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H2020

ANCIENT_TEETH — Ergebnis in Kürze

Project ID: 703373
Gefördert unter: H2020-EU.1.3.2.
Land: Irland
Bereich: Gesellschaft

Prähistorische Zähne enthüllen ihre Geheimnisse

Beim Konsum von Nahrung sind deren Isotopenwerte im Gewebe eines Organismus nachweisbar. Da Knochen ständig umgebaut werden, kann die Analyse stabiler Isotopenzusammensetzungen im Knochenkollagen die wichtigsten Proteinquellen enthüllen, die über mehrere Jahre verzehrt wurden. Eine neue Forschungsstudie baut nun auf diesen Erkenntnissen auf, um Ernährung, Migration und Gesellschaft vom Neolithikum (6500 – 4500 v.Chr.) bis zur Eisenzeit (900 – 100 v.Chr.) zu analysieren.
Prähistorische Zähne enthüllen ihre Geheimnisse
Die Kombination modernster interdisziplinärer Methoden mit kostengünstigen Ansätzen (zahnmorphologische und Isotopenanalysen) in der Archäologie liefert derzeit bahnbrechende neue Erkenntnisse zur Interaktion antiker Populationen mit ihrer Umwelt und kann Aufschluss über die Entwicklung verschiedenster soziokultureller Systeme geben.

Ziel des EU-finanzierten Forschungsprojekts ANCIENT_TEETH war es, erstmals Veränderungen der Zähne bei früheren europäischen Völkern zu untersuchen wie auch Faktoren, die diese Übergänge beeinflussten. Die Forschungsleiterin Dr. Beatriz Gamarra Rubio befasste sich mit Migrationsbewegungen in der Großen Ungarischen Tiefebene (GHP) vom Beginn der Landwirtschaft in der Jungsteinzeit bis zur Eisenzeit.

Gefördert durch ein Marie-Curie-Stipendium erstellte sie mit Mikro-CT-Technologie digitale 3D-Modelle, um die Form des Übergangs zwischen Zahnschmelz und Dentin (enamel-dentine junction, EDJ) mit der geometrischen morphometrischen Technik zu untersuchen.

„Obwohl die bisherigen Ergebnisse noch vorläufig sind, zeigen sie doch im Kupferzeitalter (4500 – 2700 v.Chr.) und der Bronzezeit (2700 – 900 v.Chr.) eine unterschiedliche EDJ-Morphologie bei den Menschen in der GHP, die damit einer anderen Population entstammen dürften“, erklärt Dr. Gamarra. Dies bestätigt die Ergebnisse ihres leitenden Betreuers Prof. Ron Pinhasi, die das Muster der Migration der Völker aus dem Osten bis in die GHP zu Beginn der Bronzezeit aufzeigen.

Um genauere Daten zur Ernährungsweise der Bevölkerung zu bekommen, quantifizierte Dr. Gamarra die im Knochenkollagen eingelagerten Kohlenstoff- und Stickstoffisotope. „Auf diese Weise können wir die Menge an tierischen/pflanzlichen Proteinen berechnen, die diese Menschen aufnahmen, und damit Aufschluss über die damalige Nahrung bekommen.“

Sie fanden heraus, dass Menschen, die von der Jungsteinzeit bis zur frühen Bronzezeit in der GHP lebten, Nutzpflanzen wie Weizen und Gerste verzehrten, sowie unterschiedliche von der jeweiligen Landwirtschaft abhängige Mengen an Fleisch. In der Spätbronzezeit aß man hingegen andere Getreidesorten wie etwa Hirse. „Diese neue Nutzpflanze wurde in der Bronzezeit wahrscheinlich im Zuge einer Migrationswelle von Menschen aus dem Osten eingeführt.“

Die Vergangenheit weist den Weg in die Zukunft

Genauere Erkenntnisse zu den Folgen veränderter Ernährung bei früheren Völkern können auch Rückschlüsse auf die Ursachen heutiger Zahnprobleme zulassen. Auf diese Weise will das Projekt neues Wissen zur Anpassungsfähigkeit menschlicher Zähne an aktuelle und künftige Veränderungen der Ernährungsweise liefern, und davon wiederum könnten Klinikärzte profitieren, um die Zahngesundheit zu verbessern.

„Die Daten hochauflösender Mikro-CT-Scans von menschlichen Zähne sind eine hervorragende Basis für evidenzbasierte Forschungen. Sie werden all jenen zugute kommen, die die Gesundheitspolitik in europäischen Ländern reformieren wollen, etwa bei der Ernährung und Ernährungsumstellung“, sagt Dr. Gamarra.

Die enge Zusammenarbeit war für sie der Schlüssel zum Erfolg des Projekts. „Vor allem kommt es darauf an, multiple Ansätze aus verschiedensten Fachbereichen zu nutzen, um komplexe Themen wie die Agrarwende zu analysieren. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit lassen sich essenzielle Forschungsfragen aufarbeiten und präzisieren wie auch die Erfahrungen und die Betreuung von Forschern bereichern. Zudem können Nachwuchsforscher unabhängiges Arbeiten in der Forschung lernen.“

Schlüsselwörter

ANCIENT_TEETH, Zähne, Mikro-CT-Technologie, Bronzezeit, Knochenkollagen, Neolithikum, Eisenzeit, Zahnmorphologie, Große Ungarische Tiefebene
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