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H2020

Voice Modulation — Ergebnis in Kürze

Project ID: 655859
Gefördert unter: H2020-EU.1.3.2.
Land: Vereinigtes Königreich
Bereich: Gesellschaft

Modulation der Stimme – der richtige Einflussnehmer

Vom ersten Date bis hin zur politischen Debatte – Menschen verändern ihre Stimme, um sich mitzuteilen. Ob nun gewollt oder nicht, das Spiel mit unserem stimmlichen Auftreten hat großen Einfluss darauf, was andere über uns denken.
Modulation der Stimme – der richtige Einflussnehmer
Noch ist bei weitem nicht klar, in welchem Umfang Menschen ihre Stimme in verschiedenen sozialen Kontexten modulieren, um Eigenschaften zu transportieren oder übertrieben herauszustellen, die als wichtig angesehen werden – beim Männern zum Beispiel körperliche Stärke. Forscher des EU-finanzierten Projekts Voice Modulation konnten in diesem Bereich ganz neue Erkenntnisse beisteuern.

Die Präsentation (der Stimme) macht‘s

„Wir haben untersucht, wann, wie und warum Männer und Frauen die non-verbalen Parameter ihrer Stimme – also Tonlage und Timbre – in sozialen Kontexten veränderten“, erklärt Projektkoordinatorin Dr. Katarzyna Pisanski. Im Großen und Ganzen stützen die Ergebnisse die Hypothese, dass die Modulation der menschlichen Stimme in der non-verbalen Kommunikation bei potenziellen Partnern, Kollegen, Freunden, Ranghöheren oder Rivalen erwünschte Verhaltensweisen oder Urteile hervorrufen kann.

Die Längsschnittstudien des Projekts bieten zusätzliche Erkenntnisse dazu, wie sich die Parameter einer Stimme im Laufe des Lebens oder nach einschneidenden Ereignissen wie Pubertät oder Schwangerschaft verändern. Bei der Untersuchung dieser Fragen waren Aufnahmen von Probanden aus der ganzen Welt nötig, u. a. aus Finnland, Polen, dem Vereinigten Königreich, Kanada, China, Kuba, Indien; Tansania und den USA, um die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse sicherstellen zu können.

Ein interessantes Ergebnis hat mit der Tonlage von Männern und ihrem Fortpflanzungserfolg zu tun. Den Ergebnissen zufolge spielen intraindividuelle Unterschiede in der Tonlage eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl des Menschen und beim Wettbewerb um potenzielle Partner. Anscheinend werden diese lange vor der Pubertät, vielleicht sogar bereits im Mutterleib festgelegt. In einer weiteren Studie fanden Dr. Pisanski und ihre Kollegen heraus, dass sich „der Mittelwert, die Spanne und die Variation der Tonlage bei frischgebackenen Müttern nach der Schwangerschaft signifikant absenkten ... [aber] ein Jahr nach der Entbindung wieder in die Ausgangslage zurückgingen.“ Dr. David Reby, Leiter des Sussex Voice Lab, erklärt sich diesen Effekt mit einer Kombination von hormonellen und verhaltensbezogenen Mechanismen (der Stimmmodulation).

Die Ergebnisse der Forscher zeigen auch, dass Menschen aus verschiedenen Kulturen ihre Stimmfrequenzen so modulieren können, dass sie evolutionär und sozial relevante Eigenschaften nachahmen können, wie Männlichkeit, körperliche Größe oder Respekt einflößende Eigenschaften (z. B. Stärke). Menschen können ihre Stimmen auch so verändern, dass sie verschiedene Gefühlszustände überzeugend nachahmen, besonders mit Hilfe von non-verbalen Lauten (z. B. Schreien, Brüllen oder Grunzen). Obwohl viele Tiere ähnliche Laute von sich geben, können nur Menschen dies willentlich tun. Diese höher entwickelte Fähigkeit, die Stimme zu kontrollieren, könnte unsere Vorfahren von anderen Tieren abgehoben haben und eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der gesprochenen Sprache gewesen sein.

Aufmerksamkeit und Wirkung

Die Projektergebnisse wurden bereits in veröffentlichten wissenschaftlichen Forschungsartikeln, begutachteten Artikeln und Aufsätzen in Sammelbänden verbreitet und weitere Beiträge werden derzeit begutachtet oder sind in Vorbereitung. Einer davon ist ein populärwissenschaftlicher Artikel im Atlas of Science.

Die Partner des Projekts Voice Modulation haben ihre Arbeit auch bei internationalen und regionalen Forschungskonferenzen vorgestellt, Institutskolloquien veranstaltet sowie öffentliche wissenschaftliche Ausstellungen und Informationsveranstaltungen organisiert, wie die Royal Society Summer Science Exhibition 2017 in London.

Workshops und Seminare, ergänzt durch eine breite mediale Aufmerksamkeit (traditionelle und soziale Medien), haben ebenfalls dazu beigetragen, die Arbeit und Ergebnisse des Projekts bekannt zu machen. Bemerkenswert ist, dass alle Veröffentlichungen im Rahmen des Projekts sowie alle Rohdaten frei zugänglich sind.

Sozial relevant und in anderen Kulturen gar nicht so anders

Einige Daten, die im Projekt gesammelt wurden, werden zwar aktuell noch analysiert und aufgearbeitet, doch die bisherigen Ergebnisse „deuten darauf hin, dass die Modulation der Stimme ein allen Menschen gemeinsames Verhalten ist“, so Dr. Pisanski. Männer und Frauen können ihre Tonlage und die Resonanz in ihrem Stimmapparat nach Bedarf modulieren (um zum Beispiel kleiner oder größer zu klingen) und tun das auch in allen sozialen Kontexten, sei es bei einem Date oder einem Vorstellungsgespräch. Diese Ergebnisse „bestätigen, dass Menschen über eine beeindruckend stark ausgeprägte willensgesteuerte Kontrolle über ihre Stimme verfügen, nicht nur zum Sprechen und Singen, sondern auch im Kontext non-verbaler sozialer Kommunikation“ – laut Dr. Pisanski eine wichtige Entdeckung.

Die Untersuchungsergebnisse bieten neue Erkenntnisse über die seltene Fähigkeit des Menschen, seine Stimme bewusst kontrollieren zu können, und sprechen nachdrücklich dafür, dass Stimmmodulation ein wirksames und universelles Werkzeug sein kann, wenn wir beeinflussen wollen, wie unser Gegenüber uns wahrnimmt. Solche Ergebnisse „haben offensichtlich weitreichende Folgen für Politik, Marketing und Telekommunikation“, fasst Dr. Pisanski zusammen. Außerdem bieten sie überzeugende Beweise für die evolutionäre Herkunft sowie für die Vorteile dieser komplexen stimmlichen Verhaltensweise.

Die Arbeiten des Projekts werden in einigen Bereichen fortgesetzt. Einer beschäftigt sich mit einer maßgeschneiderten Smartphone App zur einseitigen Aufzeichnung von Stimmen, die von Dr. Pisanski entwickelt wird. Die App wird verwendet, um zu testen, ob Menschen ihre Stimme verändern, je nach dem mit wem sie gerade sprechen. Mit einfachen Anzeigen, die nach einem Anruf auf dem Bildschirm auftauchen, kann der Nutzer ganz leicht den Anlass des Anrufs und sein Verhältnis zum Anrufer angeben. So können die Forscher von Voice Modulation neue Erkenntnisse über das Sozialleben der menschlichen Stimme gewinnen.

Schlüsselwörter

Voice Modulation, soziale Kontexte, non-verbale Kommunikation, Sprache, Sprechen
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