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H2020

East-West — Ergebnis in Kürze

Project ID: 658303
Gefördert unter: H2020-EU.1.3.2.
Land: Deutschland
Bereich: Gesellschaft

Von chinesischen Lehrern lernen

Es wird weithin angenommen, dass chinesische Schüler in Mathematik bessere Leistungen erbringen. Ein EU-Team wollte herausfinden, ob das stimmt und ob chinesische Lehrmethoden auf Europa übertragbar wären.
Von chinesischen Lehrern lernen
Sogar das deutsche Schulsystem, eines der besten in Europa, steht unter Druck. Gleichzeitig schneiden chinesische Schüler Berichten zufolge in Tests ihrer mathematischen Fähigkeiten deutlich besser ab als Gleichaltrige im Westen. Für europäische Bildungsforscher ist bereits die Vermutung, dass es einen derartigen Unterschied geben könnte, ein willkommener Anlass, das Thema genauer zu untersuchen.

Das EU-finanzierte Projekt East-West hat das Verhältnis von Lehrerkompetenz und Fortschritten der Schüler in beiden Ländern betrachtet. In der Studie wurden diese Unterschiede in den jeweiligen kulturellen Kontexten sowie die Frage, ob beide Systeme sich gegenseitig befruchten könnten, untersucht.

Lehrern beim Lehren zuschauen

„Wir wissen nicht, ob eine chinesische Lösung in Deutschland passend wäre“, sagt Projektleiterin Professor Gabriele Kaiser. „Es gibt sehr große kulturelle Unterschiede. Aber manche Strategien der Chinesen könnten uns Hinweise geben, wie der Mathematikunterricht in Deutschland verbessert werden könnte.“

Die Studie greift auf TED-M zurück: einen früher entwickelten Test für die professionelle Kompetenz von Lehrern. Mit der neueren Version, TED-FU, werden drei bis vier Minuten lange Videos von unterrichtenden Lehrern auf eine sehr wichtige Unterrichtspraxis namens „Lehrerwahrnehmung“ hin analysiert, also wann und wie der Lehrer wichtige Ereignisse im Klassenraum registriert und entsprechend reagiert. An der Studie nahmen 203 chinesische und 118 deutsche Lehrer teil.

Da es schwierig war, Mitarbeiter zu finden, die sowohl Deutsch und Chinesisch als auch Mathematik beherrschten, arbeitete das Team mit Mathematikstudenten, die das Deutsche ins Englische dolmetschten. Später übersetzte East-West das Englische ins Chinesische. „Wir wurden auch von vielen chinesischen Schulen und Bezirken abgewiesen und es hat länger gedauert als gedacht, bis wir Zugang bekamen“, merkt Prof. Kaiser an. „Manchmal ist für diese Studien mehr Zeit nötig als die normalen Förderprogramme es zulassen.“

Die Studie ging davon aus, dass Lehrerkompetenz sehr facettenreich ist; das Konzept umfasst daher Kenntnisse und Fähigkeiten des Lehrers sowie kulturelle Elemente. Doch die ersten Ergebnisse konnten das Rahmenkonzept zur Bewertung der Kompetenz chinesischer Mathematiklehrer validieren. Mithilfe des Rahmenkonzepts stellten die Projektforscher einige Überschneidungen zwischen deutschen und chinesischen Lehrern fest, aber auch erhebliche Unterschiede. Chinesische Lehrer sind offenbar besser in der Lage, das Lehren kritisch zu betrachten und zu bewerten sowie neue Programme zu erstellen. Deutsche Lehrer konnten besser Probleme mit Bezug auf das allgemeine Lehren wahrnehmen, während chinesische Lehrer in mathematikspezifischen Kontexten besser abschnitten.

Die Lehrerausbildung weiterentwickeln

„Bisher erlauben unsere Ergebnisse keine weitreichenden Empfehlungen hinsichtlich eines Kulturwandels, da die Kultur ja auch sehr schwer zu ändern ist“, so Prof. Kaiser. „Wir empfehlen aber, ein paar Veränderungen in der Bildungspolitik und im Lehrplan der Lehrerausbildung.“

Das Team hat herausgefunden, dass gute mathematische Kenntnisse des Lehrers nicht automatisch eine effektive Wahrnehmung im Klassenraum bedeuten. Daher sind wohl Reformen im deutschen Mathematiklehrplan notwendig, um dieses Verhältnis stärker auszubilden und das Lehren zu verbessern.

Anderen Ergebnissen zufolge ist es für die Entwicklung der Lehrerwahrnehmung wichtig, dass das Unterrichten von Mathematik praktisch im Klassenraum geschult wird. Angehende Lehrer in Deutschland könnten daher von der Einführung chinesischer Ansätze profitieren, wie zum Beispiel Hospitation und/oder verstärkten Mentorenprogrammen.

Das Team von East-West sammelt und analysiert weiterhin Daten. Zukünftig könnten die Forschungsarbeiten die professionellen Kompetenzen in Deutschland und China noch spezifischer aufschlüsseln und deren Wirkung auf die Leistung der Schüler identifizieren.

Die Untersuchung internationaler Unterschiede bei pädagogischen Methoden ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Verbesserungen in der Bildung. Dank des Projekts East-West können europäische Forscher jetzt besser abschätzen, ob chinesische Ansätze in Europa funktionieren könnten.

Schlüsselwörter

East-West, Lehrer, Mathematik, chinesische Lehrer, Mathematiklehrer, Lehrerwahrnehmung, deutsche Lehrer, TED-FU
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