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Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts: Linke Bewegungen in Europa unter der Macht der Emotionen

Eine EU-Initiative hat die Emotionspolitik der radikalen Linken und ihren Einfluss auf Gesellschaft und Politik in ganz Europa von den 1960ern bis in die 1980er erkundet.
Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts: Linke Bewegungen in Europa unter der Macht der Emotionen
Das EU-finanzierte POLEMOTIONS-Projekt untersuchte oppositionelle und gegenkulturelle Bewegungen in Europa. Dazu zählten neue linke und postmarxistische Gruppen, junge soziale Bewegungen wie etwa die Hausbesetzerszene, linker homosexueller Aktivismus und Feminismus sowie das alternative linke Milieu.

Im Einzelnen untersuchten die Projektpartner die emotionsgeladene Politik dieser Bewegungen sowie deren gesellschaftliche und politische Einflussnahme in einem weiteren Sinne. Sie entwickelten ein neues Paradigma, um den Wandel der Protestpolitik und der europäischen Gesellschaften über den Eisernen Vorhang hinweg ab dem Anfang der 1960er Jahre in Begriffe zu fassen.

Das Team von POLEMOTIONS führte Gründe dafür an, dass die alternative Linke in hohem Maße zu neuen emotionalen Kulturen beigetragen hat, die in diesen drei Jahrzehnten aufkamen. Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die gesellschaftlichen Bewegungen Räume zum Experimentieren mit neuen Formen der emotionalen Subjektivität waren.

Die Archivarbeit ergab eine Monografie über die Politik der Emotionen bei den alternativen Linken in Westdeutschland. Außerdem sind zusätzliche Artikel und Buchkapitel in Hinsicht auf die westdeutsche Forschungsrichtung insgesamt veröffentlicht worden.

Es fand eine internationale Konferenz über Gegenkulturen und Protestbewegungen in der Zeit des Eisernen Vorhangs statt. Die Ergebnisse wurden in einem Band veröffentlicht, der Gründe für die Entwicklung überraschend ähnlicher Politikformen anführt, die auf die Schaffung einer „authentischen“ Persönlichkeit während der Zeit des Eisernen Vorhangs ausgerichtet sind. Das Buch schlägt eine ursprüngliche Interpretation der Tatsache vor, warum sich die jüngere Generation aus ähnlichen Gründen gegen zwei scheinbar sehr verschiedene gesellschaftspolitische Systeme auflehnte: den demokratischen Kapitalismus im Westen und Staatskommunismus im Osten. Die Forscher erarbeiteten außerdem ein Buchmanuskript, das die Protestbewegungen der 1970er in Ost und West mit den friedlichen Revolutionen von 1989 verknüpft.

Bei Workshops für Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen in Berlin setzte man historische Studentenmagazine ein, um den Zusammenhang zwischen persönlichen Fragen wie Gefühlen und Sexualität mit der Politik in den 1970ern zu diskutieren. Die Schüler hinterfragten kritisch, auf welche Weise Themen wie Geschlechterideale, Emotionen und Sexualität in Machtverhältnissen verwurzelt sind.

POLEMOTIONS zeigte, dass die alternative Linke insgesamt zur Formulierung neuer, die Gefühle betreffender Ausprägungen und Normen in der westdeutschen Gesellschaft beigetragen hat.

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Life Sciences

Schlüsselwörter

radikale Linke, Emotionspolitik, POLEMOTIONS, Eiserner Vorhang
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