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Die Dynamik der Rekolonisierung von Ackerbrachen

Forscher verwenden Simulationsmodelle, um nachzuvollziehen, wie verlassene Äcker (Ackerbrachen) von Pflanzen entweder zur Wiederherstellung des Urzustands oder zur Schaffung neuer Habitate rekolonisiert werden.
Die Dynamik der Rekolonisierung von Ackerbrachen
In den vergangenen Jahrzehnten hat es bei der Landnutzung in Europa, hauptsächlich wegen eines Rückgangs der Anbaupraktiken, viele bedeutende Änderungen gegeben. Diese verlassenen landwirtschaftlichen Flächen oder Ackerbrachen kehren vielleicht wieder in ihre historischen Strukturen zurück oder, das hängt von den sie rekolonisierenden Pflanzen ab, verwandeln sich in neue Habitate.

Damit Ackerbrachen rekolonisiert werden können, müssen Samen durch Samenverbreiter, wie den Wind, Tiere oder Insekten, von anderen Orten herangetragen werden. Das Ziel des EU-finanzierten ALLEEMOD-Projekts war, die Dynamik der Rekolonisierung von Ackerbrachen durch von Tieren verbreitete Pflanzen, insbesondere über den Kot von früchtefressenden Tierarten, zu verstehen.

Das ALLEMOD-Projekt nahm eine Ackerbrache im spanischen Doñana-Nationalpark unter die Lupe. Zuvor hatten bis 1996 Kühe auf diesem Acker gegrast, die jedoch nach der Enteignung des Ackers entfernt wurden. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob der Acker zum früheren Zustand einer mediterranen Strauchsavanne zurückkehrt, oder durch die Rekolonisierung verschiedener Pflanzenarten umgewandelt wird.

Das Projekt konzentrierte sich auf die Auswirkungen eines Artenrückgangs von früchtefressenden Säugetieren und verwendete Datensätze aus zwei Jahrzehnten, um ein Modell zu erstellen, das die Rekolonisierung dieses Brachackers simuliert. Die Forschen fanden heraus, dass ein Rückgang von früchtefressenden und samenverbreitenden Säugetieren zu einer dünnen Population von Ursprungspflanzen führt, was wiederum die Kolonisierung durch beschränkt. Das hängt mit dem sogenannten Allee-Effekt zusammen, der Folgendes besagt: Je kleiner die Quelle oder Ursprungspopulation, desto träger wächst die Population und kolonisiert das Stück Land.

Interessanterweise verwendeten die Forscher räumliche Daten und Analysen der Kotzusammensetzung hinsichtlich des Samenvorkommens um zu belegen, dass die von früchteessenden Säugetieren gesetzte Kothaufen /gruppenweise auftreten. Der Samengehalt von Kothaufen, die gesammelt vorkamen, war höher als bei einzeln abgelegten Kothaufen.

Die Simulationsexperimente des Projekts ALLEMOD, die sein DisPear-Modell anwenden, enthüllten ebenfalls, dass die Dichte und Bewegung von Samenverbreitern den Erfolg der Rekolonisierung beeinflussen. Dachse fressen zum Beispiel mehr Früchte als Füchse und doch nahm die Distanz der Samenverbreitung mit der zunehmenden Häufigkeit des Auftretens von anderen Dachsen ab. Dies hing höchstwahrscheinlich damit zusammen, dass Dachse sich in der Nähe von Früchten tragenden Bäumen aufhielten und deswegen, im Vergleich zu Füchsen, Samen über kürzere Distanzen verbreiteten.

Da das ALLEMOD-Modell die Dynamiken der Rekolonisierung von Ackerbrachen aufgedeckt hat, könnte es künftig auch für weitere Spezies- oder Landschaftssysteme verwendet werden. Das wird zur Vorhersage von Auswirkungen des globalen Wandels der Landnutzung beitragen.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Scientific Research

Schlüsselwörter

Ackerbrachen, Rekolonisierung, Samenverbreitung, früchtefressende Säugetiere, Allee-Effekt
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