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H2020

COMBI — Ergebnis in Kürze

Project ID: 649724
Gefördert unter: H2020-EU.3.3.6.
Land: Deutschland
Bereich: Energie

Eine öffentlich zugängliche Datenbank zeigt die Mehrfachwirkungen der Energieeffizienz auf

Das COMBI-Projekt hat vor Kurzem drei Jahre Forschung zu den Mehrfachwirkungen der Energieeffizienz abgeschlossen. Die Ergebnisse des Konsortiums ergänzen die bereits lange Liste der Vorteile eines Übergangs hin zu einer energieeffizienteren Europäischen Union.
Eine öffentlich zugängliche Datenbank zeigt die Mehrfachwirkungen der Energieeffizienz auf
Der Klimawandel, die Wirtschaftskrise, die Katastrophe von Fukushima und die starke Abhängigkeit der EU von externen Lieferanten für Öl und Gas sind nur einige der Ereignisse, die die Energieeffizienz von einem noblen Ideal zu einem Selbstläufer gemacht haben. Aber obwohl das Engagement der EU für Energieeffizienz unerschütterlich scheint, ist die traurige Wahrheit, dass ihr Potenzial noch weitgehend unterschätzt wird.

Wenn man über Energieeffizienz nachdenkt, sind es oft Vorteile wie niedrigere CO2-Emissionen und Produktionskosten, die einem als erstes in den Sinn kommen. Dabei ist das noch längst nicht alles: Beschäftigung; Gesundheit; BIP; Energieimport; Kohlenstoffpreise; Wettbewerbsfähigkeit; Luftverschmutzung und die Kosten der Energiewirtschaft sind alles Punkte, die durch Veränderungen der Energieeffizienz beeinflusst werden. Und während die Europäische Kommission kürzlich damit begonnen hat, einige dieser sogenannten Mehrfachwirkungen in ihren Folgenabschätzungen zu berücksichtigen, werden viele von ihnen immer noch übersehen, insbesondere auf nationaler Ebene.

„Die Realität ist, dass Mehrfachwirkungen auch mehr Komplexität mit sich bringen. Anstatt nur die Energieeffizienz und einige wenige Schlüsselwirkungen zu betrachten, müssen plötzlich viele Politikfelder/-bereiche verbunden werden, die oft außerhalb des Geltungsbereichs, des Interesses und der Expertise relevanter politischer Entscheidungsträger, Medien oder Wissenschaftler liegen“, stellt Dr. Stefan Thomas, Direktor der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik des Wuppertal Instituts, mit Bedauern fest. Das derzeitige Fehlen eines Standardsatzes von Indikatoren und Verfahren zur Berechnung der Energiekosteneinsparungen sowie die Nichtverfügbarkeit von Methoden und Daten zu Mehrfachwirkungen verkomplizieren die Dinge noch weiter.

Um dieses Problem zu lösen, haben Dr. Thomas und seine Partner im Rahmen des COMBI-Projekts ein Expertenteam aus allen relevanten Bereichen zusammengestellt. Das Team sammelte Daten zu 21 Energieeffizienzmaßnahmen für die 28 EU-Mitgliedstaaten und entwickelte zwei Szenarien für 2030 – die COMBI-Referenz- und Effizienzszenarien.

„Von diesem Zeitpunkt an quantifizierten wir die Energieeinsparungen und Investitionen, die in jedem Szenario für jede Maßnahme und jeden Mitgliedstaat erforderlich sind. Anschließend modellierten die Experten Auswirkungen in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Diese beinhalteten sowohl physische Indikatoren als auch Monetarisierung, wo dies möglich war. Schließlich haben wir alle Ergebnisse in einer gemeinsamen Datenbank zusammengefasst, jegliche Überschneidungen beseitigt und ein Online-Tool entwickelt, das alle Auswirkungen in Form von Grafiken und Zahlen zugänglich macht. Dies ist eine echte Innovation, die auch für offizielle KOM-Folgenabschätzungen sehr hilfreich wäre“, erklärt Dr. Thomas.

Ein auffallendes Ergebnis des Projekts liegt darin, wie Mehrfachwirkungen den wirtschaftlichen Nutzen der Energieeffizienz für die Gesellschaft im Durchschnitt um etwa ein Drittel steigern. „Natürlich variieren die Auswirkungen zwischen Ländern, Sektoren oder einzelnen Maßnahmen. Die gesundheitlichen Auswirkungen einer modalen Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene werden im Hinblick auf die Luftverschmutzung beispielsweise vom Ausmaß der bereits erfolgten modalen Verlagerung abhängen. Darüber hinaus sind viele Auswirkungen nicht linear. Allerdings kommen die absoluten Ergebnisse den geplanten Auswirkungen des neuen Energieeffizienzziels von 32,5 % für 2030 in der überarbeiteten Energieeffizienzrichtlinie sehr nahe“, betont Dr. Thomas.

Die Rückmeldungen der Interessengruppen waren bisher sehr positiv. Mehrere Personen der GD Energie bekundeten ihr Interesse an den Projektergebnissen, während Forscher und mehrere Organisationen die Ergebnisse des Projekts bereits zur Förderung und Verbreitung von Informationen über Energieeffizienz aufgegriffen haben. Die Ergebnisse von COMBI sollen sogar der deutschen Expertenkommission für Kohleausstiegspläne vorgelegt werden.

„Kurzfristig gesehen werden wir die Projektergebnisse weiter verbreiten. Wir konnten im Rahmen des europäischen Programms Horizont 2020 für 2018 keinen geeigneten Aufruf für ein Folgeprojekt ermitteln, aber wir werden weiterhin nach Möglichkeiten auf europäischer und nationaler Ebene suchen“, schließt Dr. Thomas.

Schlüsselwörter

COMBI, Energieeffizienz, Mehrfachwirkungen, Bewertung, Tool
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