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Neuer Ansatz zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Ernährungssystemen - mehr als Effizienz, Nachhaltigkeit und Anfälligkeit im Fokus

Ernährungs- und Nahrungsmittelsicherheit ist eine Herausforderung, die uns alle betrifft. Im Rahmen eines EU-Projekts hat man untersucht, wie sich verschiedene Faktoren auf unsere Nachfrage nach und unsere Versorgung mit Lebensmitteln auswirken.
Neuer Ansatz zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Ernährungssystemen - mehr als Effizienz, Nachhaltigkeit und Anfälligkeit im Fokus
Wie beeinflussen Klima, wirtschaftliche Reichweite und Marktstruktur, Angebot und Nachfrage, geopolitische Verschiebungen, Vorlieben der Verbraucher und Konsummuster die globale und europäische Nachfrage nach Nahrungsmitteln und die Rohstoffproduktion? Das TRANSMANGO-Projekts sollte die Auswirkungen dieser und weiterer Faktoren untersuchen, um Anfälligkeit und Widerstandsfähigkeit der europäischen Ernährungssysteme zu bewerten.

Projektkoordinator Dr. Erik Mathijs erläutert dazu: „Ernährungs- und Nahrungsmittelsicherheit betreffen nicht nur den Zugang zu ausreichend Lebensmitteln, sondern auch gesunde Ernährung und nachhaltige Ökosysteme, damit das Ernährungssystem widerstandsfähig ist. In Europa gibt es immer mehr Probleme in Bezug auf die Ernährungs- und Nahrungsmittelsicherheit, zunehmendes Übergewicht und gefährdete natürliche Ökosysteme.“

Dr. Mathijs zufolge liegt unser Hauptaugenmerk in Europa auf der Effizienz, was bedeutet, dass Anfälligkeit und Widerstandsfähigkeit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. TRANSMANGO verfolgte das Ziel, diese Lücke zu schließen.

Wie wird sich unsere gegenwärtige Herangehensweise an die Lebensmittelversorgung in Zukunft beibehalten lassen?

Die Forscher untersuchten 18 Fallstudien aus ganz Europa zu verschiedenen Themen wie beispielsweise Ernährungshilfe, Schulspeisung, Zugang zu Land und gemeinschaftsunterstützte Landwirtschaft. Vision und Strategien dieser Fallstudien wurden vor dem Hintergrund zukünftiger europäischer Ernährungssysteme betrachtet. „Wir haben vielfältige Interessengruppen zusammengebracht, um neue Wege zur Erfüllung neuer Anforderungen zu prüfen“, sagt Dr. Mathijs.

Die Fallstudien von TRANSMANGO wurden unter Einsatz von Werkzeugen zum Systemdenken wie etwa Ursache-Folge-Diagrammen; Causal Loop Diagram analysiert, welche die Verflechtung zwischen den Triebkräften, die die Folgen für das Ernährungssystem beeinflussen, sowie Rückkopplungsschleifen und unbeabsichtigte Auswirkungen von Strategien und Maßnahmen veranschaulichen.

Man fand heraus, dass die transformativen Fälle, die auf widerstandsfähigere Ernährungssystems abzielten, durch fünf Prinzipien gekennzeichnet waren. Der erste Grundsatz besteht darin, das Recht auf Nahrung sowohl für traditionelle als auch für neu entstehende gefährdete Gruppen wie zum Beispiel Flüchtlinge anzuerkennen. Ein zweites Prinzip besagt, dass Widerstandsfähigkeitsinitiativen Nachhaltigkeit mit der Gesundheit des Menschen verbinden, d. h. versuchen, Ernährungssysteme und -gewohnheiten auf eine Weise zu gestalten, dass sie der Umwelt und der menschlichen Gesundheit zugute kommen.

Drittens stellen die Initiativen stärkere Verknüpfungen zwischen städtischen und ländlichen Akteuren und Aktivitäten her, wobei man vom gegenseitigen Austausch von Ideen und Ressourcen profitiert. Ein viertes Grundprinzip besteht darin, dass der Widerstandsfähigkeit dienende Initiativen sowohl technische Innovationen (z. B. Apps) als auch soziale Neuerungen (neue Formen der Zusammenarbeit) nutzen, um deren Aktivitäten zu untermauern. Fünftens nehmen diese Initiativen einen anderen Blickwinkel auf Widerstandsfähigkeit ein, da man der Vielfalt viel mehr Aufmerksamkeit als der Effizienz schenkt.

„Das Projekt hat“, wie Dr. Mathijs berichtet, „ein konzeptionelles Modell des Ernährungssystems erstellt, das seinen systemischen, dynamischen, politischen und ungewissen Charakter erfasst.“ Das Forschungsteam hat sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene Zukunftsszenarien ausgearbeitet, in denen die Hauptunsicherheiten Berücksichtigung finden, mit denen das EU-Ernährungssystem konfrontiert ist. Sie entwickelten außerdem einen Satz an Werkzeugen für Systemdenken und Modellierung sowie Spiele, um komplexe Ernährungssysteme zu analysieren.

„Will man Komplexität und Widerstandsfähigkeit betrachten, braucht man interdisziplinäre Ansätze. TRANSMANGO ist es gelungen, Ansätze zu entwickeln, die verschiedene Disziplinen wie etwa Ökonomie, Soziologie, Geografie einbinden.“

Die Erkenntnisse der Forscher haben zu verschiedenen Prozessen bei den Interessengruppen beigetragen. Beispiel dafür ist die „Common Food Policy Vision“, die vom IPES-FOOD (International Panel of Experts on Sustainable Food Systems) und seinen Partnern zur Vorbereitung auf das am 29. bis 30. Mai 2018 abgehaltene EU Food and Farming Forum erstellt wurde.

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Schlüsselwörter

TRANSMANGO, Ernährungssicherheit, nachhaltig, Ernährungspolitik, Politik, Lebensmittelresilienz, nahrungsmittelbezogene Widerstandsfähigkeit, Ernährung
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