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Aktive Immuntherapie gegen neurodegenerative Erkrankungen

Parkinson-Krankheit (PD) und Multisystematrophie (MSA) sind zwei neurodegenerative Erkrankungen, doch bislang können nur die Symptome behandelt werden. Europäische Wissenschaftler haben Impfstoffe entwickelt, um die Schwere der Erkrankungen zu verringern und die Funktion der Patienten zu verbessern.
Aktive Immuntherapie gegen neurodegenerative Erkrankungen
Parkinson und MSA, auch bekannt als Alpha-Synukleinopathien, sind zwei schwächende neurodegenerative Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Rückgang motorischer Funktionen, autonomer Störungen sowie Verhaltensänderungen einhergehen. MSA schreitet sehr schnell fort und die Patienten sterben meist innerhalb von 10 Jahren nach Krankheitsbeginn.

Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Neurodegeneration bei Parkinson und MSA mit der Bildung von Lewy-Körperchen in Gehirnneuronen und Gliazellen assoziiert ist. Lewy-Körperchen bestehen hauptsächlich aus Aggregaten des Proteins Alpha-Synuclein, dessen Hauptfunktion darin besteht, die Freisetzung von Neurotransmittern zu erleichtern, die für die neuronale Übertragung benötigt werden.

Angesichts der Rolle von Alpha-Synuclein in der Pathophysiologie testeten Wissenschaftler des EU-finanzierten Projektes SYMPATH einen neuartigen Ansatz für eine spezifische aktive Immuntherapie (SAIT). „Die Lenkung des Immunsystems auf neurodegenerative Erkrankungen stellt einen innovativen Ansatz dar, der potenziell die Krankheitsprogression verlangsamen kann“, erklärt Projektkoordinator Dr. Galabova.

Eine innovative α-Synuclein-spezifische aktive Immuntherapie

Das SYMPATH-Projekt testete eine innovative Methode, die auf der neuartigen AFFITOPE®-Technologie basiert. Diese beruht auf kurzen Peptiden, die Teile der nativen Sequenz oder Struktur von Alpha-Synuclein nachahmen. „PD01A und PD03A wurden entwickelt, um Antikörper zu auszulösen, die die toxische Form von Alpha-Synuclein neutralisieren, aber kompensatorisches Beta-Synuclein ersparen und damit zu ihrer Sicherheit beitragen“, fährt Dr. Galabova fort.

Die präklinische Evaluation demonstrierte die krankheitsmodifizierende Aktivität dieser SAIT-Kandidaten in verschiedenen Modellen. Behandelte Tiere wiesen niedrigere zerebrale Konzentrationen von aggregiertem Protein auf, weniger schwere neuropathologische Veränderungen und Verbesserungen der funktionellen Defizite. In einem nächsten Schritt wurden SAIT daher in die klinische Produktion und Tests an Patienten weitergeleitet.

Der erfolgreiche Abschluss von zwei klinischen Phase-I-Studien an Patienten mit früher PD und MSA wies das Sicherheitsprofil von AFFITOPE PD01A und PD03A nach. In der Zukunft wollen die Forscher „den am besten geeigneten Kandidaten anhand definierter Kriterien auswählen und darüber hinaus diesen Wirkstoff zum nächsten Schritt der klinischen Entwicklung bringen“.

Die Sammlung von Daten und biologischem Material von Patienten mit Parkinson und MSA, die eine α-Synuclein-spezifische immuntherapeutische Intervention erhalten haben, wird für den Entwurf der nächsten klinischen Studie hilfreich sein. In dieser wird man sich auf die Festlegung der genauen Dosierung und des Zeitplans für die SAIT-Behandlung bei Parkinson- und MSA-Patienten konzentrieren.

Die Zukunft der Behandlung von Neurodegeneration

Angesichts einer wachsenden alternden Bevölkerung macht man sich große Sorgen über die Gesundheitsversorgung älterer Menschen. Daher sind innovative Therapien dringend notwendig, um altersbedingte Krankheiten wie Neurodegeneration und Krebs zu behandeln Gleichzeitig ist es notwendig, die Patienten so früh wie möglich zu identifizieren und die Behandlung einzuleiten, bevor der Schaden irreversibel wird.

Daher war ein Teil des SYMPATH-Projekts der Identifizierung von Biomarkern mit diagnostischem und prognostischem Wert gewidmet. Das Team entwickelte einen Alpha-Synuclein-Nachweis-Assay, um die Proteinaggregation in Plasma und Zerebrospinalflüssigkeit zu diagnostizieren und bei der Beurteilung der Therapieantwort in der Zukunft zu helfen.

Angesichts von weltweit Millionen Patienten, die an Alpha-Synukleinopathien leiden und die nur eine palliative symptomatische Behandlung erhalten, besteht ein unmittelbares Bedürfnis nach kausalen Behandlungsansätzen. Strategien, die auf Alpha-Synuclein abzielen, könnten möglicherweise diesen ungedeckten medizinischen Bedarf angehen.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

SYMPATH, Impfstoff, AFFITOPE, Alpha-Synuclein, Parkinson-Krankheit, Multisystematrophie, aktive Immuntherapie
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