzem veranstalteten IMS-Forum wurde das Konzept der "neuen Fertigung" festgelegt, bei dem die traditionelle Definition der Warenfertigung auf den gesamten Prozeß der Befriedigung der Kundenbedürfnisse durch die Bereitstellung eines Grunderzeugnisses ausgeweitet wurde. Die Notwendigkeit, daß die Fertigungsindustrie die von den Kunden in zunehmendem Maße geforderten Dienstleistungen und Informationsprodukte übernimmt und mit einschließt, wurde besonders betont.
Das Vision-Forum
Das IMS-Vision 2020-Forum in Kalifornien wurde vor dem Hintergrund der Besorgnis darüber veranstaltet, daß der Hochtechnologiesektor für einen steigenden Anteil des BIP und der Arbeitsplätze in Europa verantwortlich ist, was den Wandel von produktbasierten zu wissensbasierten Industrien widerspiegelt.
Obwohl jedoch die Nachfrage nach Dienstleistungen als Endprodukte steigt, bilden die Tätigkeiten in Zusammenhang mit der Erfindung, Herstellung und Verteilung von Waren immer noch den Kern der modernen Wirtschaften.
Bei der Zusammenfassung des Forums sagte der Berichterstatter Professor Ron Johnston, die Zukunft der Fertigung im Internetzeitalter liege in einer Annäherung an Tätigkeiten in den Dienstleistungsbranchen. Sie werde auch zunehmend globaler, vernetzter, kundenspezifischer und digitalisierter werden.
"Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und die damit verbundenen Globalisierungsprozesse haben das Gesicht der Fertigung bereits gewandelt", sagte er.
"Ein Großteil der Fertigung ist inzwischen globalisiert, das heißt, daß nun eine breite Palette von Funktionen, von F&E und Marketing bis hin zu Produktion und Vertrieb, auf einer integrierten globalen Basis stattfindet; vernetzt, da bei der Koordination dieser Funktionen intensiv von elektronischen Netzwerken und virtuellen und geographischen Wissenszentren Gebrauch gemacht wird; kundenspezifisch in dem Sinne, daß die Fertigungsverfahren eine detaillierte kundenspezifische Anpassung der Produkte zulassen, um den Bedürfnissen der einzelnen Märkte und der einzelnen Kunden zu entsprechen; und digitalisiert in dem Sinne, daß viele dieser Verfahren und insbesondere die Endfertigung durch fortgeschrittene Computersysteme gesteuert werden, durch welche die Notwendigkeit menschlichen Eingreifens verringert wird."
Der Professor für Maschinenbau an der Universität Sydney fuhr fort und erklärte, daß, während die öffentliche Nachfrage nach Dienstleistungen immer wissens- und dienstleistungsintensiver werde, die Fertigungsindustrie zunehmend Dinge mit einschließe, die bisher als Domäne des Dienstleistungssektors betrachtet worden seien.
"Die Entwicklung geht in Richtung einer langfristigen, strategischen Beziehung zum Kunden, die das gesamte Paket der Bedürfnisse rund um ein Produkt abdeckt", meinte er.
"Traditionell wurde Fertigung als Umwandlung von Rohmaterialien in Gebrauchsgüter definiert. Sie kann jedoch auf die allgemeine Umwandlung von Rohmaterialien zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ausgeweitet werden."
"Bei dieser Fertigung wäre der Input in das Verfahren Land, Luft usw. und der Output des Verfahrens Nahrung, Wohnung, Gesundheit usw. Obwohl die Begriffe Input und Output hier viel weiter gefaßt sind als bei der traditionellen Definition von Fertigung, besteht doch eine strukturelle Ähnlichkeit zur traditionellen Fertigung, und daher dürften Techniken wie Produktionsmanagement, Kostensenkung und Produktivitätssteigerung auch hier anwendbar sein."
Das Forum war sich einig, daß sich die Fertigungsindustrie anpassen müsse, um diesen neuen Herausforderungen zu entsprechen, und versah damit Intelligent Manufacturing Systems mit einer neuen Rolle. Die bei IMS gewonnenen Erfahrungen sollen die Grundlage für den Umgang mit den Herausforderungen der "neuen Fertigung" bilden. Insbesondere von dem Modell der IMS für geistige Eigentumsrechte für die Zusammenarbeit wird ein hoher Nutzen erwartet.
Das Intelligent Manufacturing Systems-Projekt
IMS ist ein Gemeinschaftsprojekt von Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Australien, Kanada, der Europäischen Union, Japan, der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Korea befindet sich gerade im Aufnahmeverfahren.
Aufgrund der Tatsache, daß die Entwicklung von Fertigungstechniken teuer ist und kein Einzelunternehmen über alle erforderlichen Fachkenntnisse verfügt, arbeiten diese Organisationen bei der technologischen Entwicklung zusammen, um Kosten, Risiken und Fachkenntnisse zu teilen.
