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Startschuß für das Programm LEONARDO DA VINCI

Der Text dieser Nachricht wurde unverändert aus der Datenbank RAPID der Europäischen Kommission übernommen:

Am Donnerstag, 2. März, und Freitag, 3. März, erfolgt in Tours (Frankreich) auf Initiative der französischen Präsidentschaft und mit Unterstützung der Europäischen Komm...
Der Text dieser Nachricht wurde unverändert aus der Datenbank RAPID der Europäischen Kommission übernommen:

Am Donnerstag, 2. März, und Freitag, 3. März, erfolgt in Tours (Frankreich) auf Initiative der französischen Präsidentschaft und mit Unterstützung der Europäischen Kommission, die von dem für Forschung, allgemeine und berufliche Bildung zuständigen Kommissionsmitglied Edith Cresson vertreten wird, der Startschuß für LEONARDO, dem europäischen Programm zur Förderung der Berufsbildung. Anwesend sind an die 500 Vertreter des gesamten Spektrums der nationalen Akteure und Entscheidungsträger, die das Programm in den kommenden fünf Jahren verwalten werden. Neben der Konferenzrednerin Edith Cresson nehmen auch der französische Minister für Arbeit, Beschäftigung und berufliche Bildung Michel Giraud teil, der die Eröffnungsansprache übernimmt, sowie der für europäische Angelegenheiten zuständige Minister Alain Lamassoure, der zum Abschluß spricht. Außerdem haben sich Minister aus mehreren Mitgliedstaaten sowie zahlreiche hochrangige Vertreter der Regionen angesagt.

Unter den zahlreichen Systemschwächen, die zu der katastrophalen Beschäftigungslage in Europa geführt haben, nimmt die fehlende Anpassung der Berufsbildungssysteme an die Entwicklung des Bedarfs unserer Gesellschaften leider eine vorrangige Stellung ein. Gemeinsam mit Forschung und allgemeiner Bildung ist die berufliche Bildung - gleich, ob es sich dabei um Erstausbildung oder lebenslanges Lernen im Beruf handelt - doch wesentlicher Bestandteil dieser "immateriellen Investitionen", deren Bedeutung im Weißbuch der Kommission über Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung unter Beweis gestellt wird. Nun drängt aber die Zeit! Die technologische Revolution und insbesondere das angekündigte Herannahen der Informationsgesellschaft drohen den Rückstand Europas gegenüber seinen Konkurrenten unwiderruflich zu vergrößern, wenn die Berufsbildungssysteme nicht unverzüglich angepaßt werden.

In Anlehnung an Leonardo da Vinci, dieses Genie der Renaissance-Zeit, das Erfindungsgeist, Vorstellungsvermögen, Feinfühligkeit des Künstlers und wissenschaftliche Vision vereinte, verfolgt das Programm LEONARDO das ehrgeizige Ziel, die berufliche Bildung in Europa neu zu beleben, natürlich ohne die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten in diesem Bereich zu übergehen. Der Name LEONARDO erinnert auch an eine Zeit, in der das Erlernen beruflicher Fertigkeiten nicht durch Grenzen behindert wurde.

LEONARDO: eine Gebrauchsanweisung

Ein Praktikum in einem deutschen Spitzenunternehmen, das Erlernen eines Berufs durch revolutionäre Methoden unter Einsatz von in Schweden entwickelten Multimedia-Techniken, Einführung für Ausbilder in neue Lehrmethoden - durchgeführt in Frankreich -, Entwicklung des Fremdsprachenerwerbs ... Das sind einige Beispiele für Maßnahmen, die LEONARDO, das neue Berufsbildungsprogramm der Europäischen Union, in den kommenden fünf Jahren fördern wird. Mit einer vom Ministerrat beschlossenen Mittelausstattung von mindestens 620 Mio. ECU für den Zeitraum 1995-1999 greift LEONARDO die verschiedenen Einzelmaßnahmen der Gemeinschaft im Berufsbildungsbereich wie COMETT, PETRA, LINGUA oder FORCE auf und erneuert sie.

Was will LEONARDO?

LEONARDO verfolgt vier Ziele:

* Verbesserung der Qualität der beruflichen Bildung in Europa

* Ausbau von Austauschmaßnahmen und Praktika

* besseres Verständnis der beruflichen Bildung, d. h. ihrer Funktionsweise und des realen Bedarfs

* Förderung der Anpassung an die Instrumente der Informationsgesellschaft

Das Programm ist sowohl für Schüler und Studenten als auch für Jugendliche in der Erstausbildung und für Arbeitnehmer in der Weiterbildung bestimmt.

1 Verbesserung der Qualität der beruflichen Bildung in Europa

Das Programm unterstützt eine Reihe länderübergreifender Projekte, d. h. Vorhaben, die Teilnehmer aus mehreren Mitgliedstaaten vereinen, was ein Plus für die Qualität der Berufsbildung bedeutet. Dabei kann es sich um die Entwicklung und die Durchführung gemeinsamer Berufsbildungsmethoden handeln. Ein Beispiel: Mehrere Schulen oder Berufsbildungseinrichtungen tun sich mit einem oder mehreren Unternehmen zusammen, legen einen gemeinsamen Lehrgang für diesen oder jenen Beruf fest und lassen ihre Schüler entsprechend angepaßte Praktika in den Partnerunternehmen absolvieren.

