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Interview mit Pat Rabbitte, dem Präsidenten des Rats der Forschungsminister

Herr Pat Rabbitte, Irlands Minister für Handel, Wissenschaft und Technologie, gab CORDIS, dem F&E-Informationsdienst der Gemeinschaft, am 9. Dezember 1996 das folgende Interview. Das Interview umfaßt eine Anzahl von Themen, die im Mittelpunkt seiner Präsidentschaft des Rats de...
Herr Pat Rabbitte, Irlands Minister für Handel, Wissenschaft und Technologie, gab CORDIS, dem F&E-Informationsdienst der Gemeinschaft, am 9. Dezember 1996 das folgende Interview. Das Interview umfaßt eine Anzahl von Themen, die im Mittelpunkt seiner Präsidentschaft des Rats der Forschungsminister standen, und unterstreicht außerdem die Bedeutung, die er der Entwicklung von Innovation auf europäischer und nationaler Ebene beimißt.

- Welche sind für Sie als Vorsitzender des Rats der Forschungsminister die wichtigsten Errungenschaften der irischen Präsidentschaft in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Forschung, Innovation und Entwicklung?

. TSE: Die irische Präsidentschaft war sich der BSE/CJD-Belange in ganz Europa sehr stark bewußt. Der Rat verabschiedete Resolutionen, die Finanzierungsmaßnahmen für bedeutende Aktionspläne für Forschung über Übertragbare Spongiforme Enzephalopathien (TSE), einschließlich BSE und verwandte menschliche Krankheiten beinhalten. Die Resolutionen berücksichtigen den Bericht einer hochangesehenen Forschungsgruppe unter Vorsitz des österreichischen Wissenschaftlers Dr. Weissman, die gezielte Forschung in spezifischen Bereichen empfahl. Ich bin mir sicher, daß die Nachricht neuer Finanzierung für Forschung zu diesem Thema durch die Konsumenten, Interessengruppen in der Landwirtschaft und dem Gesundheitswesen begrüßt wird, und außerdem zur Wiederherstellung des Vertauens der Konsumenten beitragen wird.

. Zwischenprüfung: Die auf der Tagung der Forschungsminister am 5. Dezember getroffene Vereinbarung, die zusätzliche Finanzierungsmittel in Höhe von 100 Milionen ECU für Forschung im Rahmen des Vierten Rahmenprogramms für den Zeitraum 1997/1998 bereitstellen wird, ist eine bedeutende Leistung, wenn man die Zwänge der gemeinschaftlichen Finanzperspektiven berücksichtigt. Der durch die Forschungsminister als Teil eines Prüfungsverfahrens im Jahre 1994 vereinbarte Vorschlag der Kommission für die Bereitstellung von zusätzlichen Finanzierungsmitteln in Höhe von 700 Millionen ECU für das laufende Vierte Rahmenprogramm ist durch den Beschluß des ECOFIN-Rats, die Finanzperspektiven der Gemeinschaft nicht zu verletzen, aufgehoben worden. Es gelang jedoch, einen Teil des Vorschlags zu retten, indem man zusätzliche Geldmittel zielgerichtet auf eine Anzahl spezifischer Programme verteilte. Ich bin besonders zufrieden, daß die Minister vereinbarten, einige Mittel für die Forschung über das Auffinden von Landminen zur Verfügung zu stellen.

. Das Fünfte Rahmenprogramm: Der Start der Diskussionen während der irischen Präsidentschft über das Fünfte Rahmenprogramm der EU für Forschung und Technologische Entwicklung und Demonstration, das die Jahre 1998/2002 abdeckt, war eine bedeutende Errungenschaft. Der Rat erörterte engagiert die Entscheidung über die Richtlinien, die als Grundlage eines Vorschlags der Kommission für das Fünfte Rahmenprogramm dienen werden, der im nächsten Frühjahr vorliegen soll.

. Innovation: Ich bin glücklich, sagen zu können, daß meine anhaltenden Bemühungen, den EU-Aktionsplan während der irischen Präsidentschaft zum Abschluß zu bringen, sich bezahlt gemacht haben. Der Plan ist dem Forschungsrat im Dezember präsentiert worden, und er wird Ende dieser Woche dem europäischen Gipfeltreffen in Dublin vorgestellt. Der Plan ist eine umfassende Antwort auf die Notwendigkeit, Innovation in all ihrer Vielfalt und Komplexität in den Mittelpunkt der Industrie- und Wirtschaftspolitik zu stellen.