Die Besonderheit von IMS ist die Bereitstellung eines erprobten, effektiven Rahmens zum Schutz geistigen Eigentums, der eine sichere Umgebung bei der globalen Zusammenarbeit bietet.
Seit den Anfängen auf Initiative von Professor Yoshikawa, dem ehemaligen Präsidenten der Universität Tokio, im Jahr 1995, haben sich über 250 Unternehmen und mehr als 200 Forschungseinrichtungen an 20 IMS-Projekten beteiligt, von denen die meisten noch laufen. An allen Projekten sind europäische Konsortien beteiligt. Außerdem liegen etwa 45 neue Vorschläge in unterschiedlichen Entwicklungsstadien vor.
Die unter IMS entwickelten Forschungsprojekte arbeiten im Rahmen fünf technischer Themen: Dabei handelt es sich um Fragen zum Gesamtlebenszyklus eines Produkts; Fragen hinsichtlich der Produkte; Tools für Strategie, Planung und Entwurf; humanitäre, organisatorische und soziale Fragen sowie Probleme bezüglich virtueller und erweiterter Unternehmen.
Die Projektteilnehmer unterstreichen die Vorteile der globalen Zusammenarbeit, die ihnen Zugang zu den aktuellsten Forschungsthemen für die Fertigung, eine Plattform für das Benchmarking der unterschiedlichen Methoden, Technologien, Fertigungsketten und Komplementarität der Märkte sowie bessere Verbindungen zu Kunden und Zulieferern bietet.
Globeman21
Das erste IMS-Projekt, Globeman 21, legte Konzepte für die verteilte Zusammenarbeit bei Fertigungsnetzen und virtuellen Unternehmen fest. An dem Projekt waren 35 Organisationen aus Japan, Australien, Europa, den USA und Kanada beteiligt. Der von der EU finanzierte Teil des Projekts umfaßt neun Partner.
Hannu Syntera, der ehemalige Leiter von Globeman 21, sagte, die Koordination so vieler Gruppen über einen so weitgespannten geographischen Raum sei das größte Problem gewesen. Er erklärte: "Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, bis alle Gruppen zusammenkommen und Wege für die Zusammenarbeit finden konnten, da so etwas nie zuvor in diesem Maßstab durchgeführt worden war. Das Hauptproblem des Projekts war, sie alle zu koordinieren."
Die Vorteile der globalen Zusammenarbeit zahlten sich dennoch aus. "Das Projekt hat eine globale Perspektive, die es uns ermöglicht hat, eine dauerhaftere Sicht der Dinge zu entwickeln. Die Fertigung schlägt einen globalen Kurs ein, daher ist es sinnvoll, die Menschen in globalem Maßstab anzusprechen."
Das Projekt, das im März 1999 beendet wurde, umfaßte eine Vielzahl unterschiedlicher Fertigungsindustrien. Sein Schwerpunkt lag sowohl auf dem Management von Unternehmen in der verteilten Umgebung als auch auf der Frage, wie die Produkte während ihrer Lebensdauer von solchen Unternehmen gefördert werden.
Das Projekt hat 14 industrielle Pilotprojekte in Australien, Japan und Europa geschaffen, um zu demonstrieren, wie die Vernetzung in modernen Fertigungsbetrieben eingeführt werden kann. Einige Partnerunternehmen haben bereits Ergebnisse von Globeman 21 in ihre betrieblichen Systeme eingearbeitet. Sie berichten von größerer Kundennähe, effektiveren Arbeitsverfahren oder der Gründung neuer Unternehmen.
Die Verbindung zu Europa
In Europa wurden insgesamt 16 IMS-Projekte für eine finanzielle Förderung durch die Gemeinschaft in Höhe von insgesamt 40 Millionen Euro unter dem Vierten Rahmenprogramm ausgewählt (Programm "Informationstechnologie" und Programm "Industrielle Werkstoffe und Technologien").
Für das Fünfte Rahmenprogramm veröffentlichte die Europäische Kommission am 16. März 1999 einen Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen auf dem Gebiet intelligente Fertigungssysteme unter den Programmen "Growth" und "IST". Für den Aufruf wurden Mittel in Höhe von 70 Millionen Euro für die Gesamtlaufzeit des RP5 bewilligt. Er ist bis zum 15. September 2000 offen; es gilt ein kontinuierliches Einreichungssystem.
Bisher wurden aus den ersten beiden ausgewerteten Gruppen von Vorschlägen sieben Vorschläge für eine finanzielle Förderung in Höhe von 17 Millionen Euro ausgewählt.
Informationen über die IMS-Aufrufe in Verbindung mit dem Fünften Rahmenprogramm finden Sie bei CORDIS unter:
URL: http://cordis.europa.eu/growth/calls/ims_199901.htm
URL: http://cordis.europa.eu/ist/calls/ims_199901.htm
Genauere Informationen folgen in Kürze und sind über diese Seiten zugänglich.

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