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H2020

CLIMCONFLICT — Ergebnis in Kürze

Project ID: 709185
Gefördert unter: H2020-EU.1.3.2.
Land: Irland
Bereich: Gesellschaft

Verstehen, ob Umweltbedingungen die Gewaltbereitschaft erhöhen

Der eingeschränkte Zugang zu Ressourcen, bedingt durch den vom Menschen herbeigeführten Klimawandel, wird von vielen als ein kritisches Sicherheitsproblem angesehen. Zu verstehen, ob und auf welche Weise Wetterphänomene in der Vergangenheit Konflikte beeinflusst haben, kann dazu beitragen, zukünftige Krisenherde zu beleuchten.
Verstehen, ob Umweltbedingungen die Gewaltbereitschaft erhöhen
Es gibt bereits Hinweise, dass eine ungleiche Verteilung natürlicher Ressourcen soziale Spannungen auslösen und zu Konflikten führen kann. Aber so logisch es auch ist, eine solche Verbindung herzustellen, so umstritten ist die These von Verbindungen zwischen Klima und Konflikt.

Im Rahmen des Projekts CLIMCONFLICT wurde nun untersucht, wie stark die Bewältigungsstrategien einer mittelalterlichen Gesellschaft durch extreme Wetterbedingungen und deren Auswirkungen auf die Nahrungsmittelerzeugung und -sicherheit beansprucht werden. „Inwieweit Klimabedingungen einen Konflikt beeinflussen können, ist noch nicht hinreichend erforscht“, so Dr. Francis Ludlow, leitender Forscher.

Um alle möglichen Zusammenhänge zwischen Klimaauswirkungen und Konflikten zu identifizieren und zu bestimmen, müssen mehrere Klimaparameter einem breiten Spektrum von Konfliktarten zugewiesen werden: groß oder klein, organisiert oder spontan. „Eine kritische Herausforderung besteht darin, die komplexen Ursachen für Klimakonflikte, die den beobachteten Korrelationen zugrunde liegen, aufzulösen und die sozialen und wirtschaftlichen Kontexte zu erfassen, die die Anfälligkeit für Klimaänderungen und damit auch das Risiko von Gewalt und Konflikten erhöhen.“

Ein schwieriges Puzzle

Im Rahmen des Projekts wurden Ansätze aus der historischen Klimatologie verwendet, um vergangene Klimabedingungen mithilfe von historischen Quellen nachzustellen und herauszufinden, wie diese Bedingungen die Gesellschaft beeinflussten. Die Forscher untersuchten schriftliche Nachweise über die Klimaauswirkungen von explosivem Vulkanismus, die in den mittelalterlichen Chroniken, auch bekannt als irische Annalen, überliefert werden. Darüber hinaus wurden Nachweise über vergangene Klimaextreme in Form von Baumringen analysiert. „Wir haben uns der Geschichte bedient, um mehr darüber zu erfahren, wie sich Menschheit und Umwelt gegenseitig beeinflusst haben.“

Dr. Ludlow fand heraus, dass die irischen Annalen selbst direkte Aussagen liefern, die Wetterbedingungen mit Gewalt und Konflikten in Verbindung bringen. Im Jahr 1465 lag Gewalt zumindest teilweise in der Konkurrenz um die knappen Ressourcen begründet. Die Annalen von Connacht handeln von „großem Frost und Schnee und stürmischem Wetter, so dass kein Kraut im Boden wuchs und kein Blatt an einem Baum keimte bis zum Fest des Heiligen Brendan [16. Mai], aber der Mensch, wenn er stärker wäre, dem Priester in der Kirche gewaltsam das Essen entwenden würde...“

Es existieren weitere Textstellen, in denen eine Verbindung angedeutet wird (z. B. zwischen rauen Wetterbedingungen und dem Überfall der Kirchen im Jahr 1077). Ähnliche Beispiele umfassen Fälle von Binnenwanderung oder Bevölkerungsverschiebungen im mittelalterlichen Irland mit suggestiven Verbindungen zu extremen Wetterbedingungen und/oder Hungersnot.

