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Task Force "Zug der Zukunft": Aufgabenstellung

Von der Europäischen Kommission wurde die Aufgabenstellung für die Task Force "Zug der Zukunft" veröffentlicht, die kurzgefaßt in der Entwicklung gemeinsamer industrieller Forschungsprojekte zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinschaft besteht.

In den letzten Jahren...
Von der Europäischen Kommission wurde die Aufgabenstellung für die Task Force "Zug der Zukunft" veröffentlicht, die kurzgefaßt in der Entwicklung gemeinsamer industrieller Forschungsprojekte zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinschaft besteht.

In den letzten Jahren ging der Marktanteil des Schienenverkehrs (Personen und Güter) gegenüber seinen unmittelbaren Konkurrenten, namentlich dem Luft- und Straßenverkehr, immer mehr zurück. Die Gründe dafür liegen in der politischen Entscheidung, dem Individualverkehr Vorrang einzuräumen, aber zum Teil auch in der mangelnden Reaktion der Eisenbahnen auf sich verändernde Kundenbedürfnisse. Da sich auf diese Weise der Straßenverkehr zum Nachteil des Schienenverkehrs entwickelte, gingen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von letzterem ständig zurück.

Um die laufenden Kosten der Eisenbahnen, die allgemein als zu hoch erachtet werden, zu senken, ist versucht worden, die Lebensdauer des rollenden Materials und der Infrastruktur (Bahnhöfe, Signalanlagen usw.) zu verlängern. Dies führte zu einer immer stärker auseinanderklaffenden Lücke zwischen der Wirklichkeit der Bahnwelt und den Bedürfnissen der Kunden, die (vermutlich mit Ausnahme des TGV) die Eisenbahn zunehmend als veraltetes und restriktives Verkehrsmittel betrachteten.

Die Beschaffungspreise und Instandhaltungskosten im Schienenverkehr sind insbesondere für das rollende Material zu hoch. So besteht eine der Aufgaben, die sich für die Industrie stellen, in der Senkung der während des Lebenszyklus entstehenden Kosten, ausgedrückt durch die Formel "halbes Gewicht", "halbe Lebensdauer", "halbe Kosten". Daraus ergibt sich die Notwendigkeit umfangreicher Forschungs- und Entwicklungsarbeiten unter Einbeziehung wirtschaftlicher Zielsetzungen.

Bemühungen in dieser Richtung sind bereits sowohl auf einzelstaatlicher als auch auf Gemeinschaftsebene sichtbar. Der Umfang der von den Mitgliedstaaten im Zeitraum von 1995 bis 1998 ausgeführten Forschungstätigkeit im Eisenbahnsektor beläuft sich auf etwa 1 000 Mio ECU. Zusätzlich sind annähernd 1 000 Mio ECU aus dem Vierten Rahmenprogramm für die gesamte Verkehrsforschung bereitgestellt worden. Die für FTE im Zusammenhang mit dem Schienenverkehr bereitstehenden Mittel belaufen sich auf ungefähr 100 Mio ECU; in Rahmen des TRANSPORT-Programms ist für den Schienenverkehrssektor ein gesonderter Haushaltsposten (in Höhe von 38 Mio ECU) vorgesehen, der sich auf die folgenden vier Gebiete verteilt:

- Steuerung/Lenkung;
- Sicherheit;
- Interoperabilität;
- Organisatorische, soziale und wirtschaftliche Aspekte des Eisenbahnverkehrs.

Davon sind 70% für den Abschluß und die Validierung des Europäischen Eisenbahnverkehrs-Managementsystems (ERTMS) bestimmt, das als Teil des EURET-Programms im Rahmen des Dritten Rahmenprogramms begonnen worden war.

Um die verfügbaren Mittel bestmöglich zu nutzen, wird die Task Force eine Schlüsselrolle bei der Festlegung zukünftiger Forschungsprioritäten und -zielsetzungen spielen. Diese Initiative muß die für die Zusammenführung der Hauptakteure (namentlich der Kommission, der Regierungen, der Kunden, der Eisenbahnen und der Zulieferindustrie) zur Entwicklung des Schienenverkehrs erforderliche Dynamik hervorbringen. Die strategischen Zielsetzungen der durch die Task Force zu koordinierenden FuE-Aktivitäten bestehen in der:

- Verbesserung der Qualität der Bahndienstleistungen und der Intermodalität;
- Verringerung der Umwelteinflüsse und der Verbrauchs von Naturressourcen durch die Eisenbahnen.

