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Kollektives Lernen schafft politischen Wandel

Ein genauerer Blick darauf, wie öffentliche Debatten das kollektive Lernen beeinflussen und politische Veränderungen herbeiführen, kann Politiker und Aktivisten bei der Förderung demokratischer Prozesse unterstützen.
Kollektives Lernen schafft politischen Wandel
Öffentliche Diksurse in einem kollektiven Umfeld sind für die Gestaltung des kollektiven Lernens, das zur Entwicklung einer besseren Politik und einer gesünderen politischen Landschaft beiträgt, notwendig. Das EU-finanzierte Projekt LEARNINGDEMOI (Ideational change through collective learning: Public deliberation and the decentring and re-centring of structures of meaning) untersuchte das kollektive Lernen in der Öffentlichkeit. Es arbeitete daran, die Debatte über die deliberative Demokratie voranzutreiben, den Diskurs in der öffentlichen Kommunikation zu fördern und die Legitimität politischer Entscheidungen und politischer Politiken zu stärken.

Aktuelle Ansätze zur Erforschung des Themas konzentrierten sich auf kleine öffentliche Gruppen und spezifische partizipative Schauplätze. Im Gegensatz dazu untersuchte das Projekt spontane kommunikative Interaktionen in der breiteren Öffentlichkeit - also jenseits spezifischer Schauplätze, die nur zum Zweck der Verbesserung der demokratischen Debatte entworfen wurden.

Dies wurde durch drei echte Fallstudien erreicht. Die erste betrachtete Debatten und Ereignisse in Spanien von 1987 bis 1996, die zur Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht führten. Ebenso betrachtete die zweite Debatten in Deutschland von 1987 bis 2010, die zur Aussetzung des Militärdienstes führten. Für den dritten Fall untersuchte das Projekt Debatten und Ereignisse rund um die politische Unzufriedenheit in Spanien nach 2008.

Das Projekt überprüfte und analysierte Literatur und Daten zu öffentlichen Debatten für jede Fallstudie mithilfe von Diskurs-Netzwerkanalyse und Software. Dazu gehörten Transkripte von parlamentarischen Debatten, Gesetze, politische Dokumente und politische Manifeste.

LEARNINGDEMOI identifizierte auch zwei Mechanismen, bei denen die öffentliche Kommunikation das kollektive Lernen im Einklang mit deliberativen demokratischen Standards fördert. Einer betrifft die wiederholte Problematisierung einer Situation und die damit verbundene Erzeugung von politischen Forderungen und Vorschlägen. Der zweite betrifft die Schaffung von Gelegenheiten für politische Unternehmer, die auch zum kollektiven Lernen führen.

Die Ergebnisse des Projekts tragen zur Debatte über die politische Theorie bei und unterstreichen den potenziellen, überproportionalen demokratischen Wert nichtlinearer Prozesse der öffentlichen Kommunikation und Interaktion. Sie unterstützen politische Theoretiker bei der Entwicklung einer legitimeren Beratungsdimension innerhalb aktueller demokratischer Systeme. Die Ergebnisse helfen politischen Entscheidungsträgern und politischen Aktivisten, die deliberative Qualität moderner Demokratien zu verstehen und wie moderne öffentliche Sphären unter nicht idealen Bedingungen gestärkt werden können.

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Schlüsselwörter

Kollektives Lernen, politischer Wandel, öffentliche Beratungen, LEARNINGDEMOI
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