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Europas steinernes Erbe aus dem Mittelalter

Der Übergang von der Holz- zur Steinbauweise im mittelalterlichen Europa zeigt die Entwicklung hin zum Bau festerer Häuser, was auch den Beginn einer zunehmend organisierten Gesellschaftstruktur in dieser Zeit widerspiegelt.
Europas steinernes Erbe aus dem Mittelalter
Im alten Griechenland und Rom hatte sich die Steinbauweise bereits durchgesetzt, im übrigen Europa kam diese Entwicklung hingegen erst im frühen Mittelalter. Sowohl christliche als auch weltliche Bauherren stellten Arbeiter aus anderen Ländern an und trieben damit den Übergang von der Holz- zur Steinbauweise voran.

Das EU-finanzierte Projekt RESTOMO (Reintroducing stone and mortar movements, materials, methods and motivations of builders and patrons in early medieval England, Switzerland and Italy) untersuchte die Entstehung der Steinbauweise im Mittelalter und analysierte hierfür Reiserouten, Bevölkerungsdichte, Landschaften, Lebensweise der Arbeiter sowie deren Beziehung zu ihren Bauherren in England, Italien und der Schweiz.

Die Forschungen zeigten, dass Bauleute in England vom europäischen Festland kamen und neue Bauweisen und -techniken mitbrachten. Mit 3D-Modellen und Laserscans rekonstruierte das Projektteam mittelalterliche Landschaften und suchte nach Überresten alter Gebäude. RESTOMO untersuchte auch, wie aus der Mörteltechnologie die mechanische Mörtelherstellung hervorging, für die Tiere eingesetzt wurden, und was die "Steinwerdung" in der frühmittelalterlichen Architektur weiter vorantrieb.

Besonderes Augenmerk lag auf dem Tyne Valley in Newcastle und seinen vielen mittelalterlichen Steingebäuden aus dem 7. Jahrhundert. Das Doppelkloster Wearmouth & Jarrow und das königliche Schloss Bamburgh sind gute Beispiele hierfür.

In Italien hingegen wurde die Steinbauweise aus dem Mittelalter kontinuierlich weitergeführt. Der Übergang von Holz zu Stein ist besonders in den Waldgebieten der Toskana an Schlössern des 9. und 10. Jahrhunderts sichtbar, für die auch Mörtelmischer verwendet wurden.

In der Nordwestschweiz wurden Steingebäude aus dem 8. Jahrhundert entdeckt. In Basel wurde Mörtel gefunden, der auf etwa 1.000 Jahre n.Chr. datiert wurde, der jedoch Mörtelanteile enthielt, die offenbar aus alten römischen Gebäuden wiederverwendet wurden. Mörtelmischer wurden hier für eine breitere Palette an Steingebäuden und über längere Zeiträume als im übrigen Land verwendet, vor allem in Lenzburg.

Die Hinwendung zur Steinbauweise geht mit zunehmender Sesshaftigkeit einher. Damit werden Gesellschaftstruktur stabiler, hierarchischer und vorherbestimmbarer, sodass dieses wichtige architektonische Phänomen in Betracht gezogen werden muss, wenn man historische Zusammenhänge besser verstehen will.

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Schlüsselwörter

Mittelalter, Holz, architektonisch, Steingebäude, RESTOMO, Versteinerung
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