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FP7

ASSET — Ergebnis in Kürze

Project ID: 612236
Gefördert unter: FP7-SIS
Land: Frankreich
Bereich: Gesundheit, Gesellschaft

Vorbereitung auf Pandemien und Epidemien in Europa

Die ASSET-Initiative hat die Risikokommunikation innerhalb Europas für gesundheitliche Notstände im Zusammenhang mit übertragbaren Krankheiten, die eine ernste Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen, einen weiteren Schritt vorangebracht. Dazu zählen auch die pandemische Influenza A (H1N1), die Ebola-Seuche in Westafrika, der Zika-Virus und die gegenwärtige europaweite Masernepidemie.
Vorbereitung auf Pandemien und Epidemien in Europa
Bei einem Seuchenausbruch wie der Influenzapandemie 2009 sind selbst umfassende und gut strukturierte Bereitschaftspläne der Regierungen nicht immer ausreichend. Die Lage gestaltet sich wesentlich komplexer, da auf die Wahrnehmung der damit verbundenen Risiken eingegangen werden muss – und zwar über eine wechselseitige Kommunikation mit der Öffentlichkeit sowie allen relevanten Akteuren und Interessenträgern.

Kulturelle und ethische Probleme im Zusammenhang mit Stigmatisierung können die Verbreitung einer Krankheit oft ganz erheblich beeinflussen. Um die Risikoresistenz der Gesellschaft und damit ihre Fähigkeit zur Bekämpfung solcher Notstände zu verbessern, müssen die für die Sensibilisierung verantwortlichen Akteure die Gesellschaft entsprechend über das konkrete Gesundheitsrisiko aufklären.

Die von der Europäischen Union (EU) finanzierte Initiative ASSET hat Maßnahmenpläne und Instrumente entwickelt, um die Kommunikation im Bereich des Gesundheitskrisenmanagements zu verbessern. Das Gesamtziel des Projekts war eine Verbesserung der Bereitschaft und Reaktion in gesundheitlichen Krisenfällen.

Das zentrale Anliegen von ASSET betraf die Einbindung verschiedener Interessengruppen bei der Aufgabe, entscheidende Aspekte des Programms „Wissenschaft in der Gesellschaft“ (Science in Society, SIS) im Hinblick auf einen Bezugsrahmen für verantwortungsvolle Forschung und Innovation (Responsible Research and Innovation, RRI) zu untersuchen. Dazu gehören zum Beispiel Politikgestaltung, offene wissenschaftliche Fragen, wissenschaftliche Bildung sowie ethische, geschlechtsbezogene und integrative Aspekte. „Unser Ziel war die Förderung von nachhaltigen und effektiven Ansätze zur Bewältigung der zentralen Herausforderungen, die mit dem Management von Pandemien und globalen Krisenfällen in unterschiedlichen europäischen Ländern verbunden sind“, erklärt Eva Benelli, die Verbreitungs- und Kommunikationsleiterin des Projekts.

Bürgerkonsultationen

ASSET führte Bürgerkonsultationen in acht europäischen Ländern durch (Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Irland, Italien, Rumänien, Norwegen und Schweiz). Dort hatten die Bürger Gelegenheit, sich an Gesprächen zu beteiligen, die sich der gesellschaftlichen Bereitschaft und Reaktion bei drohenden Seuchenausbrüchen, Epidemien und Pandemien widmeten. Neben diesen nationalen Initiativen wurden zusätzliche Aktivitäten wie Workshops und Konferenzen auf kommunaler Ebene durchgeführt, um die Reichweite des ASSET-Projekts zu erhöhen.

Virtuelle Mittel wie eine Website, Engagement in sozialen Netzwerken, Bulletins und Newsletter dienten dazu, zu vermitteln, wie wichtig das richtige Verständnis des Risikos ist, das mit unterschiedlichen gesundheitlichen Krisenfällen verbunden ist, und politische Entscheidungsträger auf SiS-Aspekte aufmerksam zu machen. Insgesamt waren die Bürger mit ihrer Beteiligung an diesem Prozess sehr zufrieden und brachten sich mit aufschlussreichen und anregenden Beiträgen ein, zum Beispiel was die bevorzugte Medikamentenverteilung im Pandemiefall betraf.

Der Schwerpunkt von ASSET lag auf der Gestaltung gemeinsamer Ansätze und einer gemeinsamen Arbeitssprache, die auch im Europäischen Parlament vorgestellt wurden. Parallel dazu wurde auf der ASSET-Website ein Bereich eingerichtet, der sich dem Wissenstransfer über bewährte Praktiken widmet, um ihre verstärkte Einführung zu unterstützen.

Künftige Wege im Epidemiemanagement

Die im Rahmen von ASSET durchgeführten Studien ergaben, dass Erkenntnisse aus früheren Epidemien hinsichtlich der Bedeutung des gesellschaftlichen Engagements in ethischen und geschlechtsbezogenen Aspekten sowie hinsichtlich der Entwicklung einer soliden Risikokommunikation nur selten in die Praxis umgesetzt werden. In einem Bericht zu Ethik, Gesetzeslage und Grundrechten hob ASSET die zentralen Menschenrechtswerte hervor, die auch in Krisenfällen beachtet werden müssen. Das Projekt ging zudem auch auf die Bedrohung durch Bioterrorismus und die Notwendigkeit von Transparenz und mit Umsicht gestalteten Krisenmaßnahmen ein.

Über die vierjährige Projektzeit stand durch ASSET eine Reihe verschiedener nützlicher Instrumente zur Verfügung, um die Umsetzung von Mitwirkungs- und Kommunikationsprozessen zwischen gesellschaftlichen Akteuren untereinander (Öffentlichkeit, Gesundheitsbehörden, Interessengruppen, Sachverständige, Medien) zu unterstützen, die bei der Ausarbeitung von zukünftigen Bereitschaftsplänen erforderlich sind. Trotz der schwierigen Aufgabe, für Akteure mit unterschiedlichem wissenschaftlichen und beruflichen Hintergrund eine gemeinsame Sprache zu bestimmen, gelang dem Projekt dank der Beteiligung der Öffentlichkeit der Transfer von wichtigem Wissen an die entsprechenden wissenschaftlichen Disziplinen.

Mit Blick auf die Zukunft ist die wissenschaftliche Koordinatorin und Forscherin Valentina Possenti vom italienischen Istituto Superiore di Sanità zuversichtlich, dass die EU-Mitgliedstaaten „bei komplexen Themen im Zusammenhang mit der Bereitschafts- und Reaktionsplanung, wie zum Beispiel der Impfpflicht, der von ASSET berücksichtigten Stakeholder-Perspektive Rechnung tragen werden“.

Schlüsselwörter

ASSET, Pandemie, Epidemie, gesundheitliche Krise, Ethik
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