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H2020

ANGEO2 — Ergebnis in Kürze

Project ID: 697678
Land: Frankreich
Bereich: Informations- und Kommunikationstechnologie

Ein Positionsbestimmungs-Kit für Smartphone-Besitzer mit Sehbeeinträchtigung

Falls Sie bei der Durchquerung einer Stadt schon einmal auf Kartendienste angewiesen waren, ist Ihnen möglicherweise aufgefallen, dass es der Positionsbestimmung oftmals an der hierbei erforderlichen Präzision mangelt. Navocap, ein französisches KMU, das auf den Elektronikbereich spezialisiert ist, hat eine Kombination aus App und Positionsbestimmungsgerät entwickelt, die insbesondere den Menschen helfen soll, die am meisten unter dieser Unzuverlässigkeit leiden.
Ein Positionsbestimmungs-Kit für Smartphone-Besitzer mit Sehbeeinträchtigung
Für Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder kognitiver Störung ist es von entscheidender Bedeutung, dass in einer feindseligen und einschüchternden Umgebung wie einer dicht bevölkerten Stadt zuverlässige Informationen zur Verfügung gestellt werden.

Navocap realisierte dies im Jahr 2008 mit der Gründung seiner Tochtergesellschaft Angeo Technology. Seitdem wurde dem Unternehmen unter anderem Unterstützung durch die Risikokapitalgesellschaft Wiseed und durch die CNES-Tochtergesellschaft Telespace Participation zuteil. Das Angeo-Mobile-Kit wurde im Jahr 2012 kommerzialisiert, um Menschen mit Sehbeeinträchtigung in dichten urbanen Gebieten eine zuverlässige Positionsbestimmung zu ermöglichen. Im Jahr 2015 wurde der Unternehmung unter dem Projekt ANGEO2 Unterstützung durch die EU bewilligt. Das Ziel des Projekts war die Optimierung des ANGEO-Kits und die Bereitstellung auf Smartphones.

Der wichtigste Fortschritt von Navocap bestand darin, die Grenzen der GPS-Positionsbestimmung durch eine eigene Technologie zu überwinden. „Die geringe Leistung anderer Systeme geht auf die mangelhafte GPS-Zuverlässigkeit in urbanen Umgebungen zurück“, erklärt Edgard Antoine, CEO von Navocap. „In solchen Umgebungen werden Satellitensignale oftmals durch Straßenschluchten blockiert oder abgelenkt. Abgesehen davon sind die Algorithmen zur Routenberechnung auf eine achsenbasierte Straßenmodellierung angewiesen. Anders ausgedrückt: Wenn man beispielsweise auf einer 40 Meter breiten Straße steht, würde es die Präzision von 5 Metern, die man für gewöhnlich mit einem Standardgerät erzielt, erforderlich machen, dass man mitten auf der Straße umherläuft. Ich habe dies persönlich ausprobiert und würde dies niemandem empfehlen…“

ANGEO2 – das vor Kurzem in ANGEO-S umbenannt worden ist, um seiner Natur besser Rechnung zu tragen – erscheint in Form eines Moduls, das sich mit jeder Smartphone-Anwendung verbinden lässt, für die eine zuverlässige Positionsbestimmung notwendig ist. Das Modul umfasst eine Einheit für die zuverlässige Positionsbestimmung (Reliable Positioning Unit, RPU) sowie eine eigene Navigations-App, die im App-Store erhältlich ist und Angeo-NAV heißt.

Edgard Antoine erklärt, wie das System funktioniert: „Die RPU wird über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden und lässt sich am Gürtel des Nutzers befestigen. Eine an den Hemdkragen gesteckte Fernsteuerung ermöglicht, dass die Hände des Nutzers frei bleiben und Kopfhörer oder ,Bone Conduction Headphones’ vervollständigen das Kit in besonders lauten Umgebungen. Benutzer können mit dem Gerät über die Sprachsynthese- und -erkennungs-Anwendung ,Voice Over’ von Apple kommunizieren, die für Nutzer mit Sehbeeinträchtigung konzipiert ist.“

Zur Behebung GPS-bezogener Probleme multipliziert das Gerät satellitenbasierte Informationsquellen, indem Daten von den drei weltweit größten Navigationsdiensten genutzt werden: GPS, GALILEO und GLONASS. Diese Daten werden daraufhin mit den Daten eines Trägheitssystems gegengeprüft, das dazu in der Lage ist, die Existenz oder Nichtexistenz mehrerer Wege zu bestimmen und verlorene Satellitensignale auszugleichen.

„Was die Routenberechnung anbelangt greift ANGEO-S auf einen spezifischen Algorithmus zurück, der die Straßenbreite, die Anforderung multimodaler Wege (Gehweg, Bus, Straßenbahn, U-Bahn usw.) und die persönlichen Präferenzen von Menschen mit Sehbeeinträchtigung, die größere Straßen meiden möchten, berücksichtigt“, sagt Edgard Antoine.

Navocap hat für Ende September 2017 die Durchführung von Tests am Institut de la Vision in Paris geplant. Wenn alles nach Plan läuft, dann geht Antoine von einer Vermarktung im Juni 2018 aus. In der Zwischenzeit ist bereits die erste Generation des ANGEO-Kits inklusive GPS-Receiver, Trägheitssystem und Mobilfunkmodem erhältlich.

„Wir haben zwei zentrale Wege für die Kommerzialisierung auserkoren: Organisationen, die mit blinden und sehbehinderten Menschen zusammenarbeiten und Haustürverkäufe unter Einhaltung eines Geschäftsmodells, das dem von Unternehmen wie Tupperware gleicht“, sagt Antoine. „ANGEO-S ist ein wichtiger Schritt zur Adressierung der Bedürfnisse dieser Nutzer und ohne die Unterstützung durch das KMU-Instrument hätten wir es nicht so weit geschafft“, fügt Antoine hinzu.

Schlüsselwörter

ANNGEO-2, ANGEO, ANGEO-S, Positionsbestimmung, Navigation, urbane Gebiete, blind, sehbeeinträchtigt, Navocap, GPS, Galileo, Algorithmus, Smartphone, App, RPU
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