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Bessere Bereitschaft und Notfallpläne bei Pandemien

Vor 100 Jahren steckten sich bei einem Ausbruch der Influenza (der Spanischen Grippe) etwa 500 Millionen Menschen an – 50 bis 100 Millionen starben. Wie gut sind wir darauf vorbereitet, wenn jetzt – zufällig oder vom Menschen verursacht – eine Pandemie ausbrechen sollte? PANDHUB wollte unsere Chancen verbessern.
Bessere Bereitschaft und Notfallpläne bei Pandemien
Trotz der modernen medizinischen Fortschritte bei Prävention und Behandlung ist das Risiko einer schweren Pandemie wegen der ständig steigenden Anzahl von Weltreisenden größer denn je. Krankheiten wie Influenza oder die Pocken könnten sich durch zufälligen Kontakt oder gezielte Handlungen ausbreiten. Zu den wahrscheinlichsten Gefahrenherden für schnelle Ansteckung gehören Verkehrsknotenpunkte wie Flughäfen oder Bahnhöfe.

Das EU-finanzierte Projekt PANDHUB wurde ins Leben gerufen, um Werkzeuge zu entwickeln, mit denen Verkehrsbetreiber und -behörden, die mit der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit betraut sind, besser vorbereitet sein und Notfallpläne erstellen können. Das Projekt hat ein IT-System zur Datensammlung, ein Werkzeug zur Gefahrenanalyse und ein Rahmenkonzept zur Identifizierung von Gefahrenherden entwickelt und konnte somit erfolgreich Erkenntnisse zur Übertragung von Krankheiten in solchen Kontexten liefern. Außerdem erstellte es Leitlinien zum Schutz von Menschen und Infrastruktur sowie für die Dekontaminierung.

Ein integrierter Ansatz für mehr Widerstandskraft der Gesellschaft

PANDHUBs Ziel waren vereinfachte koordinierte Sammlung, Erfassung und Analyse von Daten, mit denen schnelle epidemiologische Untersuchungen möglich sein sollten. Dabei sollte eine große Bandbreite von Technologien und Fachkenntnissen eingesetzt werden, mit denen Behörden einem Ausbruch oder einer Freisetzung von Krankheiten, die zur Pandemie werden könnten, begegnen können.

Zuerst entwickelte das Team ein Rahmenkonzept, das die einzelnen Phasen des Pandemiemanagements aufschlüsselte. Zur Erklärung des gewählten Ansatzes sagt Projektkoordinator Ilpo Kulmala: „Wir haben einen ‚Kreislauf‘ an Anforderungen für die Gefahrenanalyse von Krankheiten, Vorbereitung, Reaktion und Nachsorge berücksichtigt, sodass wir zu jeder Phase die jeweils notwendigen Maßnahmen vorsehen konnten. Daraus konnten wir dann die am besten passenden Werkzeuge entwickeln.“

Für die Bereitschaftsphase haben sie zum Beispiel mit Modellierung gearbeitet, um die Ausbreitung der mikrobiellen Kontamination zu simulieren und die wahrscheinliche Wirkungskraft der Gegenmaßnahmen analytisch zu bewerten. Für Aufgaben in der Reaktionsphase wurden IT-Tools zur schnellen Erhebung und zum schnellen Austausch von Daten entwickelt. Außerdem wurden evidenzbasierte praktische Leitlinien zum Schutz von Menschen entworfen, die detaillierte Anweisungen enthalten, wie sich das Risiko einer Ansteckung mit einer infektiösen Krankheit in einem überfüllten Verkehrsknoten minimieren lässt. Zusätzlich beschrieb ein Handbuch zur Dekontaminierung und Desinfektion angemessene Reinigungsmethoden für verschiedene Arten der Kontamination.

Kulmala fügt hinzu: „Die Tauglichkeit und Robustheit des Gesamtpakets wurde durch frühzeitige und enge Zusammenarbeit mit Beförderungspersonal und anderen Endnutzern sichergestellt. Auch die Realisierbarkeit wurde bestätigt, indem wir die lokalen und nationalen praktischen, rechtlichen und ethischen Konsequenzen, die notwendigerweise bei multinationalen Vorfällen und Reaktionen eine Rolle spielen, geprüft und integriert haben.“

Das Projekt trug zu dieser internationalen Dimension der Epidemiologie und ihren verschiedenen rechtlichen und kulturellen Kontexten bei, indem Teilnehmer aus drei europäischen Ländern einbezogen wurden: Finnland, dem Vereinigten Königreich und Frankreich. In der Verbindungsgruppe der Interessengruppen waren außerdem Repräsentanten aus anderen Ländern sowie vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten beteiligt.

Aufgrund großer Sensibilität für internationale Bedürfnisse entstand das oben genannte Werkzeug zur Erhebung und zum Austausch von Daten in verschiedenen Sprachen, sodass derselbe Fragebogen in verschiedenen Ländern eingesetzt werden konnte und Daten somit präziser grenzüberschreitend ausgetauscht werden konnten. Außerdem wurden internationale Kommunikationsprotokolle bei ernsten Gesundheitsgefahren daraufhin untersucht, ob der Informationsfluss wirksam, schnell und präzise funktioniert.

PANDHUB hat die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft gegen Pandemien gestärkt und somit zur Aufrechterhaltung einer der zentralen Säulen der Europäischen Union beigetragen – dem freien und sicheren Personenverkehr. Kulmala fasst zusammen: „Sollte eine Pandemie ausbrechen, werden die epidemiologischen Werkzeuge von PANDHUB, einschließlich der Ermittlung infizierter Personen und vieler wirksamer Methoden zur Reinigung kontaminierter Stätten, eine effiziente und schnelle Reaktion auf grenzüberschreitende Vorfälle erleichtern, somit die Ausbreitung eindämmen und Leben retten.“

Verwandte Informationen

Fachgebiete

Safety

Schlüsselwörter

PANDHUB, Pandemie, Epidemie, Terrorismus, Krankheit, Krankheitserreger, Verkehr, Knotenpunkt, Kontamination, Ausbreitung, Epidemiologie, Eindämmung
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