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H2020

TraumiR — Ergebnis in Kürze

Project ID: 707362
Gefördert unter: H2020-EU.1.3.2.
Land: Niederlande
Bereich: Gesundheit

PTBS mit miRNA vorhersagen

Die Forscher des EU-finanzierten TraumiR-Projekts arbeiten daran, festzustellen, ob Mikroribonukleinsäuren dabei behilflich sein könnten, die Anfälligkeit von Personen für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung vorherzusagen.
PTBS mit miRNA vorhersagen
Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung, die sich manifestieren kann, wenn Betroffene einem bedrohlichen traumatischen Ereignis wie z. B. einem Gefecht, einem Angriff oder einer Naturkatastrophe ausgesetzt sind. Die Erkrankung zeichnet sich durch Symptome wie das erneute Durchleben des traumatischen Ereignisses über Flashbacks oder wiederkehrende Albträume, das konstante Verdrängen des Ereignisses, negative Stimmung und heftige Erregung aus.

Auch wenn 40 bis 90 % der Menschen irgendwann einmal im Leben einem traumatischen Ereignis ausgesetzt sind, entwickelt sich nur bei einem Bruchteil (7 % und 12 %) davon eine PTBS. Menschen mit einer PTBS haben jedoch ein sechsmal höheres Risiko, Selbstmord zu begehen, und der jährliche Produktivitätsverlust wird auf rund 3 Milliarden USD geschätzt. „Da es keine endgültige Heilung oder effektiven Behandlungen für jeden Patienten gibt, müssen wir uns auf effektive präventive Strategien, frühe Interventionen und personalisierte Medizin fokussieren“, sagt TraumiR-Projektkoordinator Laurence de Nijs. „Um dies zu erreichen, müssen wir Marker identifizieren, die zwischen Personen mit einem hohen und geringen Risiko für die Entwicklung einer PTBS im Anschluss an eine Traumaexposition unterscheiden - genau dem widmete sich das TraumiR-Projekt.“

Das Potenzial von miRNA

Das Ziel des EU-finanzierten Projekts TraumiR (microRNAs in susceptibility to traumatic stress) bestand darin, zu bestimmen, ob Mikroribonukleinsäuren (micro ribonucleic acids, miRNAs) als Biomarker für die Anfälligkeit der Entwicklung einer PTBS dienen könnten. Zur Identifizierung von miRNA-Kandidatenmolekülen, die mit der Anfälligkeit zur Entwicklung einer PTBS nach traumatischem Stress beim Menschen assoziiert sind, verwendeten die Forscher Blutproben von einer großen Kohorte von etwas mehr als 1 000 niederländischen Berufssoldaten, die in einem aktiven Konfliktgebiet in Afghanistan im Einsatz waren. Obwohl die meisten der Soldaten einem Trauma ausgesetzt waren, zeigten nur manche Anzeichen einer PTBS.

Unter Verwendung moderner Sequenzierungsverfahren und Bioinformatikwerkzeuge identifizierten die Forscher verschiedene miRNA-Typen, bei denen der Blutspiegel zwischen Personen, die eine PTBS erlitten hatten und Personen mit einer guten psychischen Gesundheit, Unterschiede zeigte. Als diese Ergebnisse beim Menschen mit Ergebnissen von drei PTBS-Tiermodellen verglichen wurden, entdeckten die Forscher eine bei Maus und Mensch vorhandene miRNA.

Diese Ergebnisse wurden daraufhin eingehender mit miRNA-Profilen in der Amygdala verglichen, einer Hirnregion, die an der Entwicklung von PTBS beteiligt ist. Dies führte zur Auswahl einer potenziellen miRNA für weiterführende Forschung.

„Letztlich konnten wir demonstrieren, dass diese miRNA das stressbezogene abnormale Gedächtnis in Verbindung mit einer PTBS reguliert“, sagt de Nijs. „Diese interessanten Ergebnisse werden derzeit im Rahmen einer Kohortenstudie an Veteranen der US-Marines repliziert und validiert.“

Potenziell große Auswirkungen

Abgesehen von der Bereitstellung neuer Einblicke in die biologischen Mechanismen, die der unterschiedlichen Anfälligkeit gegenüber traumatischem Stress zugrundeliegen, stellte das TraumiR-Projekt auch den ersten Schritt in Richtung klinische Anwendung dar. Im Zuge des Projekts wurden Kandidaten-miRNA-Profilen im Blut identifiziert, welche Prognosen zur Anfälligkeit gegenüber traumatischem Stress ermöglichen könnten. Dies legt nahe, dass miRNAs potenziell als Biomarker fungieren könnten.

Dank dieser Forschung könnte es bald möglich sein, Prognosen in Bezug auf Personen mit größerer Anfälligkeit für die Entwicklung einer PTBS zu verbessern. Dies bedeutet, dass betroffene Personen von resilienten Personen durch einen einfachen Bluttest unterschieden werden können. Falls die Entwicklung und Validierung eines solchen Biomarkers möglich ist, könnte dies wichtige Auswirkungen in diesem Bereich zeitigen. „In Anbetracht der relativ einfachen und objektiven Messung von miRNAs im Blut könnte diese Screening-Methode auf große Gemeinschaften anwendbar sein, und somit enorme Auswirkungen auf Risikopopulationen haben“, sagt de Nijs. „Wenn man die hohe Prävalenz von PTBS und die enorme Belastung durch PTBS bedenkt, könnte eine potenzielle Reduktion im Auftreten von PTBS um lediglich 5 % bereits immense Auswirkungen auf unsere Gesundheit und Gesellschaft haben.“

Schlüsselwörter

TraumiR, posttraumatische Belastungsstörung, PTSD, psychische Gesundheit
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