. Initiativen der irischen Präsidentschaft: Abgesehen von den vorangegangenen Themen widmete sich die irische Präsidentschaft zwei Präsidentschaftsinitiativen, die mit nationalen Präsidentschaftszielen zusammenfielen - Drogen und kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Das Thema Drogen ist von großer Wichtigkeit für die irische Regierung, und die Initiative steht in Zusammenhang mit dem Beitrag, den die europäische Wissenschaftsgemeinschaft zum Kampf gegen Drogenmißbrauch und -aufspürung leisten kann. Die Leistungen eines sehr erfolgreichen Workshops auf höchster Ebene zur "Forschung über die medizinischen, ökonomischen und Themen der Aufdeckung des Drogenmißbrauchs", der als Teil der irischen Präsidentschaftsinitiative in Brüssel gehalten worden ist, bildete die Grundlage für die Resolutionen des Rats, die durch die Forschungsminister in der letzten Woche vereinbart wurden und wiederum dem Dubliner Gipfeltreffen am 13. und 14. Dezember zugute kommen werden.

Der Rat der Forschungsminister verabschiedete eine Reihe von Resolutionen über KMU, die durch die Präsidentschaft initiiert wurden und darauf abzielen, den KMU die Teilnahme an Aktivitäten zu erleichtern. Dies ist eine wichtige Errungenschaft, die die bedeutenden Beiträge anerkennt, die KMU dem Wirtschaftswachstum beisteuern, sowie die Tatsache, daß Technologie unerläßlich ist, wenn KMU diesen Beitrag leisten sollen.

. Andere Themen:

. GFS: Der Rat verabschiedete Resolutionen über den durch die GFS (Gemeinsame Forschungsstelle) erzielten Fortschritt bei der Durchführung der Ratsentscheidung von 1994 über das Vierte Rahmenprogramm, die die GFS ersuchte, eine stärker marktorientierte Haltung einzunehmen. Diese Resolutionen verlangen von der GFS, ihre zukünftige Strategieplanung während des Jahres 1997 bekanntzugeben.

. Euro-Mittelmeer: Irland wird auf einer wichtigen Sitzung Ende dieser Woche zwischen EU-Mitgliedstaaten und Drittländern der Mittelmeerregion den Vorsitz übernehmen. Diese Sitzung des Euro-Med-Beobachtungskomittees wird den Aufgabenbereich der zukünftigen Zusammenarbeit definieren, ein Arbeitsprogramm für die Forschung aufstellen und so weiter. Die Sitzung ist insoweit ein Durchbruch, als daß sie diese Vereinbarungen auf eine permanente Basis stellt . Bisher mußten wir uns auf den guten Willen der letzten drei Präsidentschaften verlassen: Spanien, Frankreich und Italien - zufälligerweise sind alle drei Mittelmeerländer.

. EU/Südafrika: Verhandlungen über einen bilateralen Vertrag über W&T-Zusammenarbeit zwischen der EU und Südafrika wurden erfolgreich abgeschlossen und ich habe den Vertrag als amtierender Präsident gemeinsam mit der Kommissarin Frau Edith Cresson und dem Botschafter Südafrikas bei der Europäischen Union auf Dezember-Sitzung des Forschungsrats unterzeichnet.

. Resolutionen: Ich glaube, daß die irische Präsidentschaft als ein uneingeschränkter Erfolg angesehen wird: es wurden wichtige Strategiepapiere verfaßt und die Debatte in Zusammenhang mit dem Fünften Rahmenprogramm und Innovation wurde vorangebracht; andere wurden aus der Sackgasse herausgebracht und echter Fortschritt erzielt; Förderung wesentlicher Forschungsthemen wie BSE und die uneingeschränkte Unterstützung für wichtige Maßnahmen über Drogen und KMU.

- Das Weißbuch zur Wissenschaftstechnologie und Innovation, das Sie im Oktober veröffentlicht haben, bietet einen Plan für Irland: könnten Sie die Beziehung zwischen Entwicklungen in Irland und der Europäischen Union in diesem Bereich definieren?

Das Weißbuch ist ein Höhepunkt eines Prozesses der dreijährigen nationalen Überprüfung der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen in Irland. Anfang 1994 begann eine Beratungsgruppe ihre Arbeit und veröffentlichte zu Anfang des Jahres 1995 ihr unabhängiges Gutachten. Als mir dieses überreicht wurde, habe ich mich sofort darangemacht, die Empfehlungen prüfen zu lassen und trat gleichzeitig einen Schritt zurück, um einen besseren Überblick zu bekommen, wie die Wissenschaft und Forschung einen Beitrag zu unserer Entwicklung leisten und nahm angesichts der Gründe für öffentliche Beteiligung an S&T eine philosophische Haltung ein. Was dabei herauskommt ist eine grundlegende Untersuchung der irischen Wissenschaft und Technologie sowie eine Identifizierung der zu besprechenden Hauptthemen.

