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H2020

IMMPACT — Ergebnis in Kürze

Project ID: 672454
Land: Schweden
Bereich: Gesundheit

Neue Früherkennungstechnologie könnte Überlebenschancen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen

Ein EU-Projekt hat gezeigt, wie Bauchspeicheldrüsenkrebs im Frühstadium erkannt werden kann, und damit zukünftige Früherkennungsuntersuchungen für gefährdete Bevölkerungsgruppen in Aussicht gestellt.
Neue Früherkennungstechnologie könnte Überlebenschancen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist in Europa die vierthäufigste Todesursache bei Krebspatienten, mit der niedrigsten Überlebensrate aller Krebsarten. Das EU-finanzierte Projekt IMMPACT wollte die Frühdiagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Hilfe einer Biomarkersignatur im Serum klinisch validieren. Diese Signatur geht von der körpereigenen Detektionsfähigkeit aus und nutzt eine der weltweit fortschrittlichsten Microarray-Plattformen mit rekombinanten Antikörpern. Im Projekt wurde die weltweit größte restrospektive Studie zum Nachweis des duktalen Adenokarzinoms des Pankreas (PDAC) im Stadium I und II durchgeführt und 96 %-ige Genauigkeit erzielt.

IMMPACT hat zudem damit begonnen, die Kommerzialisierung des wichtigsten Bestandteils der zugrundeliegenden Technologie vorzubereiten – der Antikörper-Array-Plattform IMMrayTM. Es wurde bereits gezeigt, dass diese Plattform kaum technische Schwankungen aufweist und sehr robust ist. Nun wurde eine topmoderne Variante für den klinischen Einsatz fertiggestellt.

Der blutbasierte IMMrayTM-Test soll Bauchspeicheldrüsenkrebs im Frühstadium nachweisen, wenn der Krebs noch operabel ist. Das könnte die Überlebensraten nach fünf Jahren deutlich verbessern – aktuell liegen sie bei niedrigen 5-8 %.

Die Technologie der Affinitätsproteomik nutzen

Wie Dr. Linda Mellby, Projektkoordinatorin und Vizepräsidentin für FuE bei Immunovia, erklärt, entstand IMMPACT, „weil es unter Pankreatologen den klinischen Bedarf an einer zuverlässigen Biomarkersignatur gab, die primär anzeigt, ob ein Patient Krebs hat, und nicht, ob der Patient ein hohes Risiko hat, Krebs zu bekommen.“

Im Projekt wurden tausende Blutproben von Patienten mit PDAC genommen und mit denen einer Kontrollgruppe von gesunden Personen verglichen. Kern des Prozesses war die IMMray Array-Technologie (der Firma https://immunovia.com/ Immunovia AB) und ihre hochentwickelten bioinformatischen Algorithmen, die die Reaktion des Immunsystems auf eine Krankheit messen.

Wenn sich eine Krankheit entwickelt, verändern sich die Proteinmuster in Blut (relative Konzentration) und IMMray kann diese Muster erkennen. Bei hunderten Blutproben wurden parallel die Unterschiede in den Proteinmustern entschlüsselt. Daraus konnten die bioinformatischen Instrumente bestimmen, welche dieser Biomarker in welcher Kombination die meisten Informationen enthalten. Dr. Mellby erklärt: „Jeder der ausgewählten Marker enthält einzigartige Informationen, die zusammen das Gesamtbild ergeben. Marker, die dieselben Informationen enthalten wie andere ausgewählte Marker, werden ausgeschlossen. Das sorgt gleichzeitig für hohe Spezifität und Sensitivität.“

Gute klinische Verfügbarkeit und Nutzen für andere Krankheiten

IMMPACT hat in drei Gruppen mit hohem Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs prospektive Studien und Tests der IMMray-Technologie geplant. Zunächst betrachten die Forscher in 20 Kliniken in Spanien, dem Vereinigten Königreich, Skandinavien und den USA Personen, die aufgrund familiärer/erblicher Gründe gefährdet sind. Danach werden über 50-Jährige in Schweden untersucht, bei denen bereits Diabetes diagnostiziert wurde (Dänemark und die USA sollen später noch folgen).

Das Projekt wird den Test 2019 kommerziell im Labor bei Immunovia in Boston (USA) einführen. Außerdem wird er mit dem Kliniklabor im schwedischen Lund auch in der EU verfügbar sein. Um Qualität, Genauigkeit und Konsistenz des Tests sicher zu stellen, wird er in den USA vom College of American Pathologists (CAP) akkreditiert und erhält ein CLIA-Zertifikat (Clinical Laboratory Improvement Amendments) sowie die CE-Kennzeichnung in Europa.

Rückblickend auf alles, was im Projekt erreicht wurde, sagt Dr. Mellby: „Wir sind stolz darauf, eine Technologie zu etablieren, die ein großes Gesundheitsproblem lösen und Leben retten kann. Aktuell liegt die Überlebensraten nach fünf Jahren zwischen 5 % und 8 %, aber wenn der Krebs früh erkannt wird, könnte sie auf 50 % steigen. Diese Technologie lässt sich außerdem bei anderen komplexen Erkrankungen wie Lungenkrebs oder rheumatoider Arthritis anwenden.“

Schlüsselwörter

IMMPACT, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Früherkennung, Screening, Diagnose, Biomarkersignatur im Serum, rekombinanter Antikörper, Mikroarray-Plattform, Bluttest, Krankheit, Proteine, Bioinformatik
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