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H2020

MovEAID — Ergebnis in Kürze

Project ID: 773301
Land: Deutschland
Bereich: Gesundheit

Tragbares Gerät unterstützt Gehversuche gelähmter Patienten

Ein EU-finanziertes Unternehmen entwickelte ein innovatives elektronisches System, das elektrische Impulse zum autonomen Nervensystem sendet, damit Patienten wieder gehen lernen.
Tragbares Gerät unterstützt Gehversuche gelähmter Patienten
Jeder fünfte EU-Bürger erleidet irgendwann im Leben einen Schlaganfall. Bei der Hälfte der Patienten bleibt danach eine Körperseite gelähmt (Hemiparese). EU-weit sind jährlich etwa 550 000 Menschen von Hemiparese betroffen, und wirksame Therapien sind noch nicht in Sicht.

So wird derzeit lediglich darauf hingearbeitet, dem weiteren Verlust von Körperfunktionen, Schmerzen, Muskelabbau und spastischer Lähmung aufgrund von Bewegungsmangel gegenzusteuern, um letztlich Pflegebedürftigkeit und Arbeitsunfähigkeit zu verhindern.

Das EU-finanzierte Projekt MOVEAID entwickelte nun ein innovatives tragbares Gerät, das Gehversuche nach einer Lähmung unterstützt, indem es kleine elektrische Impulse zur Bewegungskorrektur gibt. „Gelähmte Patienten können Körperbewegungen nicht fühlen und sich damit auch nicht an Bewegungen erinnern. Mit einem elektrischen Impuls kann die Bewegung verändert werden“, sagt Anna Vonnemann, Gründerin des Berliner Start-up-Unternehmens ReMoD, das mit Fördermitteln aus dem Programm Horizont 2020 das System zur Marktreife brachte.

„Der elektrische Impuls geht direkt zum vegetativen Nervensystem, das durch eine Lähmung nicht geschädigt wird. So kann der Patient das Signal fühlen“, sagt Anna Vonnemann. Das autonome (vegetative) Nervensystem steuert die inneren Organe, selbst, wenn der Patient ins Koma fällt.

Das System wird als Weste oder Gürtel getragen, ist nicht größer als ein Smartphone und sendet Signale, die quasi das Gehirn mit dem gelähmten Körperteil kommunizieren lassen.

Physisches Gedächtnis wird zur Bewegungskorrektur angeleitet

Die Sensoren im Gerät messen winzige Körperbewegungen. Kleine „falsche“ Bewegungen, die das Fortkommen behindern, werden dem Patienten über Elektrostimulation zurückgemeldet, damit er die Bewegung sofort korrigieren kann.

„Im vegetativen Nervensystem erfolgt die Reaktion reflexhaft“, erklärt Anne Vonnemann. „ReMoD ist die Abkürzung für Remember Motion Device. Die Patienten erinnern sich damit weitgehend unbewusst an die korrigierte Bewegung.“

„Zwar ist das physische Gedächtnis in diesem Fall nicht so perfekt wie bei einem gesunden Menschen, aber besser als erwartet“, sagt Anne Vonnemann, die erste Prototypen des Geräts entwickelte, um ihre Tochter Dindia Gutmann bei normalem Gehen zu unterstützen. Die jetzt 25-Jährige litt an angeborener Hemiparese, seit sie im Mutterleib einen Schlaganfall erlitten hatte.

Mittels Biofeedback, das die Gehirnsteuerung beim Gehen nachahmt, können halbseitig Gelähmte, unterstützt durch Physiotherapie und Bewegungsübungen, normales Gehen neu erlernen.

Die EU-finanzierte Studie zeigte mit einer kleinen Patientengruppe in Berlin, dass das Gerät gut funktioniert und auch für die Behandlung anderer Erkrankungen wie Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) geeignet ist, die ebenfalls den Bewegungsablauf stark einschränken.

Im aktuellen Prototyp wurde eine einfache Software von medizinischem Fachpersonal für verschiedene Krankheiten vorprogrammiert.

Smart und doch einfach zu bedienen

Bei dem patentierten Gerät werden Signale an die Muskeln gegeben, sodass künftig auch andere Krankheiten in den Fokus rücken könnten. Klinische Tests liegen hierzu jedoch noch nicht vor.

Mit den EU-Mitteln wurde auch eine „intelligentere“ Version entwickelt, die sich überwachen lässt. „Hilfreich ist vor allem, wenn das Gerät internetfähig ist, denn so kann der Therapeut die Bewegungen direkt sehen“, sagt Anna Vonnemann. Schließlich wurde die Sicherheit bei dem Gerät verbessert, um es weniger anfällig für Schadsoftware zu machen.

„Trotzdem haben wir versucht, die Bedienfunktionen so einfach wie möglich zu halten, damit es angelegt und eingestellt werden kann, um sich der Körpersensibilität anzupassen“, sagt sie. „Es gibt nur drei Arten von Tasten: „Ein-Aus“, „Kalibrierung“ und „Stärke“, da aufgrund von Gehirnfehlfunktionen die Finger oft noch schlecht bewegt werden können.“

ReMoD hat bei deutschen Behörden die Zulassung für den Einsatz als Medizinprodukt beantragt, damit die Serienfertigung bis 2020 anläuft.

Schlüsselwörter

MOVEAID, Lähmung, Schlaganfall, Hemiparese, Nervensystem, Alterung, KMU, Biofeedback, Gesundheit, eHealth
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