Im Rahmen der erstgenannten Zielsetzung ist ein Verkehrsmittel zu entwickeln, das:

- den praktischen Bedürfnissen der Kunden (Komfort, Pünktlichkeit, persönliche und technische Sicherheit sowie Schnelligkeit) Rechnung trägt;
- die Integrationspolitik Europas (Interoperabilität) voranbringt;
- die Möglichkeiten eines höheren Beschäftigungsgrades nicht nur durch die gestiegene Nutzung des Schienenverkehrs (z.B. die Eingangsbehandlung auf Bahnhöfen und in Zügen), sondern auch durch die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Eisenbahn-Zulieferindustrie auf den Weltmärkten nutzt.

Somit müssen sich die technologischen Entwicklungen auf einer Grundlage vollziehen, in der die potentielle Entwicklung von Nachfrage und Bedürfnissen der Nutzer Berücksichtigung findet und zukünftige Entwicklungen im Bahnsektor schlüssig in ein Gesamtverkehrssystem eingeordnet werden, mit dessen Hilfe insbesondere Personen und Güter auf einfache und flexible Weise von einer Beförderungsart zur anderen wechseln können.

Zielsetzungen:

Ausgehend von der Prämisse, daß auf europäischer Ebene ein entsprechender Beitrag zu leisten ist, wird durch umfassende Konsultationen mit Industrie und Nutzern die Einbeziehung folgender Aspekte gewährleistet:

- Festlegung der Prioritäten für technologische Entwicklung und industrielle Innovation entsprechend den praktischen Bedürfnissen von Anbietern und Bürgern;
- Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den wichtigsten europäischen Anbietern im Bereich der Eisenbahnforschung (beispielsweise mit den Unternehmensbereichen aus anderen Beförderungsarten) mit dem Ziel der Verknüpfung zersplitterter Märkte und der Steigerung der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit ;
- Schaffung insbesondere der finanziellen Bedingungen, damit die gemeinschaftliche FTE als Mittler bei der Annäherung dieser Bedürfnisse an die Zielsetzungen der Gemeinschaftspolitik fungieren kann;
- in Anbetracht der ständig steigenden Entwicklungskosten für Hochtechnologieprojekte das Erreichen einer "kritischen Masse" sowohl in bezug auf die betriebliche Infrastruktur als auch in finanzieller Hinsicht, damit auf europäischer Ebene die Entwicklung zukünftiger Zug-Generationen gesichert ist ;
- Förderung eines europäischen Forschungsansatzes mit weltumspannender Dimension, der den Zielsetzungen der gemeinsamen Verkehrspolitik Rechnung trägt;
- Herausbildung der Grundlagen für die Entwicklung einer wirklichen Zulieferindustrie für die Eisenbahnen in Europa, mit besonderer Einbindung von kleinen und mittleren Unternehmen.

Damit der Schienenverkehr in Europa im Wettbewerb um Effektivität im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln eine wichtige Rolle spielen kann, müssen kurz- bis mittelfristig solche Unternehmensbereiche im Mittelpunkt stehen, in denen relativ rasch ein hoher Zugewinn erreichbar ist. Zu den Bereichen, die von der Task Force "Zug der Zukunft" für eine Konzentration der Bemühungen ausgewählt wurden, zählen:

- Geschäfts- und andere Reisen, die eine Rückkehr am selben Tag erfordern und bei denen eine schnelle und komfortable Beförderung vergleichbar einer Mittelstrecken-Flugreise gefragt ist (z.B. eine Entfernung von 1 000 km in 3 Stunden);
- Urlaubsreisen, bei denen die Bahn in der Lage sein muß, mit der Flexibilität, Bequemlichkeit und Geschwindigkeit des Privatfahrzeugs und des Luftverkehrs (z.B. Charterflüge) Schritt zu halten;
- öffentlicher Nahverkehr und Vorortzüge, bei denen eine Verringerung der Zugabstände, eine Verbesserung der Betriebssicherheit und Pünktlichkeit sowie einer stärkere Gewährleistung der Sicherheit der Fahrgäste auf den Bahnhöfen und in den Zügen erforderlich sind;
- Güterverkehr: hierbei besteht die strategische Zielsetzung in der Anpassung der Bahndienstleistungen an den Bedarf der modernen Logistik (schnelle Warenbewegung, Sternnetzverfahren, schnelles Be- und Entladen).

Einige wichtige Verbesserungen lassen sich vermutlich auch im Wege eines günstigeren Verkehrsmanagements, einer effizienteren Nutzung von Ressourcen und einer Senkung der Lebenszykluskosten erzielen.