Für manche ist es daher eher bemerkenswert, obwohl für einige sicher nicht, daß das Grünbuch zur Innovation das Problem aus einer europäischen Perspektive betrachtet und fast die gleichen Themen hervorbrachte. Das Grünbuch stellte richtigerweise heraus, daß alle diese Themen auf europäischen, regionalen und nationalen Ebenen angegangen werden können.

Während das Rahmenprogramm das Hauptwerkzeug bei der Stärkung europäischer Forschung sein wird, besteht immer die Notwendikeit der Entwicklung nationaler Innovation, so daß es auf die Stärken aufbauen und die Schwächen auf lokaler Ebene angehen kann. Ansonsten gibt es das Risiko einer Konzentration der Ressourcen in bestimmte Richtungen und eine Abwanderung von Wissenschaftlern zum Schaden der lokalen und regionalen Entwicklung. Die Strukturfonds haben der Regenaration der irischen Wissenschaft und Technologie während des letzten Jahrzehnts kritisch gegenübergestanden und werden weiterhin nötig sei, wenn sowohl die irische - und folglich die europäische Forschung - eine Bedeutung haben soll.

- Die Beratungen über das Fünfte Rahmenprogramm - die Anzahl der spezifischen Programme und das Budget - werden gegenwärtig durchgeführt: Wie sehen Sie die Entwicklung der Diskussion und inwieweit wird das letztendliche Format des Programms durch den Innovation-Aktionsplan (Grünbuch), die mittelfristige Prüfung des Vierten Rahmenprogramms, die Task Forces über Forschungsprioritäten und BSE beeinflußt?

Die irische Präsidentschaft war um Klärung und Entwicklung der Einstellungen in bezug auf das Fünfte Rahmenprogeamm bemüht. Das Kommissionsstrategiepapier "Die Zukunft erfinden" bildete zusammen mit einem weiteren durch die Kommission für die jüngste Ratsdebatte im Dezember bereitgestellten Arbeitspapier die Grundlage der bisherigen Ratsdikussion.

Das vordringlichste Kriterium des Fünften Rahmenprogramms ist wissenschaftliche Exzellenz, aber die folgenden Kriterien werden ebenso wichtig sein:

. Mehrwert auf europäischer Ebene;
. Nachhaltige Entwicklung und Wachstum;
. Wirtschaftliche und soziale Kohäsion;
. Internationale Wettbewerbsfähigkeit;
. Ansprechen auf die Erfordernisse der Bürger und der Gesellschaft als Ganzes.
. Optimierung der KMU-Beteiligung.

Bei der Formulierung ihres Vorschlags für das Fünfte Rahmenprogramm will die Kommission zweifellos ihre eigenen Ideen aus dem Innovation-Aktionsplan berücksichtigen. Solche Themen wie Flexibilität und Koordination sind im Zusammenhang der Diskussionen über Forschungsprioritäten, einschließlich TSE, beleuchtet worden. Ich glaube, daß diese Aspekte im Vorschlag des Fünften Rahmenprogramms angesprochen werden müssen.

- Irland erlebt momentan ein starkes Wirtschaftswachstum: was war der Beitrag von STI zu dieser Entwicklung und sehen Sie es als ein Modell für andere Mitgliedstaaten und diejenigen Länder an, die der Union beitreten möchten?

Irland zeigt die deutlichen Vorteile einer sehr wettbewerbsfähigen Wirtschaft. Es gibt viele Faktoren, die zu dieser Wettbewerbsfähigkeit beitragen, aber da Wissen, Forschung und Innovation die treibenden Kräfte starken Unternehmeswachstums werden, so haben offensichtlich unsere Investitionen in die Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie die damit verbundenen Fähigkeiten einen enormen Beitrag zu einer starken Leistung in der Industrie und im Export geleistet und insbesondere unser Erfolg bei der Anziehung der wichtigen multinationalen High-Tech-Unternehmen. Die industrelle F&E in Irland ist seit Anfang des Jahrzehnts um jährlich 17% gewachsen. Auf Grund der Präsenz hochqualitativer Universitäten und technischer Hochschulen und den Niveaus der Fähigkeiten, die sie produzieren, ist Irland zu einer sehr attraktiven Basis für Unternehmen in der Elektronik, der Pharmanindustrie, Software und anderen auf Technologie basierenden Unternehmen geworden, die jedes Jahr Tausende neuer Arbeitsplätze schaffen.

