Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

H2020

FUTURA — Ergebnis in Kürze

Project ID: 700985
Land: Slowenien
Bereich: Gesundheit, Verkehr und Mobilität

Leiserer, sicherer und umweltfreundlicher Güterverkehr

Laute Güterzüge könnten dank eines neuen und wesentlich leiseren Bremssystems bald der Vergangenheit angehören. Weniger Lärm, weniger Wartung und bessere Gesundheit für die umliegenden Gemeinden sind nur einige der sich abzeichnenden Vorteile.
Leiserer, sicherer und umweltfreundlicher Güterverkehr
Die europäische Eisenbahnindustrie modernisiert kontinuierlich ihre Infrastruktur und Ausrüstung, da die Bahnbetreiber modernste Technologien und Innovationen einsetzen. Das von der EU finanzierte Projekt FUTURA hat neue Bremssysteme entwickelt, die Lärm minimieren und effizienter sind. „Güterzüge fahren häufiger nachts und sind zehnmal lauter als moderne Personenzüge“, sagt Projektkoordinator Ivan Smolej. „Wir haben eine neue Generation von Bremsscheiben für Güterwaggons entwickelt, die den Lärm deutlich reduzieren, kürzere Bremswege bieten, höhere Geschwindigkeiten ermöglichen, die Wartung erleichtern und die Sicherheit erhöhen“, ergänzt er.

In jeder Hinsicht bessere Bremsen

Die neuen zweigeteilten Bremsscheiben für Güterzüge (divided rail freight brake, DRFB) können Lärm um bis zu 10 Dezibel reduzieren und die Geschwindigkeit für Güterzüge auf bis zu 160 km/h erhöhen. „Die Bremsscheiben sind leichter, wodurch mehr Tonnage für den Transport von Gütern zur Verfügung steht“, erklärt Smolej. Das Projektteam entwickelte und testete fünf verschiedene Prototypen von Bremsscheiben, die die ursprünglichen Projektziele erfüllten oder übertrafen. Die Untersuchung umfasste Interviews mit Kunden und Marktanalysen, die unter anderem CO2-Reduktion, Energieverbrauch, Millionenstädte, Bevölkerungsalterung und natürlich Lärmminderung thematisierten.

„Wir haben die Prototypen auf zwei reduziert: einen mit einer Bremsplattenbreite von 170 mm und den anderen mit 110 mm, die beide anspruchsvolle Prüfstandsteste und Live-Tests bestanden haben", verrät Smolej. Die 170-mm-Platte erreichte 22,7 % weniger Masse, 21 % weniger Luftwiderstand und 17,3 % mehr Verlustleistung im Vergleich zu herkömmlichen Scheiben. Die 110-mm-Platte, nach der laut Forschung große Nachfrage herrschte, erzielte noch bessere Ergebnisse: 34,5 % weniger Masse, 34 % weniger Luftwiderstand und 32,7 % thermische Verlustleistung. Beide Modelle können eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h bewältigen.

Bemerkenswert ist auch, dass sich der Bremsweg eines Güterzuges um 11 % verringert, was langfristig für 7 % weniger Unfälle nach dem Projekt sorgt, während die Vibrationen um 14 % abnehmen. Eine bessere Wärmeableitung verbessert die Betriebssicherheit des Bremssystems, da sich die Bremsen nicht überhitzen und wesentlich seltener ausfallen.

Kommerzialisierung in vollem Gange

Die heutigen neuen Güterwaggons sind meist mit weniger effizienten und kostengünstigeren K-Sohlen ausgestattet. Die DRFB-Scheibenbremsen des Projekts stellen das derzeit modernste Bremssystem für Güterzüge dar, bei dem der Bremskranz aus einem Stück besteht. „Dies ermöglicht einen viel breiteren Einsatz von Scheibenbremsen, da sie zu einem besseren Preis als K-Sohlen vermarktet werden“, sagt Smolej.

Wenn DRFB auf den Markt kommt, wird das Konsortium weltweit der einzige Anbieter dieses Bremsscheibentyps sein. „Die Kommerzialisierung von DRFB-Scheiben, die deutlich geringere Lebenszykluskosten aufweisen als die K-Sohlen, macht diese obsolet", betont er.

In den nächsten fünf Jahren will das Projektkonsortium 45 % aller neuen Güterwagen mit DRFB-Bremsscheiben ausstatten. „Daraus ergeben sich weitere Vorteile wie kürzere Bremswege, ein Schienengüterverkehr mit größerer Sicherheit, geringere Lärm- und Vibrationspegel und bessere finanzielle Ergebnisse für Anbieter und Nutzer von Schienentransporten“, so Smolej.

Bereits jetzt ist das Konsortium auf großes Interesse auf dem europäischen Markt gestoßen, insbesondere in Österreich, Frankreich, Deutschland und der Schweiz, wo der Lärmpegel von Güterzügen bis zum Jahr 2025 auf 8-10 dB gesenkt werden muss. In Deutschland und der Schweiz sollen bis 2025 80 % aller Güterwaggons als „still oder lärmfrei“ eingestuft werden, was insgesamt 180 000 Wagen entspricht.

Gewinner sind Gesundheit und Umwelt

Lärmbelästigung durch Güterzüge beeinträchtigt die Gesundheit von Millionen Menschen, die in der Nähe von Bahngleisen leben oder arbeiten. Es wird erwartet, dass DRFB-Bremsscheiben die Lebensqualität und Sicherheit von mehr als 55 Millionen EU-Bürgern verbessern werden. „Die sozialen Kosten des Eisenbahnlärms in der EU belaufen sich auf mindestens 2,4 Mrd. EUR pro Jahr. Das ist ein beträchtliches Budget, das für die Heilung verschiedener Krankheiten verwendet werden könnte, die durch hohe Lärmbelastung verursacht werden, von Angstzuständen und Schlafstörungen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Smolej.

Nicht zuletzt ist die Eisenbahn sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr der umweltfreundlichste Verkehrsträger. DRFB-Bremsscheiben werden eine entscheidende Rolle bei der Fortentwicklung dieses großartigen Verkehrsträgers spielen.

Schlüsselwörter

FUTURA, Güterzug, DRFB, Bremssystem, Bahn, Scheibenbremsen, Gleis, Schienenverkehrslärm
Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben