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Erster Jahresbericht zum Aktionsplan für die Einführung fortgeschrittener Fernsehdienste in Europa

Die Kommission hat auf Vorschlag ihrer Mitglieder Martin Bangemann, Kommissar für Industrie, Informationstechnologien und Telekommunikation, und Marcelino Oreja, der für Kultur und audiovisuelle Medien zuständig ist, den ersten Jahresbericht über den Aktionsplan zur Einführung...
Die Kommission hat auf Vorschlag ihrer Mitglieder Martin Bangemann, Kommissar für Industrie, Informationstechnologien und Telekommunikation, und Marcelino Oreja, der für Kultur und audiovisuelle Medien zuständig ist, den ersten Jahresbericht über den Aktionsplan zur Einführung moderner Fernsehdienste verabschiedet.

Mit Hilfe des Aktionsplans, der mit einen Beschluß des Rates vom 22. Juli 1993 anlief, soll der Teufelskreis durchbrochen werden, der bisher die Einführung des neuen Bildschirmformats verhinderte: Rundfunkanstalten schrecken vor den Extrakosten für eine Ausstrahlung im 16:9-Format zurück und bieten keine Sendungen in diesem Format an, solange keine 16:9-Fernsehgeräte zur Verfügung stehen, während die Hersteller aus Furcht vor den hohen Investitionen keine neuen Geräte bauen, solange keine entsprechenden Sendungen angeboten werden.

Die strukturelle Trennung zwischen Rundfunkanstalten und Verbraucherelektronik hatte deshalb zur Folge, daß durch Marktkräfte allein keine Lösung herbeigeführt werden konnte. Zwei Gruppen standen sich mit unterschiedlichen und dabei gleichwertigen Marktargumenten gegenüber, ohne daß sich eine Lösung anbot. Durch den Aktionsplan sollte der Markt stimuliert und ein Ausweg aus der Sackgasse gefunden werden. Dies geschieht durch eine Beteiligung an den Kosten, die den Rundfunkanstalten und Programmachern durch die Einführung des Breitbildschirm-Fernsehens zusätzlich entstehen. Damit wird sichergestellt, daß den Fernsehzuschauern in Europa einheitliche 16:9-Breitbildschirme angeboten werden.

Der Breitbildschirm findet bei den Konsumenten großen Anklang. Wurden 1992 lediglich 15.000 Breitbildschirmgeräte verkauft, so stieg diese Zahl im Jahre 1994, dem ersten Jahr des Aktionsplans, auf 150.000 und wird sich allem Anschein nach dieses Jahr verdoppeln. Der 16:9-Breitbildschirm ist beim Verbraucher sehr beliebt, da er aus ergonomischer Sicht Vorteile bietet und das Fernsehen beinahe zum Panoramakino werden läßt. 16:9 ist zudem das Format des hochauflösenden Fernsehens (HDTV), und der Übergang vom heutigen Bildschirmformat zum 16:9-Format ist Voraussetzung einer künftigen, vom Markt bestimmten Einführung des hochauflösenden Fernsehens mit digitaler Technik.

Auch aus der Industrie kamen ermutigende Signale. Aus dem Aktionsplan wurden in acht Mitgliedstaaten 22 Anstalten mit bisher rund 30.000 Stunden Breitbildschirmsendungen gefördert. Finanzielle Mittel werden im Anschluß an Ausschreibungsverfahren vergeben, wobei die Anzahl der Bewerber die Höhe der zur Verfügung stehenden Mittel regelmäßig überschreitet. Eine "kritische Masse" an Angeboten in dieser Richtung, die den Verbrauchern eine zufriedenstellende Auswahl ermöglicht, wurde in Frankreich und Deutschland erreicht. Eines der als Richtschnur geltenden Ziele des Aktionsplans besteht darin, diese "kritische Masse" in der gesamten Europäischen Union zu erreichen.

Das andere Ziel ist ein ausreichendes und gleichzeitig weiter zunehmendes Angebot an Sendungen im 16:9-Format. Die Produzenten haben enthusiastisch reagiert, denn etwa 13.000 Programmstunden wurden gefördert, von denen es sich bei mehr als der Hälfte - nämlich bei 65 % - um "langlebige" Programme handelt, die eine kulturelle Bereicherung darstellen. Der Aktionsplan zeigt somit, daß marktrelevante und kulturelle Aspekte durchaus verbunden werden können.

Mit dem Aktionsplan ist es der Gemeinschaft in ihrer Politik gelungen, die rein technische Diskussion zu überwinden, da das neue Bildschirmformat von der Technik, die von den einzelnen Rundfunkanstalten je nach Strategie und ihren besonderen Bedingungen angewandt wird, unabhängig ist, d.h. es kommt sowohl Analog- als auch Digitaltechnik zum Einsatz.

Die Einführung des digitalen Fernsehens in Europa gehört zu den Themen, die auf der hochrangigen Konferenz über das Breitbildschirm-Fernsehen, die die Kommissionsmitglieder Bangemann und Oreja für Oktober 1995 angekündigt haben, angesprochen werden sollen. Die Kommission veranstaltet diese Konferenz im Rahmen ihrer ständigen Bemühungen zur Einbeziehung der audiovisuellen Medien in die Initiative für die Informationsgesellschaft.

Quelle: Europäische Kommission, Dienst des Sprechers
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