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Informationstechnologien und die Informationsgesellschaft, die Industrie und die Zusammenarbeit mit Drittländern

Das Informationstechnologieprogramm (ESPRIT) spielt bei der Entwicklung der Informationsgesellschaft, der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und der Erweiterung der Zusammenarbeit mit Drittländern eine wichtige Rolle.

In einem Gespräch mit RTD-News umriß Herr Met...
Das Informationstechnologieprogramm (ESPRIT) spielt bei der Entwicklung der Informationsgesellschaft, der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und der Erweiterung der Zusammenarbeit mit Drittländern eine wichtige Rolle.

In einem Gespräch mit RTD-News umriß Herr Metakides, Direktor des Informationstechnologieprogramms der Kommission im Rahmen des 4. Rahmenprogramms der Europäischen Gemeinschaft im Bereich der Forschung, technologischen Entwicklung und Demonstration (1994-1998) kürzlich, auf welche Art und Weise sich das Programm auf die Informationsgesellschaft, die Industrie und die Zusammenarbeit mit Drittländern bezieht.

- Informationstechnologien und die Informationsgesellschaft: "Der Schwerpunkt des Programms zur Informationstechnik besteht in der Bereitstellung jener Teile der Informationsinfrastruktur, die von der Informationsgesellschaft benötigt werden. Schauen wir uns beispielsweise eines unser Projektpakete an: Technologien für Vorgänge im Geschäftsbereich. Bei einem Projektpaket (focused cluster) im IT-Programm handelt es sich um eine Gruppe von FTE-Projekten und damit zusammenhängenden Aktivitäten, die für ein gemeinsames Ziel im jeweiligen Bereich miteinander verbunden werden, sich auf eine Reihe von Disziplinen und Technologiebereiche beziehen und an denen unterschiedlichste Organisationen beteiligt sind. Es bestehen vier Projektpakete: Initiative für offene Mikroprozessorsysteme, Hochleistungsrechner und -vernetzung, Integration im Fertigungsprozeß und Technologien für Vorgänge im Geschäftsbereich. Dies ist ein völlig neuer Bestandteil des Programms, der auf die für Unternehmensumstrukturierung und -reengineering erforderlichen Technologien abzielt und die Grundlagen für die Einbeziehung von Unternehmen in die Informationsgesellschaft schafft.

Zum besseren Verständnis des Entstehens der Informationsgesellschaft möchte ich in Analogie an die Elektrizität folgendes sagen. Zunächst wurde in den Fabriken mit dem Einzug der Elektrizität die Dampfmaschine durch Elektromotoren mit den dazugehörigen Antrieben und Getrieben ersetzt. Dadurch erhöhte sich zwar die Produktivität, doch dauerte es noch 30 Jahre, bis kleinere Motoren an verschiedenen Stellen der Produktionsflächen eingesetzt wurden, denn bei den Dampfmaschinen war es zuvor unmöglich, sie auf diese Weise verteilt einzusetzen. Doch erst mit diesem Schritt nahm die Revolution wirklich ihren Lauf.

Die Kommission beteiligt sich an vielen spezifischen Aspekten der unterschiedlichen Themen im Zusammenhang mit der Informationsgesellschaft sowie den damit verbundenen Initiativen und Forschungsnetzen. Eine der zehn Zielsetzungen bezieht sich auf ein Netz von Universitäten und Forschungszentren zur Vernetzung der geistigen Kapazitäten in Europa. Damit soll die Informationsgesellschaft auf den Weg gebracht werden, so wie dies im vergangenen Mai im Bangemann-Bericht zu Europa und der globalen Informationsgesellschaft empfohlen worden ist. Dazu wurde von der DG III (Industrie) und der DG XIII (Telekommunikation, Informationsmarkt und Nutzung der Forschungsergebnisse) kürzlich eine Ausschreibung veranstaltet, mit der die Verknüpfung der in Europa bestehenden Netze von Forschungseinrichtungen und Universitäten auf der Ebene von 34-155 Megabit pro Sekunde angestrebt wird. Diese Initiative ist integraler Bestandteilder ersten Ausschreibungen für die unter dem 4. Rahmenprogramm laufenden Programme zu Informationstechnologie und Telematikanwendungen, wie sie am 15. Dezember letzten Jahres veröffentlicht wurden. Die Bewertung des Ergebnisses dieser Ausschreibung erfolgt vor dem Hintergrund von 30 Mio. ECU, die für die Finanzierung ausgewählter Projekte zur Verfügung stehen."

- Das Informationstechnologieprogramm und die Industrie: "Das neue Hauptmerkmal des Programms stellt in bezug auf die Industrie seine Ausrichtung auf Nutzer und Märkte dar, denn hier liegt eindeutig unser Schwerpunkt.

Ich möchte darauf verweisen, daß wir nicht dafür verantwortlich sein wollen, etwas hervorzubringen, was sich als technisch nutzlos herausstellt. Aus der Geschichte erfolgreicher technologischer Projekte sind nur allzu viele Fälle bekannt, in denen die im Unternehmen für das Marketing Verantwortlichen nicht wußten, daß es solche Projekte überhaupt gab. Die Forschung wurde extern bezahlt, das Management war froh darüber, doch die Ergebnisse wurden von niemandem genutzt. Aus diesem Grunde besteht eines der Hauptkriterien bei der Auswahl der Vorschläge im Rahmen des Informationstechnologieprogramms in der Vorlage eines umsetzfähigen Plans zur Ergebnisnutzung. An diesem Aspekt machen wir keinerlei Abstriche.

