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Task Force "Impfstoffe und Viruserkrankungen" entwickelt Prioritäten für Forschungsprojekte

Bürgernahe Gestaltung der Forschungspolitik, Unterstützung der Industrie in dem Bestreben, den Bedürfnissen der Bürger besser gerecht zu werden: Dieses zweifache Anliegen veranlaßte Edith CRESSON (Kommissarin für Forschung, allgemeine und berufliche Bildung), Martin BANGEMANN ...
Bürgernahe Gestaltung der Forschungspolitik, Unterstützung der Industrie in dem Bestreben, den Bedürfnissen der Bürger besser gerecht zu werden: Dieses zweifache Anliegen veranlaßte Edith CRESSON (Kommissarin für Forschung, allgemeine und berufliche Bildung), Martin BANGEMANN (Kommissar für Industrie, Telekommunikation und Informationstechnologien) und Neil KINNOK (Kommissar für das Verkehrswesen), sich zusammenzuschließen, um die Entwicklung der Technologien zu fördern, die sowohl die Lebensqualität unserer Gesellschaft als auch dieWettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie bestimmen werden. Für jedes dieser Themen ist eine Task Force zuständig. In diesem Beitrag wird die Task Force "Impfstoffe und Viruserkrankungen" vorgestellt.

Den (ansteckenden) Infektionskrankheiten fallen weltweit jährlich 17 Mio. Menschen zum Opfer (bei insgesamt 50 Mio. Todesopfern, alle Krankheiten zusammen genommen). Von diesen Infektionen sind die Virusinfektionen besonders erschreckend, da die Mittel zur Vorbeugung (Impfstoffe) und Behandlung (Arzneimittel) dieser Erkrankungen ziemlich begrenzt sind.

Medizinisch gesehen wie auch unter dem Gesichtspunkt des Kosten- /Leistungsverhältnisses stellen die Impstoffe eine der interessantesten Lösungen dar, da durch sie Krankheiten und Leiden vermieden und die Kosten im Gesundheitswesen stark reduziert werden können. Unter den Problemen des Gesundheitswesens und dessen Kosten, der Forschung und der Industrie sind die Impfstoffe aktueller denn je, da Viruserkrankungen (Aids, Hepatititis und Grippe) weiterhin unvermindert um sich greifen und immer neue Viren entstehen (z.B. das Ebola-Virus, das zur Epidemie in Afrika geführt hat).

Wirtschaftlich gesehen macht der Weltmarkt für Impfstoffe heutzutage ca. 3 Mrd. ECU aus. Er nimmt sehr rasch zu und dürfte im Jahre 2000 6 Mrd. ECU betragen. Auf Amerika entfallen 50 und auf Europa 28 %. Die Entwicklung eines Impfstoffes nimmt durchschnittlich 12 Jahre in Anspruch und kostet ca. 250 Mio. ECU.

Die Impfstofforschung in Europa wird im wesentlichen von sechs Unternehmen getragen. Insgesamt wenden sie ca. 218 Mio. ECU für einschlägige Forschungen auf. Zu diesem Betrag kommen die Kosten der im Bereich der Biotechnologie spezialisierten kleinen Unternehmen hinzu.

Der überwiegende Teil der Impfstofforschung auf Weltebene wird von den großen amerikanischen Unternehmen und im Auftrag der Regierung der Vereinigten Staaten durchgeführt. Die amerikanischen (wie auch die japanischen) Unternehmen stützen sich im wesentlichen auf ihren großen einheitlichen Binnenmarkt mit seinen hohen Preisen. Dies stellt für sie einen großen Wettbewerbsvorteil dar.

Auf dem Gebiet der Impfstofforschung hat Europa jedoch bedeutende Trümpfe in der Hand. Die europäische Pharmaindustrie gehört zu den leistungsfähigsten der Welt. Darüber hinaus gestattet die kürzlich von der Europäischen Union ins Leben gerufene Europäische Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln die Einführung eines harmonisierten Konzepts auf dem Gebiet der Arzneimittelregelung.

Die Task Force hat eine Doppelaufgabe: Sie muß zunächst über die Lage der einschlägigen Forschungen in Europa Bilanz ziehen und sodann einen Forschungsaktionsplan vorschlagen, der zur Verbesserung der Stellung der europäischen Industrie und zur optimalen Nutzung des Potentials der auf europäischer Ebenedurchgeführten Maßnahmen beiträgt.

Die Task Force hat bei den Marktteilnehmern und den Industriepartnern Konsultationen durchgeführt, um die technologischen Hemmnisse, Bedürfnisse und Prioritäten festzustellen. Die Konsultationen werden fortgesetzt. Die Task Force wird eine Angleichung der in den Forschungsprogrammen des Vierten Rahmenprogramms festgelegten Projekte vornehmen und daraufhin Initiativen für Projekte von gemeinsamem industriellen Interesse entwickeln und vorschlagen, an denen die Industrie, einzelstaatliche Institutionen und die Bereiche Medizin und Wissenschaft beteiligt sind.

Eine schriftliche Konsultation wurde bei 80 potentiellen Industriepartnern, den großen Industrieverbänden, Forschungsinstituten und sonstigen wissenschaftlichen Einrichtungen in die Wege geleitet. Die Antworten ergaben Übereinstimmung zu folgenden Themenkreisen:

- Forschung über bestehende Impfstoffe und deren Herstellung: Verbesserungen sind erforderlich.

- Neue Therapien: für Aids, Hepatitis, Tuberkulose und Malaria.

- Neue Viruserkrankungen: Ihr Auftreten hat die Notwendigkeit von Strukturen aufgezeigt, die eine Überwachung und rasches Eingreifen ermöglichen.

- Technologische Innovation auf den Gebieten Immunologie und Vakzinologie: Die durch Impstoffe geschaffenen Schutzmechanismen müssen verbessert werden.

Aktionsprogramm für 1995:

- Auf der Grundlage der Schlußfolgerungen dieser ersten Konsultation wird zur Zeit ein Zwischenbericht ausgearbeitet.

- Eine Reihe weiterer Treffen über spezielle Themen wie Beteiligung von Sachverständigen der Industrie, des öffentlichen Sektors und der Wissenschaft soll in den nächsten Monaten durchgeführt werden.

- Neue Initiativen zur Vorbereitung von Projekten von gemeinsamem industriellen Interesse sollen vorgeschlagen werden.

Einzelheiten zu den fünf anderen Task Forces sind in der RTD-News-Datenbank den Beiträgen unter den jeweiligen RCN-Nummern zu entnehmen:

- Multimediale Lernprogramme (RCN 4288);

- Das Auto von morgen (RCN 4289);

- Das Flugzeug der neuen Generation (RCN 4290);

- Der Zug der Zukunft (RCN 4292);

- Intermodalität im Verkehr (RCN 4293)


Quelle: Europäische Kommission, Dienst des Sprechers
EN

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