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Verhinderung und Minderung der Bodenschädigung in Europa

Ein EU-finanziertes Projekt hat ein interdisziplinäres Team aus ganz Europa zusammengebracht, um praktische Maßnahmen für den Erhalt von Bodengesundheit und -fruchtbarkeit zu erarbeiten. Von Island bis Zypern haben Forscher detaillierte Informationen zur geografischen Verteilung von neun Bodenbedrohungen, deren Auswirkungen auf Bodenfunktionen und Ökosystemleistungen und zur Umsetzung von Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Bodenschädigung vorgelegt.
Verhinderung und Minderung der Bodenschädigung in Europa
Die Bodenschädigung ist weltweit ein besorgniserregendes Thema, und die EU ist da keine Ausnahme. Ein beträchtlicher Teil der gesamten Landfläche Europas ist bereits von Erosion betroffen, die im Jahr mehr als 100 000 Hektar schädigt, während die Bodenversiegelung (die permanente Abdeckung von Boden durch Gebäude und Infrastruktur) jedes Jahr einen Verlust von mehr als 1 000 Quadratkilometern Nutzfläche verursacht.

Da die Bodenbildung ein extrem langsamer Prozess ist, sollten fruchtbare Böden adäquat überwacht, geschützt und erhalten werden, um sicherzustellen, dass die Kapazität zur Produktion von Nahrungsmitteln und andere wichtige Bodenfunktionen nicht verloren gehen oder verringert werden.

Vor dem Hintergrund der Bedeutung des Bodens wurde im November 2013 das von der EU finanzierte Projekt RECARE (Preventing and Remediating degradation of soils in Europe through Land Care) gestartet, um effektive Schutz-, Sanierungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen zu entwickeln. Obwohl es umfassende Kenntnisse über Bodenbedrohungen in Europa gibt, ist dieses Wissen fragmentiert und unvollständig.

Die neun Bodenbedrohungen in Europa

Bodenverschlechterung wird durch eine Mischung aus biophysikalischen, sozioökonomischen und politischen Faktoren verursacht, die innerhalb von Europa unterschiedlich aussehen. Daher wurden insgesamt 17 Fallstudiengebiete untersucht, um passende Antworten zu finden, indem man globales Fachwissen mit Ortskenntnissen kombiniert.

Bodenexperten haben eine umfassende Übersicht über die Bedrohungen erstellt, die sich auf die landwirtschaftliche Produktivität und die Umwelt auswirken. Die definierten Bodenbedrohungen sind Erosion, Versalzung, Verdichtung, Versiegelung, Wüstenbildung, Überschwemmungen und Erdrutsche, die zu einem Verlust der organischen Masse sowie der Fruchtbarkeit, zu Kontaminierung und einem Rückgang der Biodiversität des Bodens führen. „RECARE hat nicht nur die Bodenbedrohungen definiert, sondern auch Beschreibungen von Bodenschädigung, wichtigen Kennzahlen, Methoden zur Bewertung der Bedrohung, Auswirkungen auf andere Bodenbedrohungen und Auswirkungen auf Bodenfunktionen vorgelegt“, erklärt Projektkoordinator Prof. Coen Ritsema.

RECARE hat potenzielle Maßnahmen geprüft, die angewandt werden können, um diese Bodenbedrohungen zu bekämpfen. Zum Beispiel haben die Forscher in einer kleinen Bergregion in der Schweiz, in der es häufig zu Bodenerosion durch Wasser – entweder durch Regenwasser oder durch Erosion aufgrund von Rinnsalen und Wasserfurchen – kommt, ein Gerät namens Dyker eingesetzt, um zwischen Ackerfurchen in Kartoffelfeldern kleine Dämme zu bilden. Die Ergebnisse zeigten deutlich weniger Anzeichen von Erosion im Vergleich zu unbehandelten Furchen.

Das Projekt hat außerdem das Risiko der Erosion nach Bränden in einer unfruchtbaren Bergregion Portugals untersucht, in der längere, trockene Sommer zu Großflächenbränden führen können. Jüngere Feldversuche im Gebiet der portugiesischen Feldstudie ergaben, dass das Mulchen mit Resten von Waldabholzungen, die in der Region reichlich vorhanden sind, extrem wirksam ist, um die Erosion in kurz zuvor verbrannten Bereichen zu verringern.

In Norwegen ist Erosion aufgrund von Überschwemmungen und Erdrutschen eine erhebliche Bodenbedrohung, da Überschwemmungen zu einem beachtlichen Anstieg von Schwebstoff- und Nährstoffbelastungen führen. Diese Fallstudie hat gezeigt, dass Rückhaltebecken in Waldgebieten der schnellen und übermäßigen Wassereinleitung in Flüsse erfolgreich entgegenwirken können.

Die Forschung in Zypern konzentrierte sich auf die Bodenerosion auf einem steilen Berggelände; rund um einige kleine ländliche Gemeinschaften in diesem Berggebiet haben sich großflächige Bereiche in landwirtschaftliche Terrassen verwandelt. Aufgrund der zurückgehenden Bevölkerung in diesen Gebieten und der hohen Produktionskosten werden jedoch viele Terrassen nicht mehr bewirtschaftet und gepflegt. Dies kann manchmal zu einem Dominoeffekt kollabierender Terrassenwände führen. Das Forschungsteam in Zypern bezog verschiedene Interessengruppen mit ein, um Trockenmauern zur Eindämmung wiederherzustellen, die sich für die Verhinderung der Bodenerosion als wirksam erwiesen haben.

„RECARE hat zahlreiche effektive Lösungen zur Verhinderung, Minderung und Wiederherstellung im Kampf gegen Bodenbedrohungen getestet und geteilt“, so Prof. Ritsema. Die Bodenmanagementstrategien des Projekts sollen Böden und die damit verbundenen Ökosystem-Dienste in verschiedenen Gebieten in ganz Europa langfristig schützen.

Auch wenn die Initiative noch nicht abgeschlossen ist, stehen die jüngsten Projektergebnisse jetzt schon in einem eigens dafür eingerichteten RECARE-Informationszentrum zur Verfügung. Die Forschungsergebnisse stehen Wissenschaftlern und all jenen, die im Bereich des Bodenschutzes arbeiten und tätig sind, kostenlos zur Verfügung, damit alle davon profitieren.

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Schlüsselwörter

RECARE, Bodenbedrohungen, Europa, Bodenverschlechterung, Bodenerosion
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