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EU-Führung für eine aktive Beteiligung der Bürger bei der Lösung gesellschaftlicher Fragen 

Die größte Herausforderung für die Demokratie auf europäischer Ebene ist der Mangel an Bürgerbeteiligung. Eine EU-finanzierte Forschung lieferte neue Einblicke in die Rolle des Mediendiskurses in der Bürgerbeteiligung in der europäischen Politik. 
EU-Führung für eine aktive Beteiligung der Bürger bei der Lösung gesellschaftlicher Fragen 
Die meiste Zeit in der Geschichte der europäischen Integration waren die Bürger nicht aufgefordert, ihre Meinungen zu einer europäischen Frage zu bilden. Dies machte die Arbeit europäischer Entscheidungsträger weniger kompliziert, bedeutet aber auch, dass es vielen nicht ganz bewusst war, wie solche Fragen und damit zusammenhängende Entscheidungen ihr Leben beeinflusst haben. Diese Situation änderte sich zum Ende des letzten Jahrtausends. Politische Unternehmer (z.B. Anti-Establishment-Politiker, Gewerkschafter) begannen, wahrgenommene Problemfelder hervorzuheben, was zu ersten Instanzen von Massendemonstrationen zur EU-Politik führte.

Das Projekt ENGAGING EU CITIZENS zielte darauf ab, unser Verständnis darüber zu verbessern, welcher Prozess zur Politisierung europäischer Fragen führt.

Zunächst entwickelte das Forschungsteam ein Modell, um zu beschreiben, wie Themen in der nationalen Politik politisiert werden. Das Modell kombinierte Einblicke aus der Medieneffektforschung und der kollektiven Handlungstheorie, die beide bestätigen, dass negatives Framing stärker mobilisieren kann als positives Framing. Danach erstellten sie einen Kodierbaum, um die für bestimmte Fälle relevanten Mediendebatten zu analysieren: der europäische Fall Haider, der Fall der EU-Dienstleistungsrichtlinie (auch als Bolkestein-Richtlinie bekannt) sowie die griechische Eurokrise.

ENGAGING EU CITIZENS etablierte eine Korrelation zwischen bestimmten hoch emotional belasteten Aussagen in den Medien und der damit verbundenen Mobilisierung der Bürger für oder gegen die EU-Entscheidungsfindung. Weiterhin stellte sich heraus, dass hoch emotional belastete politische Äußerungen Menschen aktivieren und auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen können, dass sie sich für politisches Handeln engagieren.

Wenn die EU-Führung will, dass die Bürger positiv über die EU und ihre Entscheidungen nachdenken, müssen sie dies auf die gleiche Art und Weise unterstützen wie in der nationalen Politik. Die Stimulierung der Debatte wird es auch für politische Unternehmer schwieriger machen, gegen Entscheidungen auf EU-Ebene zu kämpfen und die Bürger für die Opposition zu gewinnen. Die Art der Emotionen, die in öffentlichen Diskussionen über nationale Fragen angeheizt werden, kann so dazu genutzt werden, gesellschaftliche Probleme auf europäischer Ebene anzugehen. 

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Schlüsselwörter

EU-Führung, Mediendiskurs, politische Unternehmer, ENGAGING EU CITIZENS, Politisierung 
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