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Magnetischer Mikrochip: Wissenschaftler wird mit European Award ausgezeichnet

Der britische Wissenschaftler Professor Russell Cowburn ist für seine Pionierleistungen bei der Entwicklung von Mikrochips, die auf der Technologie der Spinelektronik (auch Magnetelektronik) beruhen, ausgezeichnet worden. Die neuen Mikrochips könnten die moderne Technologie re...

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Der britische Wissenschaftler Professor Russell Cowburn ist für seine Pionierleistungen bei der Entwicklung von Mikrochips, die auf der Technologie der Spinelektronik (auch Magnetelektronik) beruhen, ausgezeichnet worden. Die neuen Mikrochips könnten die moderne Technologie revolutionieren, da ihre Datenspeicherkapazität etwa hundertmal größer ist als die herkömmlicher Speicher.

Professor Cowburn von der Abteilung für Physik am Imperial College London erhielt ein Preisgeld in Höhe von 100 000 EUR für seine Forschungsleistungen im Bereich der Nanotechnologie. Coburn gelang es, unter Ausnutzung des Elektronenspins, einer quantenmechanischen Größe, magnetische Mikrochips zu entwickeln, mit denen man die gleichen grundlegenden Operationen durchführen kann, wie mit Mikrochips aus elektronischen Halbleiterbauelementen. Bei Mikrochips, die auf Spinelektronik beruhen, wird das Prinzip des Magnetismus genutzt, wohingegen bei herkömmlichen Mikrochips die Ladung von Elektronen eine elementare Rolle spielt.

Diese nanotechnologische Funktionsweise bietet gegenüber dem üblichen Halbleiterprinzip zahlreiche Vorteile. Magnetische Mikrochips verbrauchen erwiesenermaßen weniger Energie als herkömmliche elektronische Mikrochips. Außerdem scheinen diese Mikrochips die Daten zuverlässiger zu speichern, da bei Abschalten der Energiezufuhr gespeicherte Daten nicht verloren gehen. Schließlich - und dies ist wahrscheinlich der entscheidende Vorteil - haben diese Mikrochips ein Entwicklungspotenzial, was ihre Größe betrifft, denn sie fallen um ein Vielfaches kleiner aus als entsprechende elektronische Chips.

"Bislang war die Elektronik den Mikrochips und das Prinzip des Magnetismus den Festplattenlaufwerken vorbehalten. Die neue Entdeckung ermöglicht uns eine Kombination dieser beiden Ansätze, um eine neue Generation von 3D-Mikrochips zu entwickeln, auf denen wir weitaus mehr Informationen speichern können als auf einer flachen zweidimensionalen Oberfläche", so Professor Cowburn.

Laut Professor Cowburn haben seine Forschungsarbeiten gezeigt, dass magnetische Mikrochips eine praktikable Erfindung sind, die einen großen Einfluss auf die Funktionsweise von elektronischen Geräten im Alltagsgebrauch haben werden. Zurzeit ist zur Speicherung von großen Datenmengen eine Festplatte nötig. Diese ist eher unhandlich und auf große Mengen Strom aus Batterien bzw. der Steckdose angewiesen. Mit magnetischen Mikrochips könnten tragbare Geräte wie Mobiltelefone und MP3-Player riesige Bild-, Audio- und Videodateien speichern und dabei trotzdem ihre kleine Größe und ihr geringes Gewicht beibehalten.

Nach Ansicht von Fachleuten verfügt diese neue Nanotechnologie über ein riesiges Geschäftspotenzial. Das mittelfristige Marktvolumen wird bereits auf über 100 Millionen EUR geschätzt. "Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung von Degussa - nicht nur, weil sie die wissenschaftliche Bedeutung der Spinelektronik unterstreicht, sondern auch, weil sie zeigt, dass meine Pläne zur kommerziellen Vermarktung dieser Technologie realisierbar sind", so Professor Cowburn.

Mit dem Preis werden Wissenschaftler (nicht älter als 35 Jahre) ausgezeichnet, die in den letzten zwei Jahren an einer europäischen Forschungseinrichtung Forschungsarbeiten mit realistischem Marktpotenzial durchgeführt haben. Der "Degussa European Science-to-Business Award" ist eine Initiative, die von der Degussa AG, dem weltweiten Marktführer in der Spezialchemie, in Zusammenarbeit mit der Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt" und der internationalen Business-School INSEAD ins Leben gerufen wurde.

Dr. Alfred Oberholz, der als stellvertretender Vorsitzender der Degussa AG für Forschung und Entwicklung zuständig ist, hielt am 11. September im Rahmen der Preisverleihung eine Rede, in der er betonte, die Nominierten seien Hoffnungsträger für die Zukunft von Forschung und Innovation in Europa: "Denn sie haben eindrucksvoll bewiesen, wie sich herausragende Forschung mit Unternehmergeist paaren lässt. Und das ist die Voraussetzung, damit Europa die Chance hat, seine Position im internationalen Wettbewerb auszubauen. Genau hierzu wollen wir mit unserem Science-to-Business Award einen Beitrag leisten."

Anlässlich der Stiftung des Preises im Jahr 2005 erklärte der Schirmherr Janez Potocnik, EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung: "Ich stehe aus mehreren Gründen hinter dieser Initiative: Sie stellt eine Bühne zur Präsentation von Spitzenleistungen in der europäischen Forschung dar, sie verbindet Forschung und Wirtschaft [...] und Auszeichnungen ermutigen junge Menschen, eine Forscherlaufbahn einzuschlagen."