Die vielfältigen Aufzeichnungen in den irischen Annalen über extreme Niederschläge, Temperaturen, Windstärken und die damit verbundenen Auswirkungen (soziale Unruhen, Knappheit und Hungersnot, Massensterblichkeit) können daher von großem Nutzen sein. Sie können beispielsweise dabei helfen, die soziale Dynamik zu beleuchten, die möglicherweise allen beobachteten Verbindungen zu Klimakonflikten zugrunde liegt. Die Berichterstattung in den irischen Annalen ist trotz ihrer Stärken nicht vollständig überliefert, kann jedoch durch Daten aus natürlichen Archiven ergänzt werden.

Lesen von Baumringen

Das Wachstum irischer Eichen wird durch Wetterbedingungen wie Temperaturen und Niederschläge beeinflusst. In Irland reagieren sie im Allgemeinen am empfindlichsten auf Frühjahrs- und Sommerniederschläge (insbesondere Bodenfeuchtigkeit). Im Rahmen des Projekts wurden Ringbreiten aus dem Zeitraum von 728 bis 748 untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass die Bäume in den Jahren 737 und 738 einen starken Wachstumsrückgang aufweisen. „Dieser Rückgang entspricht einer Größenordnung, die im weiteren Verlauf des ersten Jahrtausends ihresgleichen sucht“, erklärt Dr. Ludlow.

„Trotz des Ausmaßes der Dürre, das aus den Baumringen abgeleitet werden kann, und der Tatsache, dass die irischen Annalen häufig auf das Auftreten von Dürren verweisen, gibt es keine konkreten Überlieferungen über die Wetterbedingungen zu dieser Zeit.“

Erst als Dr. Ludlow seine Suche auf Großbritannien ausweitete, gelang es ihm, eine schriftliche Bestätigung der Eichenanalyse in Form einer Beschreibung aus dem Jahr 737 von einem Fortsetzer Bedes Kirchengeschichte zu finden, die da lautet: „Eine große Dürre, [die] das Land unfruchtbar machte“.

Die irischen Annalen mögen die Dürre nicht erwähnen, aber das bedeutet nicht, dass die Texte aus diesen Jahren nichts darüber zu berichten hätten. In den Annalen von Ulster ist die Zahl der namentlich genannten (und somit elitären) Personen, die während eines Konflikts zwischen 728 und 748 zu Tode kamen, im Allgemeinen eher gering, mit Ausnahme einer auffälligen Zunahme an gewaltsamen Todesfällen im Jahr 738. „Dies“, sagt Dr. Ludlow, „stimmt auffallend mit dem zweiten aufeinanderfolgenden Frühlingssommer der schweren Dürre überein, die unabhängig davon durch die irischen Eichen nachgewiesen werden konnte.“

Heutige Auswirkungen

Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit den bestehenden Nachweisen über Verbindungen zwischen wetterbedingter Knappheit und einem verstärkten (und gewaltsamen) Wettbewerb um knappe Ressourcen aus anderen Regionen und Epochen. „Aber“, fragt Dr. Ludlow, „ist das alles nur ein seltsamer Zufall? Und selbst wenn es in diesem speziellen Fall nicht so ist, müssen wir immer noch herausfinden, ob Dürreperioden oder andere extreme Wetterbedingungen in der Geschichte der Menschheit systematisch mit erhöhter Gewaltbereitschaft und zunehmenden Konflikten zusammenhängen.“

Seiner Ansicht nach ist der Weg nach vorn klar: Wenn wir solche Fragen beantworten wollen, müssen statistische Vergleiche von mehreren Dürrefällen durchgeführt und die zugrunde liegenden historischen sozioökonomischen, kulturellen und politischen Kontexte genauestens untersucht werden, um die Mechanismen zu verstehen, die Extreme mit einem gegebenen sozialen Ergebnis verbinden können. Dr. Ludlow schließt mit den Worten: „Wir müssen verstehen, warum sich diese Ergebnisse über Zeit und Raum hinweg verändern können, und inwiefern vergangene Erfahrungen für unser heutiges Leben relevant sind.“

Schlüsselwörter

CLIMCONFLICT, Klimawandel, Umwelt, Ressourcenknappheit, Konflikt, Krisenherde, soziale Ergebnisse
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