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Eine neue Form von Terrorismus antizipieren und Ersthelfermaßnahmen unterstützen

Der Terrorismus entwickelt sich weiter und das Internet bietet Menschen mehr als je zuvor die Möglichkeit dazu, in der Abgeschiedenheit des eigenen Zuhauses selbst Waffen herzustellen. Um dieser schwer auszumachenden Bedrohung begegnen und Herr werden zu können, wurde im Rahmen eines EU-Projekts eine App entwickelt, die Notfalldiensten bei der Erkennung von Gefahren hilft, auf die sie stoßen könnten.
Eine neue Form von Terrorismus antizipieren und Ersthelfermaßnahmen unterstützen
Europa hat in den vergangenen 15 Jahren eine Reihe von Terrorangriffen erlebt, die Explosivstoffe beinhalteten. Die Bombenattentate von Madrid im Jahr 2004, von London im Jahr 2005 und von Oslo im Jahr 2011 zählen zu Beginn dieses Zeitraums zu den bedeutendsten Vorfällen. Die Bombenattentate von Brüssel und Manchester sind zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Gesetzgeber reagieren auf diese Situation und Forscher können diese dabei unterstützen, indem sie wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für Vorschriften und alternative Methoden zur Verfügung stellen, um der Bedrohung durch unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV) entgegenzuwirken.

Im Zuge des EU-finanzierten Projekts EXPEDIA wurde, wie leitende Wissenschaftler Dr. Patrik Krumlinde erklärt, ebendies unternommen: „Wir machten uns daran, ein besseres Verständnis davon zu erlangen, wie Terroristen USBVs herstellen, welche Chemikalien sie als Ausgangsstoffe verwenden und wo diese auf dem freien Markt zu finden sind.“ Das Projekt sollte beweisen, wie einfach USBVs herstellt werden können, welche Grundausstattung erforderlich ist und welches chemische Wissen der Terrorist benötigt.

Hierzu untersuchte das Team von EXPEDIA verschiedene Arten von Rezepturen und Methoden zur Herstellung von USBVs, um deren Erhältlichkeit zu überprüfen. Die Projektpartner beurteilten auch die Ausrüstung und den Ausbildungs- und Kenntnisstand, die der Täter zur Aufbereitung des Materials benötigt. „Wir haben auch Detonationstests durchgeführt, um die Effizienz und Leistung der hergestellten USBVs unter Befolgung verschiedener Rezepturen zu prüfen“, sagt Dr. Krumlinde.

Die Arbeit zeitigt bereits Erfolge. Auf Anfrage hin wurden der EG Empfehlungen für die anstehende Revision der vorhergehenden Verordnung Nr. 98/2013 bereitgestellt. In dem Vorschlag, der aktuell von der EG verfolgt wird, entsprechen drei von vier neuen Verordnungen den Empfehlungen des EXPEDIA-Konsortiums.

„Wir haben auch gezeigt, dass es durch die Verwendung von Additiven, die EXPEDIA als ,Inhibitoren‘ bezeichnet, möglich wäre, die Schwierigkeit der Verwendung gängiger Ausgangsstoffe für die Produktion von USBVs zu erhöhen“, merkt Dr. Krumlinde an.

Eines der Ergebnisse von Projekt EXPEDIA ist die Erstellung eines europäischen Leitfadens für Ersthelfer mit grundlegenden Anweisungen zur Auslegung von Hinweisen an einem Tatort bei der Entdeckung einer mutmaßlichen Bombenherstellungsstätte. Dieser Leitfaden ist in Form einer Smartphone-Anwendung erhältlich, um Polizei- und Rettungskräfte bei der Identifizierung geheimer Labore zu unterstützen.

Aber warum eine App? „Zunächst beabsichtigten wir die Entwicklung einer Broschüre, doch nach der Hälfte des Projekts richteten wir unseren Fokus auf Smartphones. Auch wenn dies heute noch nicht der Fall ist, ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis alle Polizei- und Rettungskräfte über Smartphones verfügen. Dies bietet ein enormes Potenzial als wichtiges Tool für ihre gewöhnliche tagtägliche Arbeit, doch auch für diese Sonderfälle, in denen unser Leitfaden zur Identifizierung möglicher Bombenherstellungsstätten genutzt werden und Rettungsdienste direkt mit Experten in Kontakt treten können“, sagt Dr. Krumlinde.

Das Projekt meisterte mehrere Herausforderungen, um einen Punkt zu erreichen, an dem es möglich ist, einen Beitrag für die Sicherheit der breiten Öffentlichkeit zu leisten. Dr. Krumlinde beschreibt das Finden geeigneter Inhibitoren, die auf die Verwendung mit bestimmten Materialien ausgelegt sind, welche zur Bombenherstellung genutzt werden können, als eine ihrer der größten Herausforderungen. „Die meisten Ausgangsstoffe finden in der Gesellschaft breite Verwendung, und es ist erforderlich, Additive zu finden, die beispielsweise aufgrund von Toxizität keine negativen Umweltauswirkungen haben, während sichergestellt ist, dass deren Zusetzung den Preis nicht in die Höhe treibt.“

Das Team fand verschiedene aussichtsreiche Inhibitoren, doch lediglich einer der drei war gut genug für eine Implementierung in dieser Phase – für die anderen Inhibitoren war weitere Forschungsarbeit erforderlich. Dr. Krumlinde meint, dass die gemeinhin größte Herausforderung im Bereich der Sicherheit von Explosivstoffen darin bestünde, die Forschungsergebnisse in Produkte oder Vorschriften zu verwandeln, die einen positiven Einfluss auf und Beitrag für die Gesellschaft bewirken könnten. Das Projekt ist in dieser Hinsicht erfolgreich gewesen.

Und was ist das wichtigste Ergebnis? Dr. Krumlinde ist sich sicher, was dies anbelangt: „Gemeinsam mit Organisationen in ganz Europa tragen wir Informationen zusammen und kooperieren in diesen Fragen, damit wir die Polizei, Rettungsdienste und Gesetzgeber in ihrer Arbeit für eine sicherere und besser geschützte Gesellschaft unterstützen können.“

Diese Kooperation, die durch die Finanzierung des Projekts ermöglicht wurde, war für den Erfolg des Projekts von entscheidender Bedeutung. Und dieser Erfolg setzt sich laut Dr. Krumlinde fort. „Wir sind an verschiedenen fortlaufenden sicherheitsbezogenen Projekten beteiligt, die Arbeit geht also weiter. Momentan arbeiten wir an der Einrichtung eines europäischen Expertennetzes in diesem Bereich und wir prüfen EU-finanzierte Projektergebnisse, um zukünftige Forschungsinitiativen zu identifizieren.“

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Safety

Schlüsselwörter

EXPEDIA, Sicherheit, Terrorismus, Ausgangsstoffe, Inhibitoren, unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung, USBVs, Ersthelfer, Rettungsdienste, App
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