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Koordinierte Bemühungen zur Meeresenergie läuten einen neuen Industriesektor ein

Trotz seiner Geheimnisse stellt das Meer eine komplexe Arbeitsumgebung dar, die der Fischerei, Schifffahrt und Erholung dient, deren Potenzial für die Energieerzeugung allerdings bisher weitgehend unausgeschöpft bleibt. OCEANERA-NET will der Branche den nötigen Auftrieb geben.
Koordinierte Bemühungen zur Meeresenergie läuten einen neuen Industriesektor ein
Die Küstenlinie der Europäischen Union erstreckt sich auf rund 66 000 Kilometer. Dieses weitläufige Gebiet birgt ein überwiegend ungenutztes Potenzial für die Erzeugung von Meeresenergie, das von der GD MARE (der zuständigen EU-Direktion) auf rund 380 GW geschätzt wird und einen wesentlichen Beitrag zu den Zielen der EU für erneuerbare Energien bis 2020 darstellt.

Gegenwärtig gibt es eine Reihe von Mitgliedstaaten, die in die Forschung und Entwicklung von Meeresenergietechnologien investieren. Diese Bemühungen sind jedoch nicht koordiniert und daher auch bei weitem nicht so wirkungsvoll, wie sie sein könnten.
Das EU-Projekt OCEANERA-NET unterstützte Verbundprojekte unter der Leitung von Konsortien transnationaler Unternehmen und Forschungsinstitute, die sich auf die Lösung der wichtigsten Herausforderungen konzentrierten, denen sich die Entwickler von Meeresenergietechnologien gegenübersehen.

Neben dem Finanzierungsrahmen ermöglichte das Projekt auch die Generierung und den Austausch von Wissen und Expertise. Die Projektergebnisse werden zur Zuverlässigkeit, Effizienz und Kostenreduzierung von Meeresenergietechnologien beitragen und sie dadurch ihrer Vermarktung und Nutzung einen Schritt näher bringen.

Bündelung von Ressourcen

Die Meeresenergieindustrie in Europa plant, bis 2050 eine Stromerzeugungskapazität von 100 GW zu erreichen. Dies entspricht 10 % der Nachfrage und deckt den täglichen Stromverbrauch von 76 Millionen Haushalten. Darüber hinaus wird durch diese Initiative ein neuer europäischer Industriesektor mit schätzungsweise 400 000 qualifizierten Arbeitsplätzen entlang der gesamten Lieferkette geschaffen. Bevor es jedoch dazu kommen kann, müssen einige technische Herausforderungen überwunden werden.

Naturgemäß sind die maritimen Räume mit den größten Energiequellen auch die Gebiete, in denen die schwierigsten Arbeitsbedingungen herrschen, abgesehen von zusätzlichen umweltbedingten Problemen wie Korrosion. Hinzu kommt, dass die Wellengröße und -richtung sowie die Turbulenzintensitäten sehr unterschiedlich ausfallen können. Projektkoordinatorin Karen Fraser erklärt: „Es muss ein Gleichgewicht zwischen potentieller Energiegewinnung, Zuverlässigkeit und Überlebensfähigkeit bei Sturm und während Langzeiteinsätzen gefunden werden.“

Trotz zahlreicher Untersuchungen und technischer Experimente, die zu einer Reihe vielversprechender Technologien führten, befinden sich die Innovationen des Sektors immer noch auf der vorkommerziellen Stufe. Insgesamt sind ein höheres Maß an Innovation und weitere Tests von Demonstrationsgeräten erforderlich, um die Kosten so weit zu senken, dass die Meeresenergie wettbewerbsfähiger wird und breiter eingesetzt werden kann.

Im Rahmen der von OCEANERA-NET geförderten Forschung im Bereich der Umwandlung von Wellen-, Gezeiten- und Meereswärme (OTEC) werden neue Energiegeräte, hydrodynamische Modellierungswerkzeuge und Instrumente zur Ressourcenmessung entwickelt, um die Geräteeffizienz zu verbessern. Fortgeschrittene Werkstoffe sowie Schlüsselkomponenten wie Zapfwellen, Steuerungssysteme, elektrische Verbindungen, Verankerungen und ein Roboterarm für Offshore-Einsätze befinden sich ebenfalls in der Entwicklung.

Vielfältige Vorteile

Die Bemühungen von OCEANERA-NET werden europäische Unternehmen dabei unterstützen, globale Märkte zu erschließen, und besitzen zudem das Potenzial, einen völlig neuen europäischen Industriesektor auf den Weg zu bringen. Fraser fasst zusammen: „Dies wird wiederum Beschäftigungsmöglichkeiten in Küstenregionen und abgelegenen Gemeinden schaffen und auf diese Weise zu sozialen Zielen rund um die Erweiterung der Möglichkeiten für eine Vielzahl von Menschen beitragen.“

Da die Energie aus dem Meer gewonnen wird, lässt sie sich auch gut mit den EU-Strategien und -Zielen für erneuerbare Energien und CO₂-Reduktion sowie mit der Entwicklung dekarbonisierter Energiesysteme vereinbaren.

Zur Fortsetzung der Arbeiten wurde vor Kurzem eine Auswahl an Projekten unter der Schirmherrschaft des Folgeprojekts OCEANERA-NET COFUND abgeschlossen, das zukünftig erhebliche Investitionen für Wellen-, Gezeiten- und OTEC-Demonstrationsprojekte erfahren wird, die sowohl von der Europäischen Kommission als auch von nationalen oder regionalen Behörden unterstützt werden. Dies ergänzt weitere nationale und regionale Maßnahmen, die im Rahmen des Umsetzungsplans für Meeresenergie durchgeführt werden, der durch den Strategieplan für Energietechnologie der Kommission entwickelt wurde.

Schlüsselwörter

OCEANERA-NET, Ozean, recycelbar, Energie, Welle, Stromerzeugung, Strom, Erzeugung, Küste, Meer, Dekarbonisierung
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