Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienst der Gemeinschaft - CORDIS

H2020

EUthyroid — Ergebnis in Kürze

Project ID: 634453
Gefördert unter: H2020-EU.3.1.2.
Land: Deutschland
Bereich: Gesundheit, Gesellschaft

Die erste Europakarte zum Thema Jodmangel

Jodmangel ist weltweit die häufigste Ursache von eigentlich vermeidbaren Hirnschäden. Das EU-finanzierte Projekt EUthyroid hat die erste gemeinsame europäische Datenbank erstellt, die Informationen zum Status der Jodversorgung und zur Anzahl von Schilddrüsenerkrankungen liefern kann.
Die erste Europakarte zum Thema Jodmangel
Jodmangel kann zur Entwicklung von Störungen wie Struma, Schilddrüsenfehlfunktion oder Kretinismus führen. Obwohl dem leicht durch Anreicherung von Speisesalz, Gewerbesalz oder Viehfutter mit Jod vorzubeugen wäre, zeigt sich in Europa ein schwerer Rückgang der Jodversorgung in der Bevölkerung. Bis zu 360 Millionen Bürger Europas sind von Störungen auf Grund von Jodmangel betroffen. Zusätzlich sind die Kosten für die Behandlung dieser Patienten für die Gesundheitssysteme beträchtlich. Ein wirksames EU-weites Überwachungsprogramm wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Ausrottung von Störungen aufgrund von Jodmangel und könnte der EU-Wirtschaft sowie den Gesundheitssystemen deutliche Vorteile bringen.

Die jeweils existierenden Ansätze zur Absicherung einer ausreichenden Jodaufnahme in den europäischen Ländern müssen dringend harmonisiert werden, wenn Störungen aufgrund von Jodmangel verhindert werden sollen. Das Projekt EUthyroid hat aus registerbasierten Studiendaten zum Jodstatus in Europa eine gemeinsame europäische Datenbank erstellt.

Jod ist ein lebensnotwendiger Mineralstoff unserer Ernährung, ohne den weder eine normale Schilddrüsenfunktion noch die Steuerung des menschlichen Stoffwechsels möglich sind. Es ist ein Hauptbestandteil der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3). „Wir wollten mit unserer Studie nationale und regionale Daten zum Jodstatus und Schilddrüsenstörungen aus bis zu 56 Untersuchungen in 27 Ländern harmonisieren und einen belastbaren Überblick über den aktuellen Status von Störungen aufgrund von Jodmangel in Europa liefern“, sagt Projektkoordinator Professor Völzke.

Überwachung des Jodstatus in Europa

Das Projekt EUthyroid hat durch die Sammlung quantitativer Informationen zum sozioökonomischen Status von Kindern und Erwachsenen die Harmonisierung der Studien vorangebracht. Außerdem bietet es ein Lehrvideo mit Leitfaden für Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse sowie ein Online-Schulungsprogramm und Zertifizierungsinstrument für Ultraschalluntersuchungen.

Das Team hat ein ELISA-Testsystem mit getrockneten Blutstropfen entwickelt, mit dem sich der Referenzbereich von Thyroglobulin, also dem wichtigsten Protein zur Bindung der Schilddrüsenhormone, für schwangere Frauen und Frauen im gebärfähigen Alter validieren lässt. „Das größte Problem, auf das wir gestoßen sind, war die extreme Heterogenität der Registerdaten, in denen Informationen zu Krankheiten und Behandlungen kodiert waren. Trotzdem konnten wir die Daten aus drei großen europäischen Geburtskohortenstudien in den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Spanien in einem großen Datensatz zusammenfassen“, so Professor Völzke. „Daraus ergab sich ein grundlegender Nachweis der Wirkung der Schilddrüsenfunktion auf den IQ von Kindern und das Risiko für Verhaltensstörungen bei mehr als 9 500 Müttern und ihren Kindern. Das gab uns die Möglichkeit, die Wirkung von niedriger Jodversorgung der Mutter auf die Entwicklung des Nervensystems zu untersuchen“, so Völzke weiter.

EUthyroid in der Öffentlichkeit

Die Projektmitglieder nutzten eine kombinierte Verbreitungsstrategie und wendeten sich über viele verschiedene Medien an politische Entscheidungsträger, Interessengruppen und die breite Öffentlichkeit. Dazu gehörten Projektwebsites, wissenschaftliche Veröffentlichungen, die nationale Presse, Fernsehen und soziale Medien.

„Wir hatten Gelegenheit, die Krakauer Erklärung zu Jod von 2018 zu unterstützen, die erste offizielle Erklärung mit Empfehlungen für die Prävention von Jodmangelstörungen und die Absicherung eines ausreichenden Jodstatus in Europa“, sagt Professor Völzke. Dieses Dokument umfasste drei Hauptteile, die sich mit der Methodik, Steuerung und Förderung der Jodmangelprävention beschäftigten. Damit wurde die Prävention von Jodmangelstörungen und Schilddrüsenerkrankungen auch aus politischer Perspektive vorangebracht.

EUthyroid hat die bisher tiefgründigste Analyse von Jodmangel durchgeführt und das erste europäische Netzwerk zur Sammlung und Verbreitung von Informationen zum Thema Jodmangel in ganz Europa geschaffen. Es ist zu erwarten, dass die Infrastruktur von EUthyroid Europa noch so weit voranbringen kann, dass es weltweit Vorreiter in der Jodmangelprävention wird.

Schlüsselwörter

EUthyroid, Jod, Jodmangel, Europa, Harmonisierung
Folgen Sie uns auf: RSS Facebook Twitter YouTube Verwaltet vom Amt für Veröffentlichungen der EU Nach oben