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Studie: Depression wird von Interaktion zwischen Genen und Umwelt beeinflusst

Forscher haben anhand von Gehirnscans gezeigt, warum Menschen mit einer bestimmten Art des Serotonin-Transportgens in Stresszeiten unter Umständen mit größerer Wahrscheinlichkeit an einer Depression erkranken.

Die zum Teil unter dem Sechsten Rahmenprogramm der EU finanzierte...

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Forscher haben anhand von Gehirnscans gezeigt, warum Menschen mit einer bestimmten Art des Serotonin-Transportgens in Stresszeiten unter Umständen mit größerer Wahrscheinlichkeit an einer Depression erkranken.

Die zum Teil unter dem Sechsten Rahmenprogramm der EU finanzierte Untersuchung wurde in der Online-Vorabausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Der Zusammenbruch des Serotoninsystems wird mit verschiedenen Stimmungsstörungen, z.B. Depression, Selbstmordgefährdung und anderem negativen emotionalen Verhalten wie Neurosen und Schadensvermeidung, in Verbindung gebracht. Die Situation wird jedoch dadurch verkompliziert, dass Umweltfaktoren wie z.B. Stress mit Genen interagieren. Frühere Studien haben gezeigt, dass bei Menschen mit der "kurzen" Version des Serotonin-Transportgens die Wahrscheinlichkeit, als Reaktion auf Stresssituationen an einer Depression zu erkranken, höher ist als bei Menschen mit der "langen" Genversion.

Ein amerikanisch-deutsches Wissenschaftlerteam hat mithilfe der funktionalen Magnetresonanztomographie (fMRI) den Blutfluss in den Hirnarealen gemessen, die mit Stress und Depressionen in Verbindung gebracht werden, wie z.B. die Amygdala. Bis jetzt ist man davon ausgegangen, dass Menschen mit der kurzen Genversion die Amygdala als Reaktion auf emotionale Stimuli überaktivieren.

Die Forscher haben jedoch herausgefunden, dass die Amygdala bei Menschen mit der "kurzen" Version des Gens im Ruhezustand überaktiviert war, insbesondere bei Menschen, die starkem Stress ausgesetzt sind. Deshalb nehmen die Forscher jetzt an, dass bei Menschen mit der kurzen Genversion der höhere Aktivierungsgrad der Amygdala im Ruhezustand zu einem Zustand chronischer Vorsicht oder Angst führen könnte.

Die Forschung wirft neues Licht auf die Frage, warum Stresssituationen und -ereignisse bei manchen Menschen zu Depressionen führen, bei anderen jedoch zu erhöhter Widerstandskraft.

Die Forschungsergebnisse werden in der Woche veröffentlicht, in der auch der "World Mental Health Day" (internationaler Tag der psychischen Gesundheit) stattfindet. Ein anderes Forschungsprojekt am Karolinska-Institut in Schweden weist darauf hin, dass das Krankheitsbild der Depression die Länder Europas pro Jahr 118 Mrd. EUR kostet und die Lebensqualität von 21 Millionen Menschen beeinträchtigt. In seiner Doktorarbeit mit dem Titel "Health Economics of Depression" weist Patrik Sobocki darauf hin, dass viel Geld gespart werden könnte, wenn man sicherstellen würde, dass die Patienten schnell und umfassend behandelt werden. Dann könnten sie wieder in ihren Beruf zurückkehren, müssten seltener ärztlich behandelt werden, und ihre Lebensqualität würde steigen.

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Deutschland, Schweden, Vereinigte Staaten