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Brustkrebsuntersuchung nun auch zu Hause möglich

Demnächst können Frauen zu Hause auf einfache und schnelle Weise selbst eine Brustkrebsuntersuchung durchführen, und zwar dank der bahnbrechenden Erfindung eines Professors vom Institut für Elektrotechnik und Elektronik der Universität Manchester, Vereinigtes Königreich. Profe...
Brustkrebsuntersuchung nun auch zu Hause möglich
Demnächst können Frauen zu Hause auf einfache und schnelle Weise selbst eine Brustkrebsuntersuchung durchführen, und zwar dank der bahnbrechenden Erfindung eines Professors vom Institut für Elektrotechnik und Elektronik der Universität Manchester, Vereinigtes Königreich. Professor Zhipeng Wu entwickelte einen tragbaren Hochfrequenz-Scanner, der in Sekundenschnelle auf einem Computerbildschirm bösartige oder gutartige Tumoren im Brustgewebe darstellen kann.

Forscher aus Kanada, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten hatten bereits zuvor bestätigt, dass sich Hochfrequenz- oder Mikrowellentechnologie zur Diagnose von Brustkrebs eignet. Bislang wurden solche Tests, bei denen die Darstellung eines Bildes mehrere Minuten lang dauert, nur in Krankenhäusern oder Spezialkliniken durchgeführt. Professor Wu vereinfachte die Prozedur nun und bietet besorgten Patienten die Möglichkeit, in Echtzeit eventuelle Tumoren aufzuspüren.

Die neue Methode sei nicht nur schneller und weniger invasiv, so Professor Wu, sondern ermögliche auch die Brustkrebsuntersuchung in Allgemeinarztpraxen. Damit ließen sich Wartezeiten auf Untersuchungen von Spezialisten deutlich verkürzen, und manchen Patientinnen könnte auf die Weise auch eine unnötige Röntgenmammographie erspart werden. Auch zu Hause könne der Scanner eingesetzt werden, um die Brustgesundheit kontinuierlich zu überwachen.

"Die Patientin legt sich hin und sofort erzeugt unser mobiles Gerät eine Videoaufnahme der Brust in Echtzeit", wie Professor Wu erklärt. Zudem "minimiert das Gerät die Risiken unerkannter Tumoren während des Scannens." Er betont auch die Vorteile seiner Erfindung gegenüber herkömmlichen Technologien. "Andere Systeme benötigen ein Koppelmedium (Gel oder Flüssigkeit), wie es etwa bei Ultraschalluntersuchungen der Fall ist, hier hingegen genügen Öl, Milch, Wasser oder auch einfach nur der BH", erklärt er.

Der patentierte Echtzeit-Scanner basiert auf einem computertomographischen Verfahren und nutzt dieselbe Technologie wie ein Mobiltelefon, allerdings nur mit einem Bruchteil der Frequenz. Das Verfahren wird somit kostengünstiger und sicherer, und die Komponenten können, im Gegensatz zu anderen, sehr viel größeren Systemen auch zu Hause in einer kompakten kleinen Dose aufbewahrt werden.

2008 wurde bei rund 1,38 Millionen Frauen weltweit Brustkrebs diagnostiziert, was fast einem Zehntel aller Krebsneuerkrankungen und etwa einem Viertel aller Krebserkrankungen bei Frauen entspricht. Die höchste Brustkrebsrate ist in Europa zu verzeichnen und wurde im Jahre 2008 mit 332.000 Neuerkrankungen in den 27 EU-Mitgliedstaaten beziffert.

Die Diagnose liefert üblicherweise eine Mammographieuntersuchung, die bei Frauen über 50 zu 95% zuverlässig ist, so das Forscherteam, bei jüngeren Frauen unter 50 hingegen liege die Detektionsrate nur bei 60%, was ungefähr 20% aller Brustkrebsdiagnosen entspricht. Das Team weist daraufhin, dass eine rechtzeitige Diagnose und Therapie Tausenden von Frauen das Leben retten könnte, was die Tragweite der Entwicklung von Professor Wu belege.

Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Methoden ist, dass Mammographie die Gewebsdichte untersucht, Hochfrequenz hingegen den dielektrischen Kontrast zwischen gesundem und krankem Brustgewebe darstellt. Bei dem von Professor Wu entwickelten Verfahren wird auf dem Bildschirm ein Bild erstellt, sobald die Brust in die Untersuchungsmulde gelegt wird. Veränderungen im Gewebe oder Tumoren erscheinen rot, da der Hochfrequenzsensor unterschiedliche Kontraste aufzeichnet.

Die Technologie wurde für den "Innovation Award" des Instituts für Ingenieurswissenschaften und Technologie (IET) im Vereinigten Königreich vorgeschlagen - die Ergebnisse sollen noch im November dieses Jahres bekannt gegeben werden.

Quelle: Universität Manchester

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