Da gegenwärtig 70 % sämtlicher Software in den Anwenderunternehmen erzeugt wird, macht es doch in diesem Fall keinen Sinn, zwischen "Anbieter" und "Nutzer" zu unterscheiden. Die Banken und Versicherungsgesellschaften beschäftigen ganze Heerscharen von Software-Ingenieuren, von denen jeder für sich allein arbeitet. Die Ausrichtung auf den Nutzer ist eine wohldurchdachte Strategie, und zwar nicht nur bei der Produktion, sondern auch deshalb, weil wir feststellen, daß die Informationstechnik in sämtlichen Industriebereichen Fuß gefaßt hat.

Das ist auch der Grund dafür, warum im Rahmen des Programms ein Beratergremium aus der Industrie geschaffen wurden, denen Verantwortlichen u.a. aus dem Stahl-, Nahrungsmittel-, Energie- und dem chemisch-pharmazeutischen Bereich angehören. Dabei stellten wir ihnen zunächst die Frage, was sie von der Informationsstruktur, der Informationstechnik und den führenden Anbietern erwarten. Ihre Ansichten dienten dabei als Grundlage für das laufende Programm. Im Laufe des Jahres wird es zu einer weiteren Zusammenkunft kommen, auf der wir dann erfragen werden, ob wir ihrer Meinung nach die ursprünglichen Empfehlungen berücksichtigt haben.

- Internationale Zusammenarbeit:

"Was die internationale Zusammenarbeit anbetrifft, so glaube ich nicht, daß keinerlei Zweifel mehr daran bestehen, daß die Informationsgesellschaft eine globale Angelegenheit ist. Vizepräsident Gore sprach im Februar auf der Konferenz der G7-Minister von der globalen Informationsinfrastruktur [GII - Global Information Infrastructure], während sich der Bangemann-Bericht bereits mit der globalen Informationsgesellschaft [GIS - Global Information Society] beschäftigt hatte. Der G7-Gipfel verdeutlichte, daß das wichtige "G" nicht das "G" in "G7" ist, sondern das "G" in "global". Der südafrikanische Vizepräsident Thabo Mbeki wies auf dem G7-Treffen darauf hin, daß wir erst lange und fest nachdenken sollten, anstatt locker und lässig über die globale Informationsinfrastruktur zu reden. In Afrika hat weniger als 10% der Bevölkerung jemals ein Telefon benutzt. Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß viele Länder, die der Entwicklung beim Sprachtelefondienst hinterherhinkten, jetzt mit großen Sprüngen in die digitale Funktechnik einsteigen.

Eine globale Informationsgesellschaft benötigt eine global vernetzte, kompatible Informationsinfrastruktur. Kompatibilität ("interoperability") ist nicht mit einem neuen Farbanstrich vergleichbar. Es geht nicht darum, bloß ein paar "Rohrleitungen" zusammenzustecken. Was zählt ist die Kompatibilität der Datenbanken. Und wenn beispielsweise Bibliotheken weltweit vernetzt und mittels Verdichtungsalgorithmen, Such- und Navigationswerkzeugen und -protokollen zugänglich gemacht werden sollen, dann müssen unsere FuE-Arbeiten global ausgeführt werden.

Aus diesen Gründen sind Datenbankstrukturen und -schnittstellen ein Hauptaspekt der Programmarbeiten hinsichtlich der internationalen Zusammenarbeit. Natürlich ist dieses Programm offen: für die Länder Mittel- und Osteuropas wie alle Aktivitäten des 4. Rahmenprogramms. Darüber hinaus zählt es zu den beiden Programmen, bei denen der "Artikel 8" im Rechtsakt vorkommt, der die Grundlage und die Reichweite definiert. Hier liegt der entscheidende Unterschied: das Programm "Informationstechnologien" und das Programm "fortgeschrittene Kommunikationstechnologien und -dienste (ACTS)" ermöglichen prinzipiell allen Ländern die Teilnahme, natürlich ohne diesbezügliche Fördermittel.

Die Anwesenheit von Thabo Mbeki auf dem G7-Gipfel hat unter anderem dazu geführt, daß mit Präsident Santer und Kommissar Bangemann vereinbart wurde, Südafrika die Leitung einer Informationssitzung über die afrikanische Informationsgesellschaft zu übertragen, die voraussichtlich 1996 stattfinden wird. Eine weitere Veranstaltung ist in Lateinamerika geplant; der Termin steht jedoch noch nicht fest.

Was die PECO-Länder anbetrifft, so versuchen wir möglichst vielen Teams, besonders aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen, mit unseren Aktivitäten in Verbindung zu bringen. Dies ist ein entscheidender Schritt, um einen "Brain Drain" zu verhindern, der sonst das Reservoir ausgebildeter Humanressourcen und die Produktionskapazitäten dieser Länder austrocknen könnte. Der Aufstieg informationsgesellschaftlicher Tätigkeiten und die Ausweitung des Informationsmarktes führen dazu, daß die Nachfrage nach Fachleute auf diesen Gebieten stark steigt. Im Programm "Informationstechnologien" führen wir zahlreiche Pilotmaßnahmen durch, die nicht nur technologische Ergebnisse liefern, sondern ein gesundes Reservoir an Fachwissen aufrechterhalten sollen."

Quelle: Europäische Kommission, GD III
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