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FP7

HUBIR — Ergebnis in Kürze

Project ID: 622979
Gefördert unter: FP7-PEOPLE
Land: Vereinigtes Königreich
Bereich: Gesellschaft

Interaktionen zwischen Mensch und Vogel im Europa des Mittelalters

Ein EU-Team untersuchte die Vogelzucht in Europa von der römischen Zeit bis in das Mittelalter.
Interaktionen zwischen Mensch und Vogel im Europa des Mittelalters
Hühner wurden erstmals in Asien domestiziert, wo sie tausende von Jahren der wichtigste Vogel auf Bauernhöfen waren. Obwohl sich das Huhn während der römischen Zeit in großen Teilen Europas ausbreitete, gibt es keine schriftlichen Quellen, in denen die Zuchtpraktiken der damaligen Zeit dargelegt sind.

Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts HUBIR (Human-bird interactions from the Roman period to the end of the Middle Ages: Italy and England in their European context) wurde die Vogelnutzung untersucht. Die Forscher fokussierten sich auf die Vogelnutzung in Großbritannien und Italien von der römischen Zeit bis in das späte Mittelalter. In Italien standen vor allem urbane und ländliche Standorte im Fokus des Projekts, während in England religiöse Stätten im Vordergrund standen. Das Team wandte innovative neue Methoden für die Knochenanalyse an, die Daten zu Biometrik, Geschlechtsverteilung und Schlachttechniken lieferte.

In Italien belegen die HUBIR-Erkenntnisse die zunehmende Bedeutung von Hühnern als Nahrungsquelle in ländlichen Kontexten über das gesamte Mittelalter. Anatomische und Altersdaten zeigen zudem einen Anstieg in der urbanen Hühnerzucht ab dem 13. Jahrhundert. In ländlichen Gebieten wurden Hennen vor allem für Eier genutzt und geschlachtet, wenn diese das Eierlegen einstellten. Hinweise aus Städten deuten jedoch auf den Konsum von Hennen hin, die noch Eier legen konnten.

Das Team zog die Schlussfolgerung, dass solche Hennen für den städtischen Markt geschlachtet worden seien, wohingegen Eier hauptsächlich auf dem Land gelegt und in die Städte gebracht worden seien. Englische Standorte wiesen ähnliche Bewirtschaftungsverfahren wie in ländlichen Gegenden Italiens auf.

Anatomische Beweise zeigten Größenvariationen und dass die größten bekannten Individuen aus dem frühen Mittelalter in Italien stammen. Scheinbar ist die Größe der Hühner nach und nach zurückgegangen. Die Größe englischer Hühner ist seit Beginn des Spätmittelalters und über die gesamte nachmittelalterliche Zeit hinweg angestiegen.

Die Projektergebnisse veranschaulichten die ansteigende Bedeutung von Gänsen während des Mittelalters, wohingegen die Nutzung von Enten und Tauben gering blieb. In manchen Fällen legen die Hinweise eine lokale Züchtung nahe. Das Alter zum Todeszeitpunkt deutet auf eine spezialisierte Züchtung hin. Gänsen wurde beispielsweise im Hinblick auf die Federnproduktion ein längeres Leben gewährt. Ab dem 11. Jahrhundert wurden Tauben sowohl in Italien als auch in England zu einem regulären Bestandteil in der Ernährung der Oberschicht.

Die Beleuchtung sich verändernder Muster in der Vogelnutzung durch HUBIR brachte längst verloren geglaubte Facetten des mittelalterlichen Lebens zum Vorschein.

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Schlüsselwörter

Vögel, mittelalterlich, Zucht, Hühner, HUBIR, Mittelalter
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