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Nobelpreisträgerin protestiert gegen Kürzungen der Forschungsausgaben im italienischen Haushaltsentwurf für 2007

Die Nobelpreisträgerin und Senatorin Rita Levi-Montalcini spricht sich gegen die im italienischen Haushaltsentwurf 2007 vorgesehenen Kürzungen der Mittel für Hochschulen und Forschung aus.

Die 97-Jährige drohte, sie werde in Erwägung ziehen, sich der Abstimmung im Oberhaus ü...

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Die Nobelpreisträgerin und Senatorin Rita Levi-Montalcini spricht sich gegen die im italienischen Haushaltsentwurf 2007 vorgesehenen Kürzungen der Mittel für Hochschulen und Forschung aus.

Die 97-Jährige drohte, sie werde in Erwägung ziehen, sich der Abstimmung im Oberhaus über den Haushaltsentwurf für 2007 zu enthalten, wenn die Änderungen bezüglich der Forschungsausgaben nicht rückgängig gemacht würden. Ihre Stimme könnte indes von entscheidender Wichtigkeit sein, da im Senat nur ein Sitz über die Mehrheit der italienischen Regierung gegenüber der Opposition entscheidet.

Auf den ersten Blick ist nur schwer zu erkennen, wo das Problem liegt. Laut italienischer Regierung werden in den kommenden drei Jahren 2,5 Milliarden EUR für Grundlagenforschung ausgegeben werden. Zusätzlich werden 177,5 Millionen EUR aufgebracht, um dem Problem des Brain Drain aus Italien entgegenzuwirken. Von dieser Summe werden 140 Millionen genutzt, um Forschern an Universitäten langfristige Arbeitsverträge zu bieten, während die übrigen 37,5 Millionen Forschern an öffentlichen Forschungsinstituten zur Verfügung gestellt werden. Die Regierung hofft, mit diesen Fördermitteln einen Teil der rund 12 000 italienischen Wissenschaftler, die alljährlich ihrem Heimatland den Rücken kehren, um im Ausland Karriere zu machen, in Italien zu halten.

Bei näherem Hinsehen sieht die Lage allerdings weniger rosig aus. So plant die Regierung etwa, die administrativen Zwischenkosten von Hochschulen und Forschungsinstituten um 20 Prozent zu kürzen. Dekane und die Forschungsgemeinschaft begrüßen zwar die zusätzlichen Mittel zur Deckung des Mitarbeiterbedarfs, fürchten jedoch, die geplanten Einsparungen würden einem reibungslosen Funktionieren der Forschungseinrichtungen im Wege stehen.

Der Vorsitzende des Nationalen Instituts für Kernphysik Guido Fabiani wäre nach eigener Aussage bei einer Mittelkürzung von 20 Prozent gezwungen, Labore zu schließen und Forschungsaktivitäten erheblich einzuschränken. "Da ich unter keinen Umständen die Gehälter kürzen kann, wären wir gezwungen, in diversen anderen Bereichen kürzer zu treten, sei es beim Unterhalt der Gebäude, Anschaffungen in der Bibliothek oder bei der Laborausstattung", so Fabiani im Interview mit der italienischen Tageszeitung La Repubblica.

"In unserem Fall entfallen 50 Prozent der Kosten auf Gehälter, 25 Prozent auf die Laborkosten, von der Materialbeschaffung bis hin zu Reinigungskosten, und nur 25 Prozent können effektiv für Forschung und neue Entdeckungen genutzt werden, erklärt Fabio Pistella, Vorsitzender des Nationalen Forschungsrats (CRN)."

Die Entscheidung, die laufenden Kosten von Laboren und Forschungsinstituten nur teilweise zu decken, gefährdet unter Umständen auch die Beteiligung am kommenden Siebten Rahmenprogramm (RP7), da Universitäten und Labore in der Lage sein müssen, die Projekte mitzufinanzieren. "Nach jahrelanger Vorbereitung werden wir außen vor bleiben [d. h., nicht am Rahmenprogramm teilnehmen können]", so Dr. Pistella.

Der Minister für Hochschulen und Wissenschaftliche Forschung Fabio Mussi warnte, das kommende Jahr würde schwierig, da der italienische Staatshaushalt dringend saniert werden müsse. Allerdings räumte er ein, Italien könne nicht riskieren, auf dem Gebiet der Forschung und der Entwicklung gegenüber anderen europäischen Staaten ins Hintertreffen zu geraten. "2007 wird ein entbehrungsreiches Jahr, das jedem Opfer abverlangen wird. Prinzipiell können wir uns einen Stillstand erlauben, selbst in Forschungsgebieten, von denen weltweit die Qualität und Solidität der Entwicklung abhängt. Wenn wir allerdings zurückfallen, dann können wir einpacken", warnt Mussi.

Zu Professor Levi-Montalcinis Ankündigung, sich der Abstimmung über den Haushaltsentwurf zu enthalten, äußerte sich der italienische Ministerpräsident Romano Prodi folgendermaßen: "Ich nehme ihre Aussagen zur Kenntnis. Ich halte die Warnung für berechtigt, bin jedoch der Ansicht, dass sie zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kommt, da wir bereits alles in unserer Macht stehende tun, um Finanzierungsquellen für die Forschung zu erschließen. Daher denke ich, dass es sich nicht um Professor Levi-Montalcinis letztes Wort handelt, sondern deute ihre Worte vielmehr als Empfehlung und Warnung."

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