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H2020

WUUDIS — Ergebnis in Kürze

Project ID: 774465
Land: Finnland
Bereich: Land- und Forstwirtschaft

Instrumente und Methoden für die nächste Generation intelligenter Waldbewirtschaftung

60 % des europäischen Waldes sind in Privatbesitz. Viele der Eigentümer wohnen in der Stadt und wissen gar nicht, wo ihr Waldstück genau liegt. Gleichzeitig sind die Wälder der EU vielen ökologischen Bedrohungen ausgesetzt, die dringend effektivere Methoden der Waldbewirtschaftung erfordern, wie zum Beispiel solche aus dem Projekt WUUDIS.
Instrumente und Methoden für die nächste Generation intelligenter Waldbewirtschaftung
Angesichts des Klimawandels und der Einwanderung fremder Arten sorgen sich die Behörden um die Zukunft der Wälder in ganz Europa und fördern bessere Bewirtschaftungsmethoden. Den Verwaltern stehen aber nicht genügend wirksame forstwirtschaftliche Bewirtschaftungsinstrumente zur Verfügung, auch nicht zur Optimierung des Holzhandels.

Im EU-finanzierten Projekt WUUDIS arbeiten Softwareentwickler und erfahrende Förster an der Entwicklung einer cloudbasierten Lösung für Internet und Smartphone, die in Echtzeit per Fernzugriff funktioniert. Das Instrument richtet sich an Waldbesitzer, Unternehmen und Holzeinkäufer und kann frühere Aktivitäten nachverfolgen sowie Orientierung für spätere Maßnahmen geben. Es bietet auch automatische Updates zu den aktuellen Bedingungen, wie zum Beispiel Schäden durch Wettereinflüsse, Bodenerosion oder Krankheiten im Holz.

Informationen zu Wald und Nutzholz teilen

Ziel des WUUDIS Projekts ist die dauerhafte Nachhaltigkeit des Forstsektors. Die Technologie greift auf Fernerkundungsaufnahmen zurück, um potenziell gefährdete Waldgebiete zu überwachen und gegebenenfalls Ausgleichsmaßnahmen zu treffen. Zusätzlich beinhaltet die Lösung eine App, mit der der tatsächlich verursachte Schaden und geleistete Arbeiten dokumentiert werden können, und die ergänzende Informationen zum Ort, Bilder oder Videos bietet. Außerdem kann jeder, der gerade im Wald ist, mit einer App zur Artenvielfalt seine Beobachtungen speichern und zur späteren Verwendung zur Verfügung stellen. Das Instrument ist so gestaltet, dass breit gefächerte Kommunikation im gesamten Netzwerk der Beteiligten möglich ist, um bei Notwendigkeit das bestmögliche Vorgehen abzustimmen. Auch Fördermittelanträge können mit einem einzigen Klick verwaltet werden.

Projektkoordinator Seppo Huurinainen erklärt den zu erwartenden Einfluss von WUUDIS so: „WUUDIS kann die Forstwirtschaft revolutionieren, indem es eine bessere und transparentere Waldbewirtschaftung aus der Ferne und fast in Echtzeit ermöglicht. Die Waldbesitzer sparen damit nicht nur wichtige Ressourcen ein, sondern es entstehen auch positive Effekte durch den Mehrwert aus den Systemdaten, wie zum Beispiel Angaben zur Häufigkeit von Pflegearbeiten in einem Gebiet, die von der Lösung zusammenstellt und visualisiert werden.“

Neben der technischen Entwicklung konzentrierte sich die erste Projektphase auf die Marktforschung. Für jeden Zielmarkt, d. h. Belgien, Spanien, Frankreich Italien, Schweden und Vereinigtes Königreich, wurden Übersichten zu Marktpotenzial, Konkurrenz und möglichen Partnerschaften erstellt. Die technische Machbarkeit wurde unter Beteiligung von Regierungen, gemeinnützigen und gewinnorientierten Organisationen, die Zugriff auf ihre nationalen forstwirtschaftlichen Daten hatten, sowie anhand von GIS-Daten aus Belgien, der Tschechischen Republik, Spanien, Italien und Finnland evaluiert.

Bei der Erarbeitung von Markteinführungsstrategie und Vermarktungsplan kristallisierten sich Spanien und Italien als äußerst attraktive Märkte heraus, da beide große Waldressourcen haben und ihre Politik den internationalen Holzhandel fördert. Die Ergebnisse für Spanien zeigten einen potenziellen Kundenkreis von über fünf Millionen privaten Waldbesitzern und etwa 1 100 Forstunternehmen.

Dennoch bringt diese Chance auch eine große Herausforderung mit sich, wie Huurinainen erklärt: „Schauen wir uns Finnland an: ein Pionier in der Digitalisierung der Forstwirtschaft, mit dem Ziel, bis zum Jahr 2020 jeden Hektar des finnischen Waldes zu digitalisieren. Ähnlich hohe Ziele gibt es in keinem anderen EU-Mitgliedstaat und außerdem sind dort viele Waldbewirtschaftungspläne immer noch papierbasiert. Unser Zeitplan sieht wie folgt aus, erstens die Bewirtschaftungspläne zu digitalisieren, sie dann in WUUDIS zu integrieren und zum Schluss die Lösung systematisch bei allen Beteiligten umsetzen.“

Gegen den vom Menschen verursachten Klimawandel und für die Wirtschaft

Der Bedarf an wirksamem Management in der Waldbewirtschaftung erschließt sich am besten im Kontext: in der gesamten EU-Wirtschaft gibt es verteilt über die 28 EU-Mitgliedstaaten fast 183 Millionen Hektar Forst- und Waldfläche. Das entspricht 43 % der Fläche der EU (ausgenommen Seen und große Flüsse) und 5 % des Waldes der Welt. Im Jahr 2014 haben 20 EU-Mitgliedstaaten 3,19 Milliarden EUR in Forstwirtschaft und Holzeinschlag investiert.

Mit Blick auf die Zukunft fasst Huurinainen zusammen: „Wir bewegen uns mit unserer Lösung in Richtung Anwendung und schneller Kommerzialisierung, zuerst in Spanien und Italien. Das setzen wir mit großen Pilotprojekten im gesamten Jahr 2018 um, gefolgt von einer ganzheitlichen Betreuung des Dienstes. Dann expandieren wir in andere Länder.“

Schlüsselwörter

WUUDIS, Forstwirtschaft, Artenvielfalt, Waldbewirtschaftung, Holz, Klima, Einwanderung von Arten, Waldgebiet, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Ökosystem
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