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H2020

UNCAP — Ergebnis in Kürze

Project ID: 643555
Gefördert unter: H2020-EU.3.1.
Land: Italien
Bereich: Gesundheit, Digitale Wirtschaft

Altenpflege mit minimaler Fremdbestimmung und größter Würde

Unabhängiges Wohnen ist im Bereich der Altenbetreuung eine unvergleichlich bessere Lösung als Pflegekliniken oder Pflegeheime. Die Europäische Union (EU) unterstützt Forschungsbemühungen zur Entwicklung einer offenen und doch auf Privatsphäre ausgerichtete IKT-Infrastruktur, um älteren Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen und zugleich ihren Lebensstil zu erhalten und zu verbessern.
Altenpflege mit minimaler Fremdbestimmung und größter Würde
Das Älterwerden und die damit verbundenen Folgen im Hinblick auf Gebrechlichkeit, chronische Erkrankungen und Multimorbidität stellen die Gesundheits- und Pflegesysteme derzeit vor eine große Herausforderung. Insbesondere in Europa, wo der Anteil der älteren Bevölkerung voraussichtlich erheblich steigen wird, erweisen sich die momentanen Gesundheits- und Pflegemodelle als unzureichend und unhaltbar.

Nicht-invasives Gesundheitssystem für Senioren

Das von der Europäischen Union (EU) finanzierte UNCAP-Projekt hat ein speziell auf Senioren ausgerichtetes interoperables Ökosystem entwickelt. Als zentrale Begriffe im Zusammenhang mit einem eigenständigen und würdevollen Leben stehen hier Standort, Beobachtung und Betreuung an erster Stelle.

Das System kombiniert innovative Instrumente zur Bewertung der körperlichen und kognitiven Fähigkeiten mit Technologien, die das Lokalisieren von Gegenständen, Geräten und Benutzern sowohl im Innen- als auch im Außenbereich ermöglichen. Die Beobachtung erfolgt kontinuierlich und doch nicht-invasiv und ermöglicht Hilfestellung, sobald Alarmbedingungen erkannt werden. „Dazu wurden unter anderem eine interoperable Middleware und ein Software-Client entwickelt“, erklärt Projektkoordinator Dr. Giuseppe Conti.

Die Middleware ermöglicht die Anbindung zahlreicher unterschiedlicher systemexterner Dienste und Anwendungen, die speziell für Senioren gedacht sind, wie zum Beispiel solche für Rezepterinnerung, Gesundheitsmonitoring und Sturzerkennung. Der Software-Client erleichtert den Senioren die Kommunikation mit einer Pflegekraft über einen Server.

Testläufe unter echten Betriebsbedingungen

Von 2016 bis in das Jahr 2017 wurden die Leistungen des UNCAP-Systems in verschiedenen Testläufen in Privathaushalten, Rehabilitationszentren, Pflegeeinrichtungen und Pflegeheimen beurteilt. Durch die Einbeziehung einer großen Anzahl von Benutzern und Pflegepersonen in verschiedenen EU-Ländern konnte eine statistische Signifikanz erreicht werden.

Die Ergebnisse aus der Pilotphase werden analysiert und als Grundlage zur Bewertung der Wirkung von UNCAP herangezogen. Bestimmt werden soll dabei die Investitionsrentabilität des Projekts für öffentliche und private Versorgungssysteme unter finanziellen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten. In sozialer Hinsicht ergibt sich eine Flut an Vorteilen. Für ältere Menschen dürften wohl vor allem die Verringerung der sozialen Ausgrenzung und die geringere Belastung für Gesundheitssysteme, pflegende Angehörige und Berufspfleger im Vordergrund stehen.

Dr. Conti betont die absolut entscheidende Rolle, die der Testlauf des Systems für die UNCAP-Ergebnisse gespielt hat. „Da wir die Möglichkeit hatten, alle entwickelten Technologien an einer beträchtlichen Zahl von Pilotstandorten mit unterschiedlichen Betreibern, unterschiedlichen Pflegemodellen (formelle und informelle Pflege), unterschiedlichen Rechtsrahmen und unterschiedlichen Kulturen zu testen, konnten wir die wertvollsten Vorteile ermitteln, die es bei der künftigen Nutzung der Projektergebnisse zu beachten gilt.“

Herausforderungen direkt angepackt

Am schwierigsten gestalteten sich für das Team die verwaltungs- und verfahrenstechnischen Aspekte im Zusammenhang mit der ethischen Zulassung, die deutlich mehr Zeit beanspruchte als ursprünglich geplant. An manchen Pilotstandorten dauerte es sogar ein Jahr, bis die ethische Prüfung bedenkenlos abgeschlossen wurde, sodass alle Pilotaktivitäten zeitlich entsprechend verschoben werden mussten.

In Testszenarien spielen so viele Variablen eine Rolle, das eine Änderung bei einer Variable oft weitere Änderungen an einer anderen Stelle bedingt. „Durch dynamische Anpassungen war es möglich, die statistische und wissenschaftliche Relevanz der Ergebnisse dennoch zu gewährleisten“, betont Dr. Conti.

Künftige Schritte zur erfolgreichen Systemeinführung

Das UNCAP-Projekt wurde Ende 2017 abgeschlossen. Geplant ist nun, die Projektergebnisse durch ein Start-Up-Unternehmen zur Marktreife zu bringen. „Dazu wurden bereits Vereinbarungen zwischen den Begünstigten und dem Unternehmen abgeschlossen“, so Dr. Conti.

Die entwickelten Technologien wurden strengen Tests unterzogen. Dadurch bot sich zugleich eine hervorragende Gelegenheit zur Analyse der tatsächlich bestehenden Anforderungen an einen Markt, der aufgrund seines rasanten demografischen Wandels zwar erhebliches Potenzial aufweist, jedoch noch nicht ausgereift ist. Dank der Daten und Erfahrungswerte aus den Testläufen gelang es, die Prioritäten zu ermitteln und die Dienste zu bewerten, die für eine erfolgreiche kommerzielle Nutzung bei maximalem sozialem Nutzen am dringendsten nötig sind.

Schlüsselwörter

UNCAP, Pflege, Pilotprojekt, System, Senioren
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