Anderes Beispiel: Verschiedene Unternehmen derselben Branche - oder die Tochtergesellschaften eines Unternehmens -, die ihre Beschäftigten in den neuen rechnergestützten Fertigungstechnologien ausbilden lassen wollen, veranstalten in Partnerschaft mit den Behörden gemeinsam berufsbildende Lehrgänge in Form von Fernunterricht. Im selben Sinne gilt die Unterstützung durch LEONARDO auch der Ausbildung der Ausbilder, Projekten zur besseren Qualifikationsbedarfsermittlung oder auch der Entwicklung von Verfahren des Fremdsprachenerwerbs unter Nutzung insbesondere der neuen Informationstechnologien ...

2 Ausbau von Austauschmaßnahmen und Praktika

Reisen, so sagt man, bildet die Jugend. Das trifft insbesondere auf die berufliche Bildung in Europa zu, das mit seinen vielfältigen Ansätzen und Erfahrungen in diesem Bereich einen wertvollen Trumpf in der Hand hält. LEONARDO wird also Austausch- und Praktikaprogramme für verschiedene Zielgruppen - Jugendliche in der Erstausbildung, junge Hochschulabsolventen - unterstützen, damit diese einen Teil ihrer Ausbildung in einer Berufsbildungseinrichtung oder einem Unternehmen eines anderen Mitgliedstaates absolvieren können. Auch Ausbilder und Berufsbildungsfachleute sollen durch Austauschmaßnahmen die Qualität ihrer Arbeit steigern. Eine vorrangige Stellung nehmen hier ebenfalls Austauschmaßnahmen zum Ausbau des Fremdsprachenerwerbs ein.

3 Besseres Verständnis der beruflichen Bildung

Das Prädikat "intelligent" verdient ein Berufsbildungssystem dann, wenn es schnellstens den Anforderungen der Gesellschaft nachkommen kann. Hier können sich neue Erkenntnisse als besonders nützlich erweisen für die vorausschauende Beschäftigung mit dem Bedarf, für die Ermittlung neuer Formen des Lernens sowie für die Entwicklung neuer Maßnahmen zur Unterstützung der Berufsbildung und zur Förderung der Investitionen in diesem Bereich. LEONARDO wird demnach auf Gemeinschaftsebene durchgeführte Erhebungen und Analysen, den Austausch von Daten sowie die Verbreitung berufsbildungsspezifischer Innovationen und Informationen unterstützen.

4 Förderung der Anpassung an die Instrumente der Informationsgesellschaft

Schließlich wird die Aneignung der neuen Informationstechnologien, die wohl innerhalb weniger Jahre unsere Lebensweise und unsere Beziehungen am Arbeitsplatz revolutionieren werden, eines der Hauptanliegen bei der Durchführung des Programms sein. Projekte zu diesem Thema werden also ganz besonders wohlwollend geprüft.

Wie können Fördermittel beantragt werden?

Die Auswahlkriterien:

Wer einen Zuschuß im Rahmen von LEONARDO erhalten will, muß eine Reihe von Kriterien erfüllen. Zunächst einmal müssen die Projekte den Zielen und Prioritäten des Programms entsprechen. Austauschmaßnahmen zwischen Hochschulen können dementsprechend nicht finanziert werden, da sie unter das Programm SOCRATES fallen. Zweite Bedingung ist, daß die Projekte länderübergreifend arbeiten. Also müssen in jedem Projekt Akteure aus mindestens zwei Mitgliedstaaten oder anderen teilnahmeberechtigten Ländern vertreten sein (LEONARDO steht auch den assoziierten Ländern Mittel- und Osteuropas sowie Zypern und Malta offen).

Vorrangig behandelt werden außerdem Projekte, an denen Partner verschiedener Kategorien teilnehmen: Unternehmen - staatliche Stellen - Sozialpartner, Berufsbildungseinrichtungen - Unternehmen - Hochschulen, Gebietskörperschaften - Schulen usw. Das gleiche gilt für Aktionen, die verschiedene Bereiche der Berufsbildung abdecken, was insbesondere den Innovationstransfer erleichtert. Ganz besonderer Akzent wird auf die Durchführung von Maßnahmen gelegt, die auf eine bessere vorausschauende Bedarfsermittlung und eine möglichst weitgehende Innovationsverbreitung abzielen.

Wie ist vorzugehen?

Zunächst müssen Einrichtungen und Unternehmen, die an einer Förderung durch LEONARDO interessiert sind, ein Projekt ausarbeiten, das die oben genannten Kriterien erfüllt. Hierbei wird im jeweiligen Mitgliedstaat fachliche Hilfe geleistet. Dann wird der Antrag bei der zuständigen nationalen Stelle eingereicht, die eine Vorauswahl trifft und in einem Bericht begründet, inwiefern die ausgewählten Projekte die nationalen Berufsbildungssysteme ergänzen und unterstützen. In Partnerschaft mit den Mitgliedstaaten und nach Stellungnahme des Programmausschusses von LEONARDO stellt die Kommission ein Verzeichnis der Vorhaben auf, die finanziell unterstützt werden.

Die Höhe des Zuschusses ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Nur eines steht fest. Die Förderung darf 100 000 ECU im Jahr pro Projekt und 5 000 ECU pro Person für ein Praktikum nicht überschreiten.

Der Zeitplan

Nach der Veröffentlichung des Vademecums (Ende März), das interessierten Kreisen das Programm vorstellt und ausführlich erläutert, gibt die Kommission die ersten Ausschreibungen im Monat April heraus. Im September soll die Sitzung des LEONARDO-Ausschusses stattfinden, der zu den Projekten Stellung nimmt, die in den einzelnen Mitgliedstaaten aus der Vorauswahl hervorgegangen sind. Anschließend gibt die Kommission ihre Stellungnahme zu den Vorhaben ab, die sie auswählen will.


Quelle: Europäische Kommission, Dienst des Sprechers
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