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H2020

COMPAIR — Ergebnis in Kürze

Project ID: 699249
Gefördert unter: H2020-EU.3.4.7.1
Land: Belgien
Bereich: Gesellschaft, Verkehr

Wettbewerb für das Luftverkehrsmanagement

Technologische Veränderungen untergraben die frühere Notwendigkeit von Monopolen im Luftverkehrsmanagement (air traffic management, ATM). Die Öffnung des Marktes für den Wettbewerb kann sich lohnen.
Wettbewerb für das Luftverkehrsmanagement
ATM-Dienste waren traditionell nationale Monopole, was teilweise auf die hohen Infrastrukturkosten zurückzuführen ist. Der historisch nationale Charakter des ATM führte zu der ineffizienten Situation, dass Europa nun viele verschiedene Dienste besitzt.

Manche Stimmen behaupten, dass Europa eine einzige ATM-Bundesagentur benötigt. Andere glauben wiederum, dass die Öffnung des Marktes für den Wettbewerb effizienter wäre als die Schaffung eines einzelnen großen Monopols. Ökonomen argumentieren, dass der Markt für den Wettbewerb geöffnet werden sollte, da neue Technologien die Infrastrukturkosten so weit senken, dass auch private Unternehmen investieren können.

Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts COMPAIR wurden verschiedene Möglichkeiten zur allmählichen Einführung einer solchen Veränderung untersucht, einschließlich institutioneller und marktgestalterischer Ansätze. Das Konsortium war Teil des großen SESAR-Gemeinschaftsunternehmens (Single European Sky ATM Research Joint Undertaking; SESAR JU), das den europäischen Luftverkehr reformieren soll.

Einführung des Wettbewerbs

COMPAIR bewertete bahnbrechende Ideen für die Einführung des Marktwettbewerbs in das europäische ATM entsprechend ihres potenziellen Beitrags zu den Zielen des einheitlichen europäischen Luftraums. Die Studie schlug neue Marktkonzepte vor, entwickelte einen Rahmen für die Bewertung von Auswirkungen und untersuchte die Durchführbarkeit sowohl mittels ökonomischer Modellierung als auch mittels Netzwerkmodellierung.

„Im Rahmen unserer Studie wurden vier Einführungsszenarien identifiziert und bewertet“, so Dr. Eef Delhaye, COMPAIR-Projektkoordinatorin. Diese umfassen kurz-, mittel- und langfristige Optionen, wobei langfristig nach 2050 bedeutet. „Wir glauben, dass jede Option zu einem Effizienzgewinn für Flugsicherungsdienste führt. Zu den Hauptvorteilen gehören dabei geringere Kosten, eine vermehrte Einführung neuer Technologien und in einigen Fällen sogar eine geringere Fragmentierung des europäischen Luftraums.“

Die Forscher stellten fest, dass die Eigentumsform von Flugsicherungsdiensten von Land zu Land unterschiedlich ist und die Konsultationsverfahren der Interessengruppen stark variieren. Im Rahmen des Projekts wurden signifikante Unterschiede bei den Kosten und der Produktionseffizienz festgestellt, was auf ein kurzfristiges Verbesserungspotenzial hindeutet. Das Team empfahl, dass derartige Verbesserungen durch die Integration einer breiteren Palette von Interessengruppen in die Vorstände der Flugsicherungsdienste erreicht werden könnten.

Mittelfristig schlugen die Forscher eine Entflechtung und Ausschreibung vor. Die Entflechtung könnte mit der Trennung der Flugverkehrsdienste beginnen, danach zu meteorologischen und aeronautischen Unterstützungsdiensten für den Streckenluftverkehr übergehen und mit der Auslagerung der Kontrolle des Streckenluftverkehrs enden. Frühere Erfahrungen mit der Entflechtung der Nahbereichskontrolle zeigten, dass Kostensenkungen bis zu 40 % möglich sind.

Die Analyse von COMPAIR ergab, dass zeitbasierte Ausschreibungen zu einer Konsolidierung unter den Flugsicherungsdiensten führen könnten. Dies könnte einen weniger fragmentierten europäischen Luftraum, eine schnellere Einführung von Technologien und niedrigere Gebühren aufgrund der Kostenersparnis durch Großserienfertigung zur Folge haben.

Schließlich bestand die langfristige Empfehlung aus flugorientierten oder sektorlosen Maßnahmen. ATM-Anbieter würden auf der Ebene einzelner Flüge oder Fluggesellschaften konkurrieren, statt regional. Darüber hinaus empfahl das Team, den Marktanteil zu begrenzen, um das Aufkommen kommerzieller Monopole zu verhindern.

Untersuchung der Umsetzung

Nachdem COMPAIR diese Optionen vorgeschlagen hat, wird nun die Umsetzung ins Auge gefasst. Der erste Schritt wird dabei in der Sensibilisierung für das Potenzial liegen. Vor der Umsetzung empfehlen die Forscher jedoch weitere Benchmark-Studien. Diese könnten die Luftfahrtindustrie an anderen Orten sowie andere europäische Übergänge von monopolistischen Märkten untersuchen.

„Der wichtigste Umsetzungsschritt“, fügte Dr. Delhaye hinzu, „ist die Aufrechterhaltung eines institutionellen Umfelds, das dazu in der Lage ist, den Wettbewerb auf europäischer und nationaler Ebene zu fördern.“ Mit Umfeld sind in diesem Zusammenhang rechtliche Maßnahmen gemeint, aber auch die Politik-, Verwaltungs- und Investitionslandschaft. „Selbst kleine Schritte wären bereits ein Fortschritt“, erklärte sie.

Der europäische Luftverkehr befindet sich im Wandel. Die von COMPAIR vorgebrachten Vorschläge müssen individuell und im Zusammenhang mit umfassenderen Themen wie dem Mangel an Flughafenkapazität und der Notwendigkeit eines überarbeiteten europäischen Masterplans für das Luftverkehrsmanagement bewertet und diskutiert werden. Egal, welcher Vorschlag sich auch am Ende durchsetzt, Europa wird schließlich über einen effizienten Luftraum verfügen.

Schlüsselwörter

COMPAIR, Luftverkehr, Flugsicherungsdienst, Luftverkehrsmanagement, einheitlicher europäischer Luftraum, Luftraum, Flughafen
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