Aus diesem Grunde werden sämtliche Komponenten des Eisenbahnsystems, d.h. Infrastruktur, Energie, Steuerung/Lenkung, rollendes Material, Instandhaltung, Umwelt, Betrieb und Nutzer, zu berücksichtigen sein. Vor allem die folgenden Aspekte sind hervorzuheben:

- Bezüglich des rollenden Materials lassen sich nunmehr fünf große "Zugfamilien" unterscheiden, die jeweils besondere technologische Optionen aufweisen:
Magnetschwebetechnik; Hochgeschwindigkeitszüge; konventionelle Züge und/oder Züge mit schwenkbaren Wagenkästen; städtische Nahverkehrs- und Vorortzüge; Güterzüge;
- Hinsichtlich Steuerung/Lenkung lassen sich die laufenden Kosten durch ein günstigeres Verkehrsmanagement (z.B. ERTMS) senken, und die Optimierung der Fahrzeugflotten (Lokomotiven, Personen- und Güterwagen) müßte durch Erfassung des jeweiligen Standorts des rollenden Materials und der unterwegs befindlichen Güter erfolgen;
- In bezug auf die Nutzerbedürfnisse sind Datenbanken und Systeme bereitzustellen, die für die allgemeine Öffentlichkeit eine bessere Informationsmöglichkeit zu Reservierungssystemen und Fahrkartendienstleistungen darstellen und die Fahrkartenreservierung für Bahnpassagiere erleichtern und beschleunigen;
- Mit Blick auf die Umwelt sind Lärmeinwirkungen, Emissionen in die Luft und Verunreinigungen des Bodens zu vermindern.

Aktivitäten der Task Force:

Die Task Force wird ihre Arbeit im Forschungs- und Entwicklungsbereich darauf konzentrieren:

- die zukünftigen Probleme der Eisenbahn unter Berücksichtigung der Standpunkte aller Beteiligten zu ermitteln;
- eine Bestandsaufnahme der von Industrie und Eisenbahnen in den Mitgliedstaaten bzw. im Rahmen sonstiger europäischer Initiativen (wie EUREKA, Artikel 130h) gegenwärtig geförderten oder geplanten FTE-Vorhaben einschließlich der im Rahmen von TEN und verschiedener Initiativen der Informationsgesellschaft laufenden Maßnahmen vorzunehmen;
- in Zusammenarbeit mit Industrie und Nutzern die betrieblichen und technologischen Zielsetzungen sowie die sich daraus ergebenden FuE-Bedürfnisse ermitteln, indem:
* die Maßnahmen der einzelnen Programme des Vierten Rahmenprogramms gemäß den technologischen Bedürfnissen von Industrie und Nutzern in Cluster aufgeteilt werden;
* die Zielsetzungen festgelegt werden, die sich mit Hilfe der laufenden oder solchen Maßnahmen erreichen lassen, die ausgehend von nachfolgenden Aufforderungen zur Unterbreitung von Vorschlägen im Vierten Rahmenprogramm vorgesehen werden;
* alle Zusatzmaßnahmen festgelegt werden, die durchgeführt können, wenn Mittel aus den aufgestockten Fonds verfügbar sind, die derzeit aus dem Vierten Rahmenprogramm bereitstehen
;* eine Beteiligung an der kritischen Analyse bestehender Arbeitsprogramme erfolgt, die gegebenenfalls über einen Zeitraum hinweg zu Veränderungen führen, d.h. zu Empfehlungen für ein Fünftes Rahmenprogramm;<

- die Möglichkeiten dafür herauszufinden, wie Technologien (vor allem im Bereich von Kommunikation und Datenverarbeitung) zum Vorteil der Allgemeinheit insgesamt eingesetzt werden können;

- die Möglichkeit von Zusatzprogrammen für den Schienenverkehr auf der Grundlage folgender Bestimmungen ins Auge zu fassen:

* Artikel 130h: Koordinierung zur Sicherstellung der wechselseitigen Kohärenz der einzelstaatlichen Forschungspolitik und der Forschungspolitik der Gemeinschaft;
* Artikel 130k: Zusatzprogramme;
* Artikel 130l: Beteiligung der Europäischen Union an einzelstaatlichen Programmen;
* Artikel 130n: Gründung von Gemeinschaftsunternehmen;
- die Koordinierung mit einzelstaatlichen Aktivitäten und anderen Aktivitäten der Gemeinschaft, wie EUREKA, sicherzustellen (Art. 130h).

Im Verlaufe ihres Bestehens wird die Task Force auch Informationen mit der Task Force "Intermodalität im Verkehr" austauschen, so daß sich wichtige Arbeiten einer Task Force gegebenenfalls in der Arbeit der anderen widerspiegeln können.

Organisation:

Der Task Force werden Vertreter der Komissionsdienststellen, darunter der Generaldirektionen III, VII, XI, XII, XIII und XVII, angehören.

Quelle: Europäische Kommission, GD VII
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