- Wie kann STI die europäische Wettbewerbsfähigkeit verbessern und welche Maßnahmen, denken Sie, werden den Wettbewerbsvorteil europäischer Unternehmen vergrößern?

Wenn ich von der Situation in Irland ausgehe, dann ist meiner Meinung nach klar, daß in Europa kein Mangel an wissenschaftlicher Exzellenz oder Forschungsbemühungen herrscht, aber die Herausforderung besteht darin, dies in führende Unternehmen zu übersetzen, die auf Grund der Qualität ihrer Forschung und ihres Engagements die Führungsgsposition auf dem Weltmarkt übernommen haben. Es gibt wahrscheinlich drei kritische Bereiche die kontinuierlich angesprochen werden müssen. Zuerst benötigen wir bei den Unternehmen, die wir schaffen und entwickeln wollen, ein stark auf Innovation ausgerichtetes Bewußtsein und Einstellung. Dies hat viel mit der Art der gewerblichen Verordnungen zu tun, die durch die Regierung und die EU eingeführt werden, ein gutes Beispiel ist die Gesetzgebung für Biotechnologie. Zweitens müssen wir die Mittel für die Übertragung exzellenter Forschung und die Fähigkeiten der dritten Ebene und staatlichen Instutute in die Welt der Wirtschaft übertragen. Und schließlich, um die risikoreiche und teuere Forschung in marktgägngie Produkte zu verwandeln, brauchen wir ein Finanzsystem, das Investitionen in F&E ermutigt und belohnt.

- Das Grünbuch der Kommission zu Innovation zeigt einen Weg nach vorn in Europa: Was, denken Sie, sind die greifbaren kommerziellen und sozialen Auswirkungen des Innovationsprozesses, und wie wird sein Erfolg gemessen?

Wenn Sie zum Beispiel Irland nehmen, dann ist das offensichtliche Ziel der Regierung, einen höheren Lebensstandard für alle zu erreichen, mit einer anhaltenden ausgeglichenen Verbreitung des erzielten höheren Wohlstands. Europa hat die Wahl. Es kann bei den Kosten nicht konkurrieren, es muß daher bei der Qualität und Innovation konkurrenzfähig sein. Ob man die Innovation an der Forschung, an der neuen Technologie oder anders mißt, wir können entweder an der Weltspitze sein oder uns an die Innovation der anderen anpassen. Das wird das kommerzielle Maß der Innovation Europas sein. Und die Gesellschaft wird um so besser sein, da sie wiederum die Arbeitsplätze rettet oder schafft; neue sauberere/sicherere Prozesse; bessere Methoden zur Bewältigung des Verfalls der Umwelt, den wir um uns herum erleben; geringere Isolation durch die Informationsgesellschaft und eine bessere Lebensqualität als dies sonst der Fall wäre. In jeder Situation muß eine Balance geschaffen werden zwischen dem unausweichlichen Fortschritt zum Beispiel in der Informationstechnologie, bei neuen Chemikalien, Entwicklungen in den Biowissenschaften und der Notwendigkeit, die öffentlichen Bedenken daüber zu verringern und den Zugang zu diesen Themen zu erleichtern.

- Die Finanzierung der Innovation aus dem Privatsektor wird allgemein als der notwendige Weg nach vorn erkannt, da die öffentliche Finanzierung ihre Grenzen und Einschränkungen hat. Dies war der Fall in den USA. Meinen Sie, Europa könnte dem nacheifern und wie würden Sie das fördern?

Bei F&E und Innovation geht es um Risiko und Belohnung. Unser Börsensystem, ob auf nationaler oder auf EU-Ebene, muß beweisen, daß es für Unternehmen der Forschung und auf Technologie-Basis zugänglich ist. Es besteht kein Zweifel, daß wir gegenüber der USA und Asien in dieser Hinsicht einen ernsthaften Nachteil haben. Wenn wir uns nicht entsprechend verhalten, werden die Früchte unserer exzellenten Forschungsarbeit ultimativ in diese Wirtschaften fließen. Ihre Frage impliziert, daß die Finanzierung aus dem Privatsektor die Lösung des Problems ist. Und so ist es zum größten Teil auch, aber im Bereich F&E, wegen ihrer langfristigen und teuren Beschaffenheit ist es für die Regierung ein legitimer Bereich, in dem sie aktiv sein kann, ob es um die Finanzierung der F&E-Fähigkeiten in Firmen geht oder die Bereitstellung der Forschung und F&E-Fähigkeiten, die von unseren Hochschulen auf der dritten Ebene ausgeht.


Quelle: Büro von Pat Rabbitte, Irlands Minister für Handel, Wissenschaft